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Vom Tramdepot zur Gegenwartskunst: neues Kulturzentrum blickt über die Seidenstraße hinaus

Zentrum für zeitgenössische Kunst Taschkent
Zentrum für zeitgenössische Kunst Taschkent Copyright  Euronews
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Von Dilbar Primova
Zuerst veröffentlicht am
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Auf einem früheren Industriegelände steht jetzt Usbekistans erstes dauerhaftes Zentrum für Gegenwartskunst. Die Eröffnung zeigt lokale und internationale Künstler und vernetzt sich mit großen Museen im Ausland.

Ein ehemaliges Straßenbahndepot mit Dieselstation aus dem Jahr 1912 ist zu Usbekistans erstem dauerhaften Zentrum für zeitgenössische Kunst geworden.

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Das Centre for Contemporary Arts Tashkent (CCA), neu gestaltet vom Pariser Büro Studio KO, vereint Ausstellungen, Performances, Film, Forschung und Bildungsangebote unter einem Dach in der usbekischen Hauptstadt.

Doch seine Bedeutung geht über einen weiteren Kulturort in Taschkent hinaus. Das Zentrum bringt Künstlerinnen und Künstler aus Usbekistan enger an die internationale Szene der Gegenwartskunst heran und baut Partnerschaften mit großen Kulturinstitutionen in Europa, den USA und Asien auf.

Tarik Kiswanson, ein in Paris lebender Künstler schwedischer Herkunft, zeigt „Nest“ (2025) in „Hikmah“
Tarik Kiswanson, ein in Paris lebender Künstler schwedischer Herkunft, zeigt „Nest“ (2025) in „Hikmah“ Euronews

Das Zentrum verleiht einem Land eine zeitgenössische Dimension, das international vor allem für die Seidenstraßen-Architektur und das historische Erbe von Städten wie Samarkand und Buchara bekannt ist.

Centre for Contemporary Arts Tashkent
Centre for Contemporary Arts Tashkent Uzbekistan's Center for the Production of Content for Mass Media

CCA Taschkent: Einblicke ins neue Kunstzentrum

Der restaurierte Komplex bewahrt den Charakter des ursprünglichen Industriestandorts. Zugleich bietet er Galerien, eine Bibliothek, Bildungsbereiche, öffentliche Treffpunkte, einen Concept-Store und ein Restaurant.

Die erste Ausstellung „Hikmah“, was „Weisheit“ bedeutet, versammelt elf Werke von Kunstschaffenden aus Usbekistan und aus dem Ausland. Darunter sind neue Auftragsarbeiten, die eigens für die Räume in Taschkent entstanden sind.

Zu den internationalen Beiträgen gehört Flying Carpets (2011) der in Berlin lebenden, tunesisch-ukrainischen Künstlerin Nadia Kaabi-Linke, das aus dem Solomon R. Guggenheim Museum in New York nach Taschkent gekommen ist.

„Flying Carpets“ (2011) der in Berlin lebenden tunesisch-ukrainischen Künstlerin Nadia Kaabi-Linke
„Flying Carpets“ (2011) der in Berlin lebenden tunesisch-ukrainischen Künstlerin Nadia Kaabi-Linke Uzbekistan's Center for the Production of Content for Mass Media

Angeregt von informellen Straßenhändlerinnen und -händlern in Venedig, die ihre Waren auf Teppichen auslegen und im Notfall rasch zusammenpacken, übersetzt die Installation die Maße dieser Teppiche in schwebende Metallgitter. Das Werk stellt das romantische Bild des fliegenden Teppichs heutigen Erfahrungen von Bewegung, Migration und Unsicherheit gegenüber.

Der jamaikanisch-US-amerikanische Künstler Nari Ward nähert sich dem Thema Erinnerung über Alltagsgegenstände. Für seine Arbeit in Taschkent integrierte er das traditionelle Werkzeug, mit dem man dekorative Muster in usbekisches Brot stempelt, und versetzt so einen vertrauten Gegenstand aus dem Haushalt in einen neuen künstlerischen Kontext.

Nari Ward, „Tashkent Grounding“ (2026), eine Boden- und Wandinstallation
Nari Ward, „Tashkent Grounding“ (2026), eine Boden- und Wandinstallation Euronews

Der usbekische Künstler Shokhrukh Rakhimov, Keramiker in siebter Generation, untersucht eine andere Verbindung zwischen Gegenwart und überliefertem Erbe.

Seine ortsspezifische Installation, The Colour of Silence, In Search of Truth (2026), arbeitet mit Keramikformen und sieben Farben, die von den Lehren des zentralasiatischen Sufi-Gelehrten Najmiddin Kubro inspiriert sind.

„Es ist eine sehr schöne Bühne, auf der ich meine Arbeit einem weltweiten Publikum zeigen kann“, sagte Rakhimov und verwies auch auf die Chance, mit Kunstschaffenden aus anderen Ländern zusammenzuarbeiten.

„The Colour of Silence, In Search of Truth“ (2026) von Shokhrukh Rakhimov
„The Colour of Silence, In Search of Truth“ (2026) von Shokhrukh Rakhimov Euronews

Die Ausstellung zeigt zudem Werke, die die neue Institution mit der modernen Kunstgeschichte der Region verknüpfen. Dazu gehört Untitled (1981) von Vladimir Pan aus der Sammlung des Staatlichen Kunstmuseums Karakalpakstans, das weithin als das Savitsky-Museum bekannt ist.

Vladimir Pans „Untitled“
Vladimir Pans „Untitled“ Euronews

Taschkent und die Welt: Neues Zentrum vernetzt Kunstszene

Zu den Gästen der Eröffnung gehörte Mariet Westermann, Direktorin und CEO des Solomon R. Guggenheim Museum and Foundation.

„Jede ernstzunehmende Kunststadt auf der Welt hat sowohl historische Kunst und kulturelles Erbe als auch ganz stark die jüngste Kunst, die Kunst unserer eigenen Zeit“, sagte sie.

Usbekistans Präsident Shavkat Mirziyoyev besuchte das Zentrum vor der Eröffnung für die Öffentlichkeit und stellte die Entwicklung der zeitgenössischen Kultur als Bestandteil der breiteren Kulturpolitik des Landes dar.

„Natürlich ist es für uns selbstverständlich, unser großes Erbe und unsere kulturellen Schätze zu fördern“, sagte er. „Aber auch unsere jüngere Geschichte sichtbar zu machen, ist unsere Verantwortung und unsere Pflicht.“

Präsident Shavkat Mirziyoyev besuchte das Zentrum
Präsident Shavkat Mirziyoyev besuchte das Zentrum Uzbekistan's Center for the Production of Content for Mass Media

Die Art and Culture Development Foundation, die hinter dem Projekt steht, nennt als eine ihrer Prioritäten, Künstlerinnen und Künstlern in Usbekistan besseren Zugang zu internationalen Netzwerken zu verschaffen.

„Das CCA soll eine Plattform bieten, auf der junge Kunstschaffende und die breitere Kreativszene Usbekistans ihre Arbeiten zeigen, forschen, Ideen austauschen und an Programmen von Filmvorführungen bis zu Workshops teilnehmen können“, sagte Vizedirektor Azizbek Mannopov.

Mehr als eine Galerie

Zum Eröffnungsprogramm gehörten Workshops, Dichterlesungen, Filmvorführungen, Diskussionen und Performances. Außerdem erklang Shashmaqom, die klassische Musiktradition Zentralasiens.

Podiumsdiskussionen am Eröffnungstag
Podiumsdiskussionen am Eröffnungstag Uzbekistan Art and Culture Development Foundation

Westermann beschrieb das Zentrum als „lebendigen Ort“, an dem Besucherinnen und Besucher Kunstwerke nicht nur betrachten, sondern auch ihren Entstehungsprozess kennenlernen, Aufführungen erleben und mit Künstlerinnen und Künstlern ins Gespräch kommen können.

„Was wir heute hier eröffnen, zeigt meiner Ansicht nach, was gemeinsames Engagement und echte Verpflichtung gegenüber Kultur als öffentlichem Gut bewirken können“, sagte Saida Mirziyoyeva, Leiterin der Präsidialverwaltung der Republik Usbekistan, bei der Eröffnung.

Über Hikmah hinaus plant das CCA ein ganzjähriges Programm mit Ausstellungen, Forschungsprojekten, Residenzen, Film und Performance sowie Kooperationen mit Museen und Kultureinrichtungen im Ausland.

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