Autofahrer in Deutschland müssen erneut deutlich mehr fürs Tanken bezahlen. Am Samstagmittag schoss der Dieselpreis bundesweit innerhalb kurzer Zeit um rund 20 Cent je Liter nach oben. Zeitweise kostete ein Liter Diesel im Durchschnitt etwa 2,56 Euro. Auch Benzin wurde deutlich teurer.
Nachdem die Huthi strategisch wichtige Positionen im Jemen entlang der schmalen Meerenge unter ihre Kontrolle gebracht haben, drohen Handelsschiffen bei einer weiteren Eskalation erhebliche Umwege.
Statt der Route durch das Rote Meer müssten sie den Weg um das Kap der Guten Hoffnung und damit nahezu um den gesamten afrikanischen Kontinent nehmen. Die Folge wären deutlich längere Transportwege und voraussichtlich stark steigende Kosten. Noch ist dieses Szenario nicht vollständig eingetreten – an den Tankstellen sind die Auswirkungen der angespannten Lage jedoch bereits spürbar. Da die Preise nach den geltenden Regeln nur einmal täglich, um 12 Uhr, angehoben werden dürfen, bildeten sich am Samstagvormittag teilweise lange Schlangen vor den Tankstellen.
Die Huthi-Miliz droht damit, die strategisch wichtige Meerenge Bab al-Mandab dauerhaft zu blockieren. Die Meerenge zwischen dem Jemen und dem Horn von Afrika ist eine wichtige Verbindung für den internationalen Schiffsverkehr zwischen Europa und Asien. Ein erheblicher Teil des weltweiten Seehandels läuft durch diese Route.
Obwohl der Ölpreis am Samstag wegen des Wochenendes nicht an den Börsen gehandelt wurde, erhöhten viele Tankstellen in Deutschland ihre Preise um die Mittagszeit bereits deutlich.
Der starke Anstieg kommt zudem zu einer ohnehin angespannten Situation am Kraftstoffmarkt. Diesel hatte bereits am Vortag mit einem durchschnittlichen Preis von mehr als 2,38 Euro je Liter ein neues Monatshoch erreicht. Das bisherige Allzeithoch liegt bei 2,446 Euro je Liter und wurde am 7. April erreicht.
Zusätzlichen Druck auf die internationalen Energiemärkte übt die weiterhin angespannte Lage rund um die Straße von Hormus aus. Die Meerenge zwischen Iran und Oman gehört zu den wichtigsten Öl- und Gasrouten der Welt. Ein erheblicher Teil der weltweiten Öl- und Flüssiggastransporte wird über diese strategisch wichtige Passage abgewickelt.
Damit stehen gleich zwei wichtige Handels- und Energierouten unter Druck: Die Meerenge Bab al-Mandab zwischen Nordostafrika und der Arabischen Halbinsel im Roten Meer und weiterhin die Straße von Hormus, die den Persischen Golf mit dem Golf von Oman verbindet.
Günstigster Diesel auf Malta
Spanien bietet derzeit den zweitgünstigsten Diesel in der Europäischen Union an, mit 1,795 Euro pro Liter. Am billigsten ist weiterhin Malta, gefolgt von Spanien, Bulgarien und Ungarn. In dem Mittelmeer-Inselstaat hat die Regierung die Preise bereits seit 2020 eingefroren: auf 1,34 Euro pro Liter Benzin und 1,21 Euro pro Liter Diesel.
An der Tankstelle ist Diesel in Malta also derzeit am günstigsten. Betrachtet man dagegen nur den Kraftstoffpreis vor Steuern, Abgaben und bestimmten regulatorischen Kosten, liegt Deutschland laut einer Analyse von Frontier Economics am niedrigsten.
Das ergibt eine Analyse der Beratungsfirma Frontier Economics im Auftrag des Wirtschaftsverbands Fuels & Energie (EN2X), zu dessen Mitgliedern unter anderem BP, Shell und Esso zählen. Das Ergebnis: Werden staatliche Abgaben, Steuern und EU-Klimavorgaben herausgerechnet, ist Diesel in Deutschland so günstig wie in keinem anderen europäischen Land. Beim Benzin liegt Deutschland demnach eigentlich auf Platz zwei.
Laut Studie ist neben den hohen Steuern und Abgaben auch die EU-Richtlinie für erneuerbare Energien (RED) ein großer Kostenfaktor. Deutschland setzt strengere CO₂-Ziele als viele EU-Staaten und droht bei Verfehlung mit höheren Strafen. Um diese zu vermeiden, kaufen Unternehmen Zertifikate, etwa von E-Auto-Besitzern.
Diese Zertifikatskosten belaufen sich in Deutschland auf 18 Cent je Liter Diesel. In den meisten anderen EU-Ländern sind es nur drei bis neun Cent.
Die Bundesregierung sieht indes die Schuld für die hohen Preise bei den Konzernen. Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) arbeitet an einer nationalen Raffineriestrategie. Ein erstes Treffen ist für Oktober geplant.