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Sechs Monate Hormus-Blockade: Katar und VAE testen Notrouten für LNG

LNG-Tanker führen einen Schiff-zu-Schiff-Transfer durch.
LNG-Tankschiffe führen eine Umladung von Schiff zu Schiff durch. Copyright  Business Wire 2017
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Von Mohamed Elashi
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LNG-Exporteure suchen Auswege aus den Hormus-Störungen: Drei Golf-Ladungen liefen per Schiff-zu-Schiff-Transfer, Exporte aus Katar und den VAE bleiben klar unter Vorkriegsniveau.

Katar und die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) lassen beschädigte LNG-Tanker per Ship-to-Ship-Umladung (STS) umleiten. So soll der Gasfluss zu Abnehmern in aller Welt aufrechterhalten werden. Die Notfallaktionen verteuern jede Ladung um mehr als 1 Million Dollar und verlängern die Reisezeit um bis zu 35 Stunden, weil der anhaltende Krieg den Verkehr durch die blockierte Straße von Hormus weiter beeinträchtigt.

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Im August wurden laut Schiffsverfolgungsdaten von Kpler und Vortexa drei in Katar und den VAE beladene LNG-Ladungen vor Oman und den VAE von einem Schiff auf ein anderes übertragen und anschließend zu Abnehmern in Asien gebracht.

Zwei der drei Transfers betrafen Schiffe, die zuvor beschädigt worden waren oder in Zwischenfälle verwickelt waren.

Das von QatarEnergy betriebene Schiff Al Rekayyat, das im Juli nahe Hormus von einem Geschoss getroffen wurde, übergab seine Ladung vor der Küste der VAE an den katarischen Tanker Tembek. Tembek lieferte das LNG später nach Indien.

Die GasLog Shanghai, die Ende Juli beim Verlassen der Straße von Hormus in einen Zwischenfall verwickelt war, übergab ihre Ladung später vor Oman an die GasLog Savannah.

An einer dritten Aktion war die von ADNOC kontrollierte Mraweh beteiligt. Sie lud das auf Das Island verladenen LNG vor Oman auf die LNG Enugu um. Die Fracht setzte ihren Weg nach Japan fort.

Teurer Umweg um die Störung

Ship-to-Ship-Transfers von LNG sind technisch anspruchsvoll und kommen außerhalb von Notfällen nur selten zum Einsatz.

Im Gegensatz zu Rohöl, das sich relativ schnell von Schiff zu Schiff pumpen lässt, muss LNG bei minus 162 Grad Celsius gehalten werden, damit es flüssig bleibt.

Für die Umladung sind spezielle kryogene Anlagen, Fender, Schlepper und geschultes Personal auf beiden Schiffen nötig.

Aus diesen Gründen gelten STS-Manöver in der Rohölbranche als Routine, im LNG-Handel bleiben sie jedoch die Ausnahme. Üblicherweise greift man nur dann darauf zurück, wenn ein Schiff seine Reise nicht wie geplant abschließen kann.

Bogdan Ratiu, Commercial and Shipping Director beim Dienstleister LNG Synergy, sagte, es habe sich bei den meisten jüngsten Aktionen um Notfallumlagerungen und nicht um routinemäßige kommerzielle Transfers gehandelt.

„Das ist eine Einschränkung, in bestimmten Situationen haben sie keine Wahl“, sagte Ratiu Euronews.

Ratiu zufolge dauert ein Ship-to-Ship-Transfer von LNG rund 30 bis 35 Stunden und erfordert Spezialausrüstung, Schlepper, Fender und Fachpersonal.

„Es kommen leicht mehr als 1 Million Dollar (860.600 Euro) zusammen, wenn ein STS-Manöver nötig wird“, sagte er.

Ein Motorboot passiert in der Straße von Hormus vor Bandar Abbas im Iran vor Anker liegende Handelsschiffe, am 6. September 2026.
Ein Motorboot passiert in der Straße von Hormus vor Bandar Abbas im Iran vor Anker liegende Handelsschiffe, am 6. September 2026. AP Photo/Vahid Salemi

Sobald LNG in Ras Laffan auf einen Tanker verladen ist, fährt das Schiff normalerweise so schnell wie möglich zum Kunden. Bleibt LNG länger an Bord, blockiert das die Schiffe und kann zu Verlusten durch Boil-off führen, wenn ein Teil des Gases natürlicherweise verdampft.

Neuere Schiffe können einen Teil dieses Gases wieder zu flüssigem LNG verarbeiten. Ältere Tanker haben dafür deutlich weniger Möglichkeiten.

Laut Ratiu versucht QatarEnergy traditionell, die Zeit zu minimieren, in der LNG nach dem Verladen an Bord bleibt. Auch Ras Laffan ist auf schnelle Abfertigung der Schiffe ausgelegt.

„In verzweifelten Zeiten braucht es verzweifelte Lösungen“, sagte er.

Qatars Ras Laffan Industrial City, der Verladehafen für LNG-Exporte von Qatargas und QatarEnergy, ist der weltweit größte Produktions- und Exportkomplex für LNG.

Vor dem Krieg wurden dort pro Monat zwischen 140 und 150 LNG-Ladungen verschifft. Ras Laffan war damit der wichtigste Ausgangspunkt für die globale LNG-Versorgung.

Sämtliche Ausfuhren müssen die Straße von Hormus passieren, um auf den Weltmarkt zu gelangen. Es gibt weder eine Pipeline noch eine alternative Route.

LNG-Defizit am Golf bleibt gravierend

Zwischen März und Juni gingen die LNG-Verladungen aus Katar und den VAE im Jahresvergleich um 35 Milliarden Kubikmeter zurück, wie die Internationale Energieagentur (IEA) (Quelle auf Englisch) berichtet.

Katar exportierte in den ersten sechs Monaten des Iran-Kriegs nur 18 LNG-Ladungen, nach 509 im gleichen Zeitraum des Vorjahres – ein Rückgang um rund 96 Prozent.

Schätzungen zufolge entgingen Katar in diesem Zeitraum Gaserlöse von rund 24 Milliarden Dollar (20,7 Milliarden Euro). QatarEnergy beruft sich bei einigen Lieferungen weiterhin auf höhere Gewalt; Stornierungen reichen inzwischen bis in den frühen November.

Ein großer Teil der fehlenden Golf-Lieferungen wurde jedoch an anderer Stelle ausgeglichen.

Die IEA berichtet, dass die LNG-Produktion außerhalb des Golfs zwischen März und Juni um fast 18 Prozent bzw. rund 27 Milliarden Kubikmeter zulegte. Damit wurde etwa drei Viertel des Rückgangs der Lieferungen aus Katar und den VAE kompensiert. Die weltweite LNG-Produktion sank im gleichen Zeitraum insgesamt um rund 4 Prozent.

Nordamerika und Afrika gehörten zu den Regionen, die zusätzliche Mengen auf den Markt brachten – gestützt durch neue LNG-Projekte und eine bessere Gasverfügbarkeit für bestehende Anlagen.

Die zusätzlichen Lieferungen haben das Defizit teilweise abgefedert. Die Gaspreise liegen jedoch weiterhin deutlich über dem Vorkriegsniveau.

Straße von Hormus bleibt Hauptproblem

Die VAE können einen Teil ihrer Ölexporte über eine Pipeline nach Fudschaira an der Straße von Hormus vorbeileiten. Für LNG gibt es jedoch keine vergleichbare Route in großem Maßstab.

Parallel dazu laufen diplomatische Bemühungen, den Schiffsverkehr durch die Meerenge zumindest teilweise wiederherzustellen. Katar und der Iran haben Ende August in Teheran über einen befristeten Schiffskorridor durch Hormus und ein gemeinsames Minenräumprojekt in der Wasserstraße beraten.

Katar betont, der Vorschlag sei Teil umfassenderer Bemühungen, die freie Schifffahrt durch die Straße wiederherzustellen.

Die Ratingagentur Fitch nahm Katar am Freitag von der „Rating Watch Negative“ und bestätigte das langfristige Länderrating von AA. Die unmittelbaren Risiken für die LNG-Anlagen des Landes hätten nachgelassen, hieß es zur Begründung.

Den Ausblick beließ Fitch jedoch auf negativ, wegen der anhaltenden Unsicherheit über LNG-Exporte durch die Schlüsselwasserstraße, auf der üblicherweise ein Fünftel des weltweiten Öl- und Gasaufkommens transportiert wird.

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