„Ihr Körper, ihre Entscheidung“ oder „den Feminismus um tausend Jahre zurückwerfen“? Euphoria-Star Sydney Sweeney löst mit einem neuen Werbespot online einen Shitstorm aus – diesmal von Sportlerinnen.
Offenbar dreht das Internet jedes Mal durch, wenn die US-Schauspielerin Sydney Sweeney einen neuen Werbespot unterschreibt.
Nach ihrer hoch umstrittenen Werbekampagne für American Eagle hat ihr jüngster Auftritt eine neue Welle der Empörung ausgelöst. Dieses Mal bringt Sweeney vor allem Sportlerinnen und Olympionikinnen gegen sich auf. Sie nennen den Spot „frustrierend“ und „einen Tritt ins Gesicht jeder Frau“.
Auslöser des neuen Streits ist ein Werbespot für Novig, eine US-App für Sportwetten.
In dem nicht jugendfreien Spot posiert die "Euphoria“-Darstellerin fast nackt mit verschiedenen Sportgeräten. Der Fantasie bleibt wenig überlassen.
"Novig ist nur Sport“, sagt sie und bedeckt ihren üppigen Körper strategisch mit Footballs – später mit einem Baseballschläger, einem Hockeyschläger, einem Tennisschläger ...„Sport ... Sport ... Sport ...“, wiederholt sie, bevor sie hinzufügt: „Keine Wetten auf Kriege oder Todesfälle, keine Politik. Nur du und deine Einschätzungen zum Sport.“
"Es ging darum, eine witzige Idee umzusetzen“, sagte Sweeney, die bei Novig auch strategische Partnerin und Anteilseignerin ist. "Die Idee ist simpel: den Lärm ausblenden und den Fokus ganz auf den Sport legen. Die Kampagne setze das mit Selbstbewusstsein, Humor und einem verspielten Ton um.“
Abgenommen haben ihr das allerdings nur wenige, denn der Spot richtet den Blick deutlich weniger auf Sport als auf all jene, die sich von ihrem Körper angezogen fühlen.
Wie so oft liefen die sozialen Netzwerke heiß. Für manche traf die Werbung genau den Nerv, andere waren wütend und fühlten sich mit einem schamlosen, für dumm verkaufenden Konzept konfrontiert.
"Sydney Sweeney wirft den Feminismus im Alleingang um tausend Jahre zurück, und ihr werdet mich vom Gegenteil nicht überzeugen“, schrieb eine Nutzerin, während eine andere kommentierte: "Das ist im Grunde Softporno.“
"Hört auf, Frauensport zu sexualisieren“, schrieb eine weitere Person. „In welcher Welt muss man für einen Sport-Werbespot splitterfasernackt sein?!“
Über das übliche Hin und Her voller Galle auf X hinaus löste der Spot auch bei Sportlerinnen Besorgnis aus. Sie kritisierten, Sweeneys Werbung sexualisiere Frauensport in beschämender Weise und sei „entwürdigend“.
"Ich kann gar nicht beschreiben, wie wütend ich werde, wenn ich das sehe“, schrieb Ariarne Titmus, vierfache australische Olympiasiegerin, auf Instagram. "Es ist nicht nur ein Tritt ins Gesicht jeder Frau, die ihr Leben dem Perfektionieren ihres Sports gewidmet hat, sondern auch jeder Frau, die Sport für das liebt, was er wirklich ist – Teamwork, Freundschaft, Hingabe, Exzellenz, Zusammenhalt.“
Sie fragte weiter: „Wie können wir in einer Welt leben, in der man mit dem Körper von Frauen immer noch Geld verdient und Frauensport sexualisiert?“
Die australische Box-Weltmeisterin Skye Nicolson sprach von einer "Verhöhnung“ von Frauen im Sport. "Es gibt einen großen Unterschied zwischen ‚sexy aussehen‘, weil man Sport treibt, und Sex zu benutzen, um ‚Sport‘ zu verkaufen“, schrieb sie in einer Instagram-Story. "Es ist nichts Falsches daran, beim Sport gut auszusehen, und nichts Falsches daran, seine Weiblichkeit zu leben und gleichzeitig eine knallharte Athletin zu sein.“
Die kanadische Skirennläuferin Cassidy Gray, Teilnehmerin bei den Olympischen Winterspielen 2026, reagierte auf TikTok auf den Spot. Sie erinnerte daran, dass Sportlerinnen ständig Gefahr laufen, sexualisiert zu werden, nicht ernst genommen zu werden und weniger Chancen zu bekommen als Männer. In ihrem inzwischen viral gegangenen Video nannte Gray Sweeneys Auftritt „idiotisch“ und „sinnlos“.
Unterdessen schrieb die britische Athletin Lucy Davis in einem Beitrag, den unter anderem Schauspielerin Florence Pugh likte: "Ich habe keine Ahnung, was Sydney Sweeney da macht, aber wir haben 2026. Hört auf, Frauen im Sport zu sexualisieren.“
Die britische Sprinterin Amy Hunt nutzte ein BBC-Interview, um die Schauspielerin direkt anzusprechen. „Sydney Sweeney, so sehen Frauen im Sport aus“, sagte sie nach ihrem Lauf bei den World Athletics Ultimate Championships. „Muskeln. Harte Arbeit, Blut, Schweiß, Tränen. Das hier ist ein wunderschöner Abend.“
"Warum geben wir nicht der Werbeagentur die Schuld, statt der Schauspielerin? Wenn sie abgesagt hätte, hätte es sicher jemand anderes gemacht. Ich finde nicht, dass man ihr die Verantwortung zuschieben kann“, schrieb eine Instagram-Nutzerin. Eine andere meinte: „Das ist so übertrieben. Es ist eine Sportwetten-Werbung. Sie hat nichts mit Frauen im Sport zu tun. Sie soll nur ein paar Typen dazu bringen, Geld für Sport auszugeben.“
Sweeney reagierte offenbar, indem sie in ihrer Instagram-Story Titelblätter aus der ESPN-Reihe "The Body Issue“ teilte – Nacktaufnahmen von Athletinnen wie Serena Williams, Ronda Rousey und Megan Rapinoe.
Mehr als 200.000 ihrer Follower drückten dennoch inzwischen auf „Unfollow“.
Bereits ihr American Eagle Spot war 2025 heftig umstritten. Die Modemarke warb mit dem Satz „Sydney Sweeney has great jeans“. Das Wortspiel: Im Englischen klingen jeans (die Hose) und genes (Erbgut/Gene) fast gleich. Kritiker bemängelten, dass die blonde und blauäugige Schauspielerin in Kombination mit dem Wortspiel den Eindruck erwecke, es gehe um "gute“ oder überlegene Erbanlagen.