Catherine Ringer ist mit 68 Jahren in der Nacht zum 14. September an Krebs gestorben. Seither würdigen Künstler, Politiker und Kulturschaffende ihre besondere Stimme und Freiheit.
Es gibt Stimmen, die erkennt man in einer Sekunde. Die von Catherine Ringer gehörte dazu. Sie konnte lachen, knarzen, schreien, von Liebe, Begehren oder Wahnsinn singen. Eine Stimme, die sich nie in eine Schublade stecken ließ.
Die Nachricht von ihrem Tod hat eine Welle bewegter Reaktionen ausgelöst. Unter ihnen würdigte Emmanuel Macron sie als „nicht einzuordnende, respektlose, zutiefst französische Persönlichkeit“. Auf dem Netzwerk X veröffentlichte der Präsident seinen Text zusammen mit einem Ausschnitt aus dem Jahr 2024, in dem die Künstlerin „La Marseillaise“ sang, als das Recht auf Schwangerschaftsabbruch in der Verfassung verankert wurde.
Der Élysée-Palast hat am Mittwoch zudem in einem Kommuniqué einen feierlichen Nachruf veröffentlicht. Darin zeichnet der Text den Weg dieser „kompletten Künstlerin“ nach, geboren 1957 in Suresnes und von klein auf geprägt von einem künstlerischen Familienkosmos. Nach ersten Auftritten im Café de la Gare und im Palace und nach „dunkleren, schmerzhaften Erfahrungen“, aus denen sie sich befreite, wurde 1979 zum entscheidenden Wendepunkt: Sie traf Fred Chichin.
Gemeinsam gründeten sie Les Rita Mitsouko, ein Duo, dessen Kunst als „frei und nicht einzuordnen“ galt. Ab 1984 eroberte es mit dem durchschlagenden Erfolg von „Marcia Baïla“ das breite Publikum.
Nach dem Tod ihres Partners 2007 setzte Catherine Ringer ihre Laufbahn „mit erschütternder Würde“ fort. Sie wechselte zwischen Soloprojekten und neuen Bühnenauftritten, bei denen sie die Kultsongs des Duos wieder aufleben ließ. Sie wurde zugleich als „Diva, populäre Sängerin und Avantgardistin“ beschrieben und hinterlässt nach Einschätzung des Präsidialamts ein „eigenwilliges, funkelndes künstlerisches Erbe“, das die französische Musikwelt geprägt hat.
Politikerinnen und Politiker von links bis rechts erinnerten daran, dass sie auch eine unermüdliche, aber nicht parteigebundene Aktivistin war. Eine Feministin durch ihr Handeln, lange bevor der Begriff zum Slogan wurde. Sie hielt Machos in TV-Studios ebenso stand wie allzu wohlmeinenden Moralpredigten. So äußerten sich auf X unter anderem Dominique de Villepin (Quelle auf Französisch) und die LFI-Europaabgeordnete Manon Aubry (Quelle auf Französisch).
Kolleginnen und Kollegen würdigen und danken Catherine Ringer
Rock- und Popmusiker, Rapper, Größen des französischen Chansons: Sie alle trauern um den Verlust einer „großen Schwester auf der Bühne“.
In den sozialen Netzwerken stand die Musikwelt einen Moment lang still, um jene zu würdigen, die der französischen Unterhaltungsmusik einen Funken Punk-Wahnsinn eingepflanzt hatte.
Benjamin Biolay veröffentlichte einen bewegenden Nachruf auf Instagram (Quelle auf Französisch). Er erinnerte daran, welch prägende Erschütterung das Album „The No Comprendo“ gewesen war, und würdigte die außergewöhnliche Stimme und die Poesie des legendären Duos, das sie mit Fred Chichin bildete.
Étienne Daho (Quelle auf Französisch) seinerseits stellte ein Foto mit Catherine Ringer online und schrieb dazu nur ihren Vornamen.
Erwähnenswert sind auch die Worte von Sparks, mit denen Les Rita Mitsouko zusammengearbeitet hatten. Die US-Band nennt sie eine „einzigartige Künstlerin“, eine „wahre Naturgewalt“ und eine Freundin, der zu begegnen sie als großes Glück empfanden.
Die Würdigungen gehen zudem weit über die Musikwelt hinaus. Josiane Balasko, Nikos Aliagas, Michèle Laroque, Julie Gayet, Flavie Flament und Alain Chabat teilten ihre Erinnerungen und ihre Trauer in den sozialen Netzwerken.
Ein besonders schönes Beispiel eines Tributs, entdeckt auf X, zeigt, wie sehr die Künstlerin viele Generationen geprägt hat – auch die jüngsten – und dies wohl weiterhin tun wird.
Zum Schluss kann dieser Text nur mit Musik enden. Mit der Musik von Catherine und Fred, die einen großen Teil des Lebens Ihres Dieners begleitet und getragen hat. Besonders dieses Lied bleibt mit einer unverblassten Erinnerung verbunden: einem Konzert im Oktober 2000 in einem Saal in Lyon. Sie damals auf der Bühne zu sehen und dieses Stück live zu hören, hat sich für immer eingeprägt.
„C'est comme ça“ – Les Rita Mitsouko – Album „The No Comprendo“ – Clip von Jean-Baptiste Mondino aus dem Jahr 1986.