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Millionen Bücher verbrannt, Russlands Verlage fordern Staatshilfe

Symbolfoto von einer Buchmesse in Sankt Petersburg. Mai 2026.
Symbolfoto von einer Buchmesse in Sankt Petersburg. Mai 2026. Copyright  AP
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Von Mihhail Salenkov
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Bis zu 20 Millionen Bücher sind nach ukrainischen Drohnenangriffen in brennenden Lagerhäusern von Wildberries und Ozon verloren gegangen. Russische Verlage schlagen Alarm und fordern jetzt gezielte staatliche Unterstützung.

Die russischen Behörden beraten mit Vertretern der Buchbranche über mögliche Hilfsmaßnahmen. Hintergrund sind die schweren Verluste, die Verlage und Händler durch Brände in Lagern großer russischer Online-Marktplätze erlitten haben.

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Infolge von Angriffen ukrainischer Drohnen sind in Lagern von Wildberries und Ozon mindestens 15 Millionen Bücher verbrannt. Der Verlag Eksmo hält es für möglich, dass die Zahl ein Drittel höher liegt, also bei rund 20 Millionen. Der Schaden wird auf sechs Milliarden Rubel geschätzt, umgerechnet rund 60 Millionen Euro.

In der Diskussion ist unter anderem, die Mehrwertsteuer auf gedruckte Bücher vorübergehend von 10 auf 5 Prozent zu senken, mindestens für ein Jahr. Die Verlage fordern außerdem zinsgünstige Kredite, ein Verbot, die Mehrwertsteuer auf zerstörte Waren nachzuerheben, und die Möglichkeit, deren Wert vollständig als Aufwand abzuschreiben.

"Wir brauchen jetzt überhaupt ein Signal der Unterstützung", zitiert die Zeitung Kommersant den Geschäftsführer des Verlags Rosmen, Boris Kusnezow. "Ein ermäßigter Mehrwertsteuersatz von 5 Prozent wird die Branche nicht retten, aber er wäre zumindest eine gewisse Hilfe", sagt Kusnezow.

Der Geschäftsführer des Verlags Eksmo, Jewgeni Kapjew, rechnet auf der Konferenz "Buchmarkt Russlands – 2026" mit sinkenden Buchverkäufen in Russland. Dem Buchmarkt sei nun gezielte Hilfe nötig, sagt Kapjew laut der Zeitung Wedomosti. Es bestehe die Gefahr, dass die Kriterien für staatliche Steuer- und Versicherungsvergünstigungen für Wildberries-Verkäufer auf die Akteure der Branche gar nicht anwendbar seien. Die aktuelle Lage habe die Infrastruktur der Buchindustrie insgesamt aus dem Gleichgewicht gebracht, so Kapjew. Verlage überprüfen deshalb ihre Auflagenhöhen, einige wollen die Zahl der Neuerscheinungen zurückfahren.

Marktplätze ändern ihr Modell

Vertreter von Wildberries und Ozon berichten, im ersten Halbjahr 2026 seien die Buchverkäufe um etwa 18 bis 20 Prozent gestiegen. Nach den Angriffen der ukrainischen Streitkräfte stellen die Marktplätze ihre Zusammenarbeit mit Partnern um: Bestellte Waren liefern die Verkäufer nun aus ihren eigenen Lagern an die Kundschaft. Der Leiter der Buchkategorie von Wildberries wollte sich auf der Branchenkonferenz nicht zu den Verlusten äußern.

Eine Vertreterin von Ozon erklärte, das Unternehmen minimiere die Risiken und empfehle Partnern, ihre Waren höchstens für 30 Tage in die Lager einzusteuern. Einige unabhängige Verlage setzen die Zusammenarbeit mit den Marktplätzen inzwischen ganz aus.

Die ukrainischen Streitkräfte nahmen Einrichtungen des größten russischen Marktplatzes Wildberries Mitte Juli ins Visier. Getroffen wurden 23 Lagerhäuser, darunter das größte im Moskauer Umland in Koledino. Im August attackierten ukrainische Drohnen zusätzlich Lager des zweitgrößten Marktplatzes Ozon, unter anderem in Saratow und Orenburg.

Die ukrainische Regierung begründet die Angriffe damit, dass es sich nicht nur um zivile Objekte handle. Die Lager seien Teil des russischen Logistiksystems, über das Güter mit doppeltem Verwendungszweck, Bauteile und Ausrüstung für die russische Armee liefen. "Systematische Angriffe auf Lagerzentren für Güter mit doppeltem Verwendungszweck erschweren die Logistik des Gegners und wirken sich insgesamt negativ auf die Wirtschaft Russlands aus", erklärte der ukrainische Generalstab nach den ersten Angriffen auf Ozon.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj nannte die Lager von Wildberries Logistikzentren, die zur Versorgung der russischen Armee mit Drohnenbauteilen, Navigationsausrüstung und anderem Material eingesetzt werden. "Das ist eine absolut angemessene Antwort auf alles, was Russland gegen uns unternimmt. Frieden ist notwendig, und genau das muss die russische Führung begreifen. Russland muss seinen Krieg beenden", betonte Selenskyj.

Verbrannte Bücher auf einem Buchmarkt in Kyjiw nach einem russischen Raketenangriff
Verbrannte Bücher auf einem Buchmarkt in Kyjiw nach einem russischen Raketenangriff Copyright 2026 The Associated Press. All rights reserved.

Auch der ukrainische Buchmarkt leidet stark unter dem von Russland entfesselten vollumfänglichen Krieg. Russische Raketen- und Drohnenangriffe treffen Druckereien, Verlage und Lagerhallen. Nach offiziellen Angaben wurden allein im vergangenen Jahr infolge der russischen Aggression rund zwölf Millionen Bücher zerstört.

Durch die russischen Angriffe hat die Ukraine 33 Prozent ihres jährlichen Buchdruckvolumens verloren: Im Juli gingen 1,5 Millionen Exemplare verloren, im August 10 Millionen, berichtet die Wirtschaftszeitung Ekonomitschna Prawda. Betroffen sind Dutzende Verlage und Buchhandlungen sowie Hunderte Schulen, denn durch die Angriffe verbrannten neun Prozent der neuen Lehrbücher.

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