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Europäische Börsen erholen sich vor erwartetem Fed-Zinsschritt

Archiv: Fed-Chef Kevin Warsh trifft am Freitag, 28. August 2026, in Moran, Wyoming, beim jährlichen wirtschaftspolitischen Symposium in Jackson Hole ein.
Archivfoto: US-Notenbankchef Kevin Warsh trifft am Freitag, 28. August 2026, in Moran im US-Bundesstaat Wyoming zum jährlichen Jackson-Hole-Symposium ein. Copyright  AP Photo/Amber Baesler
Copyright AP Photo/Amber Baesler
Von Doloresz Katanich mit AP
Zuerst veröffentlicht am Zuletzt aktualisiert
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Europäische Börsen legen leicht zu, Ölpreise und Renditen geben nach. Anleger warten auf die Entscheidung der US-Notenbank zu ersten Zinserhöhung seit drei Jahren.

Europäische Aktien haben am Mittwoch leicht zugelegt. Sinkende Ölpreise und sich stabilisierende Renditen von Staatsanleihen verschafften den Anlegern etwas Erleichterung vor einer erwarteten Zinserhöhung in den USA.

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Der Leitindex Euro STOXX 50 lag gegen Mittag rund 0,5 Prozent im Plus. Auch der deutsche DAX, der französische CAC 40 und der britische FTSE 100 verbuchten leichte Gewinne.

Anleger blieben vor der Entscheidung der US-Notenbank dennoch vorsichtig. Laut dem FedWatch-Tool der Terminbörse CME preisten die Märkte mit einer Wahrscheinlichkeit von 92 Prozent eine Anhebung um einen Viertelpunkt ein. Das Zinsurteil wird um 20.00 Uhr MESZ erwartet, eine halbe Stunde später folgt die Pressekonferenz von Fed-Chef Kevin Warsh.

Technologie- und Energiewerte gehörten zu den stärksten Titeln in Europa. Aktien aus dem KI- und Halbleitersektor erholten sich von jüngsten Verlusten: Der in Amsterdam gelistete Chipausrüster ASML legte um mehr als zwei Prozent zu, während der französische Hersteller von Halbleitermaterialien Soitec nach einer Heraufstufung durch JPMorgan fast zwölf Prozent sprang.

Auch europäische Banken zählten nach den kräftigen Verlusten am Vortag zu den Gewinnern. Barclays stieg um 1,8 Prozent, Standard Chartered gewann rund zwei Prozent.

„Die europäischen und asiatischen Börsen haben am Mittwoch eine solide Gegenbewegung hingelegt, da sich die Stimmung der Anleger mit dem Rückgang des Ölpreises aufgehellt hat“, schrieb Russ Mould, Investmentdirektor beim Vermögensverwalter AJ Bell, in einer Analyse.

Die Ölpreise gaben leicht nach. Die internationale Referenzsorte Brent wurde gegen Mittag bei etwas über 107 Dollar je Fass gehandelt. Sie liegt damit weiterhin deutlich über dem Niveau von rund 72 Dollar, das vor Beginn des Iran-Kriegs im Februar verzeichnet wurde.

„Der Rückgang beim Ölpreis allein dürfte die US-Notenbank kaum zu einem Kurswechsel bewegen. Allgemein wird erwartet, dass sie die Zinsen heute erhöht – es könnte der erste von zwei oder drei Schritten in den nächsten sechs Monaten sein“, ergänzte Mould.

In Großbritannien zog die jährliche Inflationsrate im August von 2,9 auf 3,1 Prozent an, teilweise getrieben von höheren Kraftstoffkosten. Die Daten wurden einen Tag vor der Zinsentscheidung der Bank of England veröffentlicht, bei der die Notenbank die Zinsen nach Einschätzung von Ökonomen unverändert lassen dürfte.

Auch Staatsanleihen im Euroraum erholten sich am Mittwoch etwas. Am frühen Nachmittag lag die Rendite der deutschen Zehn-Jahres-Bund bei rund 3,53 Prozent, die französische Zehn-Jahres-OAT blieb über 4,5 Prozent. Die entsprechende britische Gilt-Rendite lag bei 5,34 Prozent. Die Rendite der US-Zehn-Jahres-Treasury hielt sich nahe fünf Prozent, nachdem sie zu Wochenbeginn mit 5,04 Prozent den höchsten Stand seit 2007 erreicht hatte.

Der Euro bewegte sich kaum und notierte bei rund 1,154 Dollar. Analysten der ING erklärten in einer von Dow Jones Newswires zitierten Notiz, die Gemeinschaftswährung könnte in Richtung 1,15 Dollar rutschen, falls die Fed die Zinsen anhebt und weitere Straffungen in Aussicht stellt – ein großer Teil der erwarteten Erhöhung sei jedoch bereits eingepreist.

Fed-Chef Warsh zwischen Finanzmärkten und Trump

Seit knapp vier Monaten im Amt steht Fed-Chef Kevin Warsh zwischen den Erwartungen der Finanzmärkte und den Wünschen von US-Präsident Donald Trump. Die Märkte rechnen mit einer Zinserhöhung, Trump drängt die Notenbank dagegen, die Kreditkosten zu senken oder zumindest nicht anzutasten.

Volkswirte gehen überwiegend davon aus, dass Warsh und seine Mitentscheider dem Markt-Konsens folgen, wenn die Fed am Mittwoch ihre Entscheidung verkündet.

Warsh hat sich kaum Spielraum gelassen, um eine Anhebung zu vermeiden. Auf der Notenbankkonferenz in Jackson Hole Ende August warnte er, die Inflation liege weiterhin deutlich über dem Zwei-Prozent-Ziel der Fed.

Die Erwartungen einer Zinserhöhung haben sich nach den jüngsten Inflationsdaten weiter verfestigt. Die Zahlen zeigen, dass der Preisdruck hartnäckig hoch bleibt. An den Terminmärkten liegt die Wahrscheinlichkeit für eine Anhebung um einen Viertelpunkt bei rund 90 Prozent.

Eine solche Entscheidung würde die Zielspanne der Fed von 3,5 bis 3,75 Prozent auf 3,75 bis vier Prozent erhöhen.

Bewährungsprobe für die Glaubwürdigkeit der Fed

Vor einer ähnlichen Zwickmühle stand Warsh kurz nach seinem Amtsantritt am 22. Mai. Trotz harter Worte zur Inflation beließ die Fed ihren Leitzins im Juli unverändert.

Die anschließende Pressekonferenz brachte den Anlegern wenig Klarheit darüber, wie die Notenbank auf die hartnäckige Teuerung reagieren will. Seitdem sind die langfristigen Finanzierungskosten gestiegen: Die Rendite der Zehn-Jahres-Treasury kletterte in dieser Woche über fünf Prozent, ein Niveau, das seit Jahren nicht erreicht wurde.

Bauzinsen, die stärker von den Treasury-Renditen als vom Leitzins der Fed beeinflusst werden, sind ebenfalls gestiegen. Nach Angaben des Hypothekenfinanzierers Freddie Mac lag der durchschnittliche Zins für dreißigjährige Festhypotheken in der Woche bis zum zehnten September bei 6,76 Prozent.

Belässt die Fed die Zinsen erneut unverändert, droht nach Einschätzung von Ökonomen eine Wiederholung der Marktreaktion auf die Juli-Sitzung. Anleger verlangen in der Regel höhere Renditen auf Staats- und Unternehmensanleihen, wenn sie mit anhaltend hoher Inflation rechnen.

„Das ist das Paradox: Eine Anhebung jetzt kann langfristige Zinsen später senken“, sagte Diane Swonk, Chefvolkswirtin bei KPMG.

„Wird das Vertrauen in das Zwei-Prozent-Ziel wiederhergestellt, kann die Inflationsprämie fallen. Gelingt das nicht, ziehen die Märkte von selbst an – über höhere Hypothekenzinsen, steigende Finanzierungskosten für Unternehmen und höhere Zinsen auf die Staatsverschuldung.“

Inflation erschwert Warshs Kurs

Im vergangenen Jahr, als er um den Spitzenposten bei der Fed warb, vertrat Warsh noch die Ansicht, die Notenbank könne die Zinsen senken.

Seither hat sich die wirtschaftliche Lage deutlich verändert. Der Krieg mit dem Iran treibt die Energiepreise nach oben, Zölle und hohe Investitionen in Infrastruktur für künstliche Intelligenz verstärken den Inflationsdruck.

Der bevorzugte Inflationsindikator der Fed, der Preisindex für die persönlichen Konsumausgaben (PCE), stieg im Jahr bis Juli auf 3,7 Prozent. Im April 2025, bevor Trumps jüngste Zölle in Kraft traten, hatte er noch bei 2,3 Prozent gelegen.

Die Kerninflation nach PCE, bei der schwankungsanfällige Energie- und Lebensmittelpreise ausgeklammert werden, lag im Juli bei 3,3 Prozent; kurz vor Beginn des Iran-Kriegs waren es noch drei Prozent gewesen.

Lässt die Fed die Zinsen dennoch unverändert, könnte sie dem Vorwurf ausgesetzt sein, dem Druck aus dem Weißen Haus nachgegeben zu haben. Das würde ihre Glaubwürdigkeit bei vielen Investoren untergraben.

„Kevin denkt über sein Vermächtnis nach“, sagte Kristin Forbes, Ökonomieprofessorin am Massachusetts Institute of Technology und frühere Geldpolitikerin der Bank of England.

„Und er weiß, dass Fed-Chefs, die sich nach politischem Druck statt nach der wirtschaftlichen Lage richten, in der Geschichtsschreibung keinen guten Platz haben.“

Trump hatte Warshs Vorgänger Jerome Powell wiederholt dafür kritisiert, die Zinsen nicht schnell genug gesenkt zu haben. Das Justizministerium leitete zudem eine strafrechtliche Untersuchung zu einer Aussage Powells vor dem Kongress ein, stellte sie später aber wieder ein.

Auf die Frage, wie Trump auf eine Zinserhöhung reagieren könnte, sagte der Wirtschaftsberater des Weißen Hauses, Kevin Hassett, am Sonntag beim Sender Fox News: „Ich bin sicher, dass er davon nicht begeistert wäre, aber er wird die Unabhängigkeit von Kevin Warsh über alles stellen.“

Reicht eine einzige Zinserhöhung?

Selbst wenn die Fed am Mittwoch anhebt, ist offen, ob weitere Schritte folgen.

Zentralbanken ändern die Zinsen selten nur ein einziges Mal, sondern starten meist eine Serie von Erhöhungen oder Senkungen, mit der sie Inflation und Konjunktur steuern wollen.

Es gibt jedoch ein Beispiel für einen einmaligen Schritt. Im März 1997 erhöhte die Fed unter Alan Greenspan den Leitzins um einen Viertelpunkt. Wenige Monate später brach die Asienkrise aus, woraufhin die Notenbank die Zinsen zunächst unverändert ließ und sie im Herbst 1998 drei Mal senkte.

An den Finanzmärkten rechnen Anleger derzeit mit drei Erhöhungen – im September, Dezember und März.

Jonathan Pingle, Ökonom bei UBS, hält es dennoch für möglich, dass die Fed spätere Schritte aussetzt, falls neue Daten eine Abschwächung der Inflation zeigen.

„Sie muss das Programm nicht komplett durchziehen, wenn die Daten ihr in die Karten spielen“, sagte Pingle.

Anleger werden daher genau auf die aktualisierten vierteljährlichen Projektionen der Fed schauen. Sie zeigen, wo die einzelnen Geldpolitiker den Leitzins Ende dieses und Ende nächsten Jahres sehen.

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