Loader
Finden Sie uns
Werbung

Warum ein deutsches KI-Start-up seine Mutterfirma aus den USA nach Deutschland holt

Archivbild: Die Langdock-Co-Geschäftsführer Lennard Schmidt und Judith Dada. Foto: Langdock.
Archivfoto – Die Langdock-Co-Chefs Lennard Schmidt und Judith Dada. Foto: Langdock. Copyright  Langdock/All rights reserved
Copyright Langdock/All rights reserved
Von Doloresz Katanich
Zuerst veröffentlicht am
Teilen Kommentare Euronews bei Google hinzufügen
Teilen Close Button

In einem seltenen Schritt verlegt das schnell wachsende deutsche KI-Start-up Langdock seinen Firmensitz von den USA nach Deutschland. Das Unternehmen will sich damit als „europäischer Hyperscaler“ positionieren.

Das Berliner Unternehmen Langdock kehrt den für europäische Start-ups üblichen Weg um und verlegt seine Muttergesellschaft von den USA nach Deutschland.

WERBUNG
WERBUNG

Die Entscheidung fällt in eine Phase intensiver Debatten darüber, wie Europa eine eigene KI-Infrastruktur aufbauen, vielversprechende Tech-Firmen halten und seine Abhängigkeit von US‑Cloud- und KI-Anbietern verringern kann.

Viele europäische Start-ups gründen dafür eine US-Holding, um leichter an Finanzierung zu kommen. Langdock stellt sich nun gegen diesen Trend, löst seine US-Holding auf und bringt die Muttergesellschaft unter europäisches Recht.

„Langdock hat seine Konzernstruktur in eine Societas Europaea (SE) mit Sitz in Deutschland umgewandelt und damit die bisherige US-Holding ersetzt“, sagte ein Unternehmensvertreter gegenüber Euronews Business. Der Prozess begann Anfang 2026, kostete mehrere Millionen Euro und ist inzwischen abgeschlossen.

Langdock wurde 2023 in Berlin gegründet und betreibt eine KI-Plattform für Unternehmen, die rund 13.000 Organisationen nutzen. Beschäftigte erhalten Zugriff auf mehrere KI-Modelle; Firmen können diese mit ihren Arbeitsdaten und -anwendungen verknüpfen, KI-Agenten bauen und Aufgaben automatisieren.

Nach Angaben von Langdock war die Gründung einer in den USA registrierten Muttergesellschaft zunächst ein „entscheidender Schritt“, um Investorinnen und Investoren zu gewinnen und vom Netzwerk des US-Start-up-Programms Y Combinator zu profitieren. Der operative Betrieb und die Kundendaten blieben jedoch in Deutschland.

Inzwischen hat Langdock die US-Muttergesellschaft durch eine europäische SE ersetzt. Zuvor mussten die Rechtsabteilungen der Kundschaft prüfen, ob die US-Holding rechtliche Risiken oder Datenschutzprobleme mit sich bringen könnte – obwohl das US-Unternehmen nach Angaben von Langdock keine Beschäftigten, keine eigene Infrastruktur und keinen Zugriff auf die produktiven Systeme hatte.

US-Gesetze wie der Cloud Act schüren im Markt die Sorge, amerikanische Behörden könnten Zugang zu Kundendaten verlangen.

Der Wegfall der US-Mutter mache die europäische Struktur für die Kundschaft klarer, erklärte das Unternehmen, gerade „in geopolitisch unsicheren Zeiten“. Zugleich sei Langdock mittlerweile groß genug, um die strengeren Governance-Anforderungen einer SE zu erfüllen.

„Wir glauben, dass Europa ein starker Standort ist, um ein globales Technologieunternehmen aufzubauen, und wir wollen zu seiner Souveränität und Wettbewerbsfähigkeit beitragen“, sagte das Unternehmen Euronews Business.

Rund 80 % von Langdock gehören Gründerinnen, Gründern und Beschäftigten mit Wohnsitz in der EU. Die neue Struktur ändert nach Unternehmensangaben nichts an den Plänen, weltweit Kundinnen und Kunden zu bedienen und Kapital von internationalen Investorinnen und Investoren einzuwerben.

Langdock gibt an, dass seine jährlichen Abo-Erlöse im August eine Rate von 50 Millionen US-Dollar (42 Millionen Euro) erreicht haben, nach einer Million US-Dollar (870.000 Euro) im Oktober 2024. Die Kennzahl schätzt, wie viel Abo-Umsatz über ein ganzes Jahr anfallen würde, wenn der aktuelle Verkaufstrend anhielte.

Langfristig will Langdock „eine souveräne, durchgängige KI-Plattform aufbauen, die mit US-Hyperscalern konkurrieren kann“. Das Unternehmen plant, bis Jahresende drei neue Dienste zu starten und ein eigenes Rechenzentrum in Deutschland zu nutzen, um Open-Source-KI-Modelle zu betreiben und Rechenleistung bereitzustellen. Der Einstieg soll klein beginnen und mit der Kundennachfrage wachsen.

Trotz des schnellen Wachstums ist Langdock noch weit von der Größenordnung US-amerikanischer Tech-Konzerne entfernt. Die jährliche Erlösrate von 50 Millionen US-Dollar wirkt bescheiden im Vergleich zu den 128,7 Milliarden US-Dollar (108 Milliarden Euro), die Amazon Web Services 2025 erwirtschaftet hat.

Langdocks Entscheidung, die Muttergesellschaft nach Europa zu holen, wird nun zum Testfall: Können europäische Regulierung und der Fokus auf digitale Souveränität für KI-Unternehmen in der Region zu einem Wettbewerbsvorteil werden – statt nur als Belastung zu gelten?

Zu den Barrierefreiheitskürzeln springen
Teilen Kommentare Euronews bei Google hinzufügen

Zum selben Thema

Neue Hotline: KI-Agenten sollen Fehlverhalten anderer melden

Warum fließt europäisches Geld in den amerikanischen KI-Boom?

Warum ein deutsches KI-Start-up seine Mutterfirma aus den USA nach Deutschland holt