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Studie: ADHS mit fast 50 Prozent mehr Darmbeschwerden

Neue Auswertung: ADHS geht häufig mit erheblichen funktionellen Magen-Darm-Beschwerden einher.
Eine neue Auswertung zeigt: ADHS geht häufig mit ausgeprägten funktionellen Magen-Darm-Beschwerden einher. Copyright  Canva
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Von Giedre Peseckyte
Zuerst veröffentlicht am
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Menschen mit ADHS leiden deutlich häufiger unter verschiedenen Magen-Darm-Beschwerden, wie eine neue systematische Übersichtsarbeit mit Daten von 1,9 Millionen Personen zeigt.

Eine neue Übersichtsarbeit legt nahe, dass ADHS mit einer erheblichen Belastung durch funktionelle Magen-Darm-Beschwerden verbunden ist. Gemeint sind Störungen der Darmfunktion, ohne dass sich zwangsläufig eine erkennbare strukturelle Erkrankung nachweisen lässt.

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Das Forschungsteam sichtete mehr als 9.000 Datensätze und nahm 23 Studien in die Auswertung auf. In allen untersuchten Fällen war ADHS mit erhöhten Chancen für Magen-Darm-Symptome verknüpft – darunter Reizdarmsyndrom, Verstopfung, Bauchschmerzen, Durchfall, Verdauungsstörungen und Einkoten.

„Fast jedes Darm-Symptom, das wir uns angeschaut haben, schien mit ADHS zusammenzuhängen“, sagte Studien-Mitautorin Sarah Blake, Medizinstudentin an der Warwick Medical School. „Diese Beschwerden können den Alltag stark beeinträchtigen. Sie geraten aber leicht aus dem Blick, wenn der Fokus nur auf ADHS selbst liegt.“

Insgesamt stellten die Forschenden bei Menschen mit ADHS eine um 48 % erhöhte Wahrscheinlichkeit fest, Magen-Darm-Beschwerden zu entwickeln. Besonders deutlich war der Zusammenhang bei Verstopfung, hier lag die Wahrscheinlichkeit fast doppelt so hoch. Beim Einkoten – dem Verlust der Kontrolle über den Stuhlgang – war sie mehr als viermal so hoch.

Warum besteht dieser Zusammenhang?

Die Forschenden nennen mehrere mögliche Erklärungen. Die Studie zeigt aber nicht, dass ADHS direkt Magen-Darm-Probleme verursacht.

Ein Ansatzpunkt ist das Verhalten. Emotionale Fehlregulation und eine erhöhte Stressanfälligkeit, die häufig mit ADHS einhergehen, können die Empfindlichkeit des Darms beeinflussen und zu funktionellen Bauchschmerzen beitragen. Unregelmäßige Essgewohnheiten, ausgelassene Mahlzeiten oder Heißhungerattacken können ebenfalls Symptome wie Verdauungsstörungen, Blähungen, Verstopfung und Bauchschmerzen begünstigen.

Auch eine veränderte Wahrnehmung von Nahrungsmitteln könnte eine Rolle spielen. Menschen mit ADHS reagieren mitunter anders auf Konsistenz und Geruch von Speisen. Das kann zu sehr einseitigen Ernährungsweisen mit wenig Ballaststoffen führen und damit die Darmtätigkeit beeinflussen.

Die Forschenden verweisen zudem auf Unterschiede bei der Interozeption, also der Fähigkeit, innere Körpersignale wahrzunehmen. Wer ein vermindertes Gespür für den Stuhldrang hat, entwickelt möglicherweise eher Verstopfung oder Einkoten.

Hinzu kommt der mögliche Einfluss von Medikamenten. Stimulanzien wie Methylphenidat sind bekannt dafür, Nebenwirkungen wie Appetitlosigkeit, Bauchschmerzen, Übelkeit und Verstopfung auszulösen. Schlafstörungen, die bei ADHS häufig vorkommen, können darüber hinaus die Beweglichkeit und Empfindlichkeit des Magen-Darm-Trakts verändern.

Die Verbindung zwischen Darm und Gehirn

Eine weitere mögliche biologische Erklärung sehen die Forschenden im Darmmikrobiom.

Frühere Studien haben Unterschiede in der Zusammensetzung der Darmflora zwischen Erwachsenen mit ADHS und neurotypischen Kontrollpersonen gezeigt. Andere Arbeiten stellen einen Zusammenhang zwischen Veränderungen im Mikrobiom und Magen-Darm-Beschwerden her.

Eine Hypothese lautet, dass diese Unterschiede Entzündungsprozesse und die Kommunikation zwischen Darm und Gehirn beeinflussen könnten. Genetische Faktoren könnten zusätzlich eine Rolle spielen.

„Wir können noch nicht sagen, dass ADHS diese Darmprobleme verursacht oder was genau die Verbindung antreibt. Das Muster ist aber so auffällig, dass wir es ernst nehmen sollten“, sagte Saran Shantikumar, außerordentlicher klinischer Professor an der Warwick Medical School. „Ärztinnen und Ärzte, die Menschen mit ADHS behandeln, sollten gezielt nach Magen-Darm-Beschwerden fragen – vor allem dann, wenn diese die Lebensqualität einschränken könnten.“

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