Solaranlagen können Haushalten viel Geld bei den Stromkosten sparen, doch nur jedes zehnte Dach in Europa ist damit ausgestattet.
Großbritannien ist für grauen Himmel und Regentage bekannt. Trotzdem kann die Sonne dort Bewohnern helfen, pro Jahr mehr als 1.000 Euro bei der Stromrechnung zu sparen.
Die Solarfirma GreenSketch hat mehr als 15 Millionen britische Haushalte ausgewertet. Nach ihren Berechnungen spart eine optimierte Kombination aus Dachsolaranlage und Batteriespeicher einem durchschnittlichen Haushalt rund 1.100 Euro pro Jahr – GreenSketch spricht von einer Art „sunlight salary“.
Selbst in Schottland, Wales und Nordirland lagen die durchschnittlichen Einsparungen bei mehr als 930 Euro.
Die Ergebnisse zeigen: Wie viel ein Haushalt spart, hängt von weit mehr ab als nur von der Sonneneinstrahlung. Entscheidend sind auch Strompreise, Neigung und Ausrichtung des Dachs, der Zeitpunkt des Stromverbrauchs, die Größe des Batteriespeichers und Vergütungen für Strom, der ins Netz zurückfließt.
Grauer Himmel bremst Solarstrom nicht
Die Forscher nutzten Satellitenbilder, um einzelne Häuser zu modellieren. Sie berücksichtigten Dachneigung und Ausrichtung, den lokalen Stromverbrauch und die stündliche Solarproduktion.
Am besten schnitt Südwest-Wales ab, mit geschätzten Einsparungen von rund 1.160 Euro pro Jahr, gefolgt von Südost-England mit etwa 1.150 Euro. In Nordirland fanden die Analysten die höchsten Werte im Osten statt im Süden. Das zeige, so GreenSketch, dass lokale Wetterlagen und die Landschaft die Solarproduktion genauso stark beeinflussen können wie die geografische Breite.
Die Zahlen stellen die verbreitete Annahme infrage, dass Solaranlagen nur in sehr sonnigen Regionen wirtschaftlich sind. Zwar erzeugen sie bei direkter Sonne mehr Strom, doch auch an bewölkten Tagen liefern sie Energie – eine gute Nachricht für die weniger sonnigen Teile Europas.
Solaranlagen können ihre Installationskosten zudem relativ schnell wieder einspielen. Der unabhängige britische „Energy Saving Trust“, eine Beratungsorganisation für Energiethemen, schätzt, dass sich ein typisches System in zehn bis zwölf Jahren amortisiert.
Europa nutzt Dachsolarpotenzial kaum
Die britischen Ergebnisse deuten darauf hin, dass es ähnlich großes Potenzial auch in anderen Teilen Europas gibt.
Wenn Solaranlagen keine mediterrane Sonne brauchen, um Stromkosten zu senken – zumal in Kombination mit Batterien, die tagsüber erzeugten Strom speichern und später bereitstellen –, dann lohnen sie sich finanziell weit über Südeuropa hinaus.
Eine Studie des Joint Research Centre (Quelle auf Englisch) (JRC), die Anfang dieses Jahres erschienen ist, kommt zu dem Ergebnis, dass Dachsolaranlagen bis 2050 bis zu 40 Prozent des langfristigen Strombedarfs der EU decken könnten.
In Finnland und Dänemark könnten allein gewerbliche und öffentliche Dächer mindestens 95 Prozent der bis 2030 angepeilten Solarkapazität bereitstellen.
Dennoch ist nach JRC-Angaben erst jedes zehnte Dach in Europa mit Solarmodulen ausgestattet. Das lässt enorme Spielräume für weiteren Ausbau.