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Batteriespeicher sichern Europas Ökostrom – riskieren sie Blackouts?

Übersicht auf die neu eröffnete Batteriespeicheranlage der Greenvolt Group am Stadtrand von Buj im Nordosten Ungarns, Mittwoch, zehnter Juni 2026.
Gesamtansicht der neu eröffneten Batteriespeicheranlage der Greenvolt Group am Stadtrand von Buj im Nordosten Ungarns, Mittwoch, 10. Juni 2026. Copyright  MTVA - Media Service Support and Asset Management Fund
Copyright MTVA - Media Service Support and Asset Management Fund
Von Liam Gilliver
Zuerst veröffentlicht am
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Neuer Bericht warnt: Batterie-Boom könnte Stromausfälle auslösen – Fachleute halten das Risiko für „minimal“.

Batterien gelten in der Energiewende der EU als „Schlüsseltechnologie“. In jüngster Zeit geraten sie jedoch wegen möglicher Blackouts in die Kritik.

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Der Anteil von erneuerbaren Energien am Strommix der EU dürfte bis 2030 auf rund 69 Prozent steigen und bis 2050 etwa 80 Prozent erreichen. Damit wächst der Bedarf an flexiblen Speichern rasant.

Europa verschenkt schon heute Strom aus Wind- und Solarkraft im Wert von Millionen Euro. Grund sind Netzengpässe und die geringe Flexibilität der Systeme. Übersteigt das Angebot die Nachfrage, kann es sogar zu negativen Strompreisen kommen.

Viele Fachleute sehen in Batteriespeichersystemen (Battery Energy Storage Systems, BESS) eine Art Allzwecklösung. Die Logik dahinter ist einfach: Batterien speichern tagsüber Strom aus erneuerbaren Quellen, wenn der Verbrauch meist niedrig ist, und speisen ihn abends ein, wenn die Nachfrage steigt.

Deshalb wurden in Europa 2025 rund 36 GWh neuer BESS installiert. Die insgesamt verfügbare Speicherkapazität überschritt damit erstmals 100 GWh. Das reicht, um schätzungsweise 75 Millionen Haushalte mit Strom zu versorgen.

„In ganz Europa hilft Batteriespeicherung dabei, wachsende Mengen erneuerbarer Energien ins System zu integrieren, die Energiesicherheit zu stärken und die Widerstandsfähigkeit der Netze zu erhöhen“, erklärt der Branchenverband SolarPower Europe.

„Europa will seine Abhängigkeit von teuren fossilen Energieimporten verringern, die Elektrifizierung beschleunigen und seine Klimaziele erreichen. Speicher dürfen deshalb nicht länger als bloße Ergänzung gelten. Sie entwickeln sich zu einem strategischen Baustein, der Europas Resilienz, Wettbewerbsfähigkeit und Energie-Souveränität stärkt.“

Batterieboom: droht Überlastung des Netzes?

Die britische Zeitung The Telegraph titelte vergangene Woche: „Britain’s battery boom ‚risks overwhelming the grid‘“ – der Batterieboom in Großbritannien könne das Stromnetz überfordern. Demnach könnten Reserveanlagen, die Windkraft absichern sollen, am Ende genau die Blackouts auslösen, die sie eigentlich verhindern sollen.

Der Beitrag bezieht sich auf einen aktuellen Bericht des Panel of Technical Experts, einer Gruppe unabhängiger Berater, die die britische Regierung zu technischen Fragen der Reform des Strommarkts unterstützt.

„Der PTE ist weiterhin der Ansicht, dass darüber nachgedacht werden sollte, wie sich BESS im Fall einer Capacity Market Notice (CMN) verhalten werden, da Speicher dann möglicherweise einen Anreiz haben, sich vorab aufzuladen, um ihre Verpflichtungen im Kapazitätsmarkt zu erfüllen“, heißt es in dem Bericht.

„Dies könnte schnell in eine Stresssituation münden. Diese zusätzliche Nachfrage muss bei der Schätzung der Spitzenlast in einem Stressfall genauer modelliert werden.“

Eine CMN ist ein Signal, das etwa vier Stunden im Voraus warnt, dass vermutlich weniger Stromerzeugung zur Verfügung steht, als Netzbetreiber zur Deckung der landesweiten Nachfrage erwarten.

Der Bericht behauptet allerdings nicht, dass Batterien das Netz destabilisieren werden. Er äußert auch keine explizite Sorge vor Blackouts. Er weist lediglich darauf hin, dass besser modelliert werden muss, wie Batterien auf eine CMN reagieren.

Batterieboom in Europa: drohen Blackouts?

Die Sorge, Batterien könnten in Europa großflächige Stromausfälle auslösen, richtet sich vor allem auf kleine, dezentrale Anlagen, die Netzbetreiber nicht sehen und nicht direkt steuern können.

Wenn sehr viele dieser Speicher gleichzeitig gleich reagieren, wird das System schwer steuerbar.

„Das ist dieselbe Herausforderung, die wir seit rund 20 Jahren mit Solaranlagen managen“, sagt Adrian Hiel, Direktor der Electrification Alliance (Quelle auf Englisch), im Gespräch mit Euronews Earth.

„Wir sind immer besser darin geworden, dafür zu sorgen, dass solche Anlagen das Netz stabilisieren statt ihm zu schaden. Realistisch entsteht nur dann ein Blackout-Risiko, wenn wir ignorieren, dass jedes Jahr Millionen von Batterien installiert werden. Niemand hat ein Interesse daran, das zu übersehen.“

Die wichtigste Antwort auf das „kleine Risiko“, das von Batterien ausgeht, sei besseres Modellieren, sagt Hiel. So können Netzbetreiber vorhersagen, wie sich ganze Flotten von Speichern in bestimmten Situationen verhalten.

Batterien werden das Stromnetz deutlich stärker unterstützen als belasten.
Adrian Hiel
Direktor der Electrification Alliance

„In den nächsten Jahren werden die Prognosemodelle noch recht große Fehlermargen haben. Doch sie werden Schritt für Schritt präziser – so wie beim Modellieren des Verhaltens von Dach-Solaranlagen“, so Hiel.

„Eine zweite Lösung für den Umgang mit Batterien im Netz ist die Bündelung und Steuerung durch Dienstleister. Dann entscheidet nicht mehr der einzelne Haushalt, wie seine Batterie arbeitet. Stattdessen fasst ein Unternehmen Zehntausende oder Hunderttausende Batterien zusammen und betreibt sie so, dass Haushalte und Netz maximal profitieren.“

Dieses Konzept kommt in vielen Ländern bereits bei intelligenten Ladeplänen für Elektroautos zum Einsatz. Für Batterien sei das der „logische nächste Schritt“, sagt Hiel. So könne der Netzbetreiber den Aggregator direkt ansprechen und Batterien sehr schnell zum Laden oder Entladen veranlassen, um plötzliche Nachfrage-Sprünge auszugleichen.

Sind Batterien wirklich „sehr teuer“?

Eine Branchenstimme im Telegraph-Artikel behauptet zudem, „Batterien sind sehr teuer“. Belege liefert sie dafür nicht. Nach Angaben der Internationalen Energieagentur (IEA) sind die durchschnittlichen Batteriekosten seit 2010 dank Fortschritten in Chemie und Fertigung um 90 Prozent gefallen.

Ein aktueller Bericht des Energie-Thinktanks Ember (Quelle auf Englisch) kommt zu dem Ergebnis, dass Großspeicher-Batterien ab 2030 kurzfristige Flexibilität in der EU um rund 20 Prozent günstiger bereitstellen könnten als neue Gaskraftwerke.

Der Bericht zeigt außerdem: In den nächsten vier Jahren könnten Batterien in der EU innerhalb einer Stunde mehr als 80 Prozent der Leistung bereitstellen, die alle Gaskraftwerke der EU zusammen im selben Zeitraum erzeugen können.

Grafik: Batterien liefern kurzfristige Flexibilität in der EU günstiger als neue Gaskraftwerke
Grafik: Batterien liefern kurzfristige Flexibilität in der EU günstiger als neue Gaskraftwerke Ember

„Saubere Flexibilität ist bereits verfügbar“, sagt Beatrice Petrovich, Senior-Energieanalystin bei Ember.

„Das schnelle Wachstum von Batterien, intelligentem Laden von E-Autos und Wärmepumpen kann die Abhängigkeit vom Gas für den Netzausgleich verringern und die Netze entlasten. Es geht jetzt nicht mehr um neue Erfindungen, sondern um Umsetzung: Barrieren abbauen, Flexibilität vergüten und diese Lösungen schnell genug hochskalieren, damit wir uns keine überflüssigen fossilen Reservekraftwerke einhandeln.“

Soll Europa zu fossilen Brennstoffen zurückkehren?

Der Gesprächspartner im Telegraph-Artikel meint, mögliche Kostenhürden und das Risiko von Blackouts seien Grund genug, die Energiewende zu stoppen und an der Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen festzuhalten.

„Zu behaupten, wir sollten keine wetterabhängige Stromerzeugung bauen, weil es dieses minimale Risiko durch Batterien gibt, ist, als würde man einer stark fettleibigen Person raten, nicht abzunehmen, weil sie dann neue Kleidung kaufen muss“, sagt Hiel.

„Der Aufwand, die Auswirkungen von Millionen Batterien zu managen, ist verschwindend gering im Vergleich zu den Vorteilen. Wir nutzen damit die billigsten Energiequellen, die die Welt je gesehen hat – in einer Zeit, in der Gasexporteure offen davon sprechen, Europa energetisch dominieren zu wollen und damit drohen, den Gashahn zuzudrehen, wenn wir nicht nach ihrer Pfeife tanzen.“

Das britische Department for Energy Security and Net Zero (DESNZ) verweigerte eine Stellungnahme dazu, ob es wegen des Batteriebooms Blackouts befürchtet. Auf Fragen von Euronews Earth antwortete das Ministerium nicht und verschickte nur dasselbe Zitat, das auch The Telegraph erhielt.

„Unser Kapazitätsmarkt sorgt für Versorgungssicherheit und für ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis für Verbraucherinnen und Verbraucher“, sagte eine Sprecherin. „Wir haben die Mehrwertsteuer auf Strom gesenkt, um Familien Luft zu verschaffen, und konzentrieren uns darauf, die Rechnungen dauerhaft zu senken.“

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