Mehr als 90 Prozent der geschätzten Ölverschmutzung in den Weltmeeren entstehen in nationalen Gewässern. Selbst Schutzgebiete sind betroffen.
Ölschlieren bedecken Schätzungen zufolge jedes Jahr rund 1,58 Millionen Quadratkilometer der Weltmeere, zeigt eine neue Satellitenanalyse, die das Ausmaß der Verschmutzung auf hoher See sichtbar macht.
Das entspricht einer Fläche fast dreimal so groß wie Spanien. Anders als spektakuläre Unglücke wie die Deepwater-Horizon-Katastrophe bleiben viele Verschmutzungen jedoch kleinflächig – und ziehen kaum öffentliche Aufmerksamkeit auf sich.
Die Analyse der Umweltorganisation SkyTruth zeigt: Schiffe stehen mit rund 81 Prozent der Ölfilme in Verbindung, deren mutmaßliche Quelle sich bestimmen ließ. Am häufigsten fallen Tankschiffe und Frachter auf. Offshore-Anlagen für Öl und Gas sind für weitere 18 Prozent verantwortlich.
"Ölverschmutzung ist ein permanentes, weltweites Problem. Sie passiert viel häufiger, als es die wenigen großen Unfälle vermuten lassen, die Schlagzeilen machen“, sagt Karl Wuster, Technikchef von SkyTruth.
Meeresölverschmutzung: Wo ist sie am schlimmsten?
Die am 23. September während der Climate Week in New York veröffentlichte Analyse stützt sich auf Satellitendaten aus den Jahren 2023 bis 2025 und auf Informationen aus dem SkyTruth-Überwachungssystem Cerulean.
Das Team nutzte diese Beobachtungen, um die jährliche Verschmutzung durch Schiffe und Offshore-Anlagen zu modellieren und dabei Unterschiede in der Satellitenabdeckung und im Schiffsverkehr zu berücksichtigen.
Mehr als 90 Prozent der geschätzten Verschmutzung treten in nationalen Hoheitsgewässern auf, oft in Küstennähe. Besonders hohe Konzentrationen registrierten die Forschenden im Roten Meer, im Persischen Golf, im Mittelmeer und im Schwarzen Meer sowie vor der Küste Westafrikas und rund um Indonesien.
Die Auswertung von SkyTruth deckte zudem mehrere Wiederholungstäter auf.
Die Forschenden sahen immer wieder dieselben 16 Schiffe in unmittelbarer Nähe von Ölschlieren. Drei von ihnen – ein Frachter unter der Flagge Palaus, ein russischer Öltanker und ein indonesischer Öltanker – tauchten in mehr als jedem fünften Satellitenbild nahe Ölfilmen auf.
Auch einige Offshore-Anlagen ließen sich wiederholt mit Verschmutzungen in Verbindung bringen.
Nahe einer Anlage vor der Küste Indonesiens zeigten sich in fast 29 Prozent der Satellitenbilder Ölschlieren, bei einer anderen vor Nigeria waren es etwa 24 Prozent.
Selbst Schutzgebiete bleiben nicht frei von Öl. Rund 75 Prozent der Meeresschutzgebiete weisen zwar geringere Konzentrationen von Ölschlieren auf als die umgebenden Gewässer, doch auch in sensiblen Lebensräumen findet sich Verschmutzung – etwa im Golf von Mexiko, im Lebensraum des akut vom Aussterben bedrohten Rice-Wals.
Die Forschenden betonen zugleich, dass das tatsächliche Ausmaß unscharf bleibt. Über der Hohen See ist die Satellitenabdeckung lückenhaft, weite Meeresgebiete werden kaum überwacht.
Kriege, Unfälle und Wracks: Weitere Gefahr für die Meere
Öl gelangt jedoch nicht nur durch Schifffahrt und Offshore-Förderung ins Meer.
Im August spülte Öl eines im Krieg im Golf getroffenen Tankers an die Küste der iranischen Insel Qeshm und drang bis in die geschützten Mangroven vor. Ein weiterer Ölteppich aus einem Tanker der russischen Schattenflotte vor Oman breitete sich über mehr als 2.000 Quadratkilometer aus.
Neben den Konflikten auf See stellen auch Unfälle eine erhebliche Bedrohung dar.
Ein unbekanntes Schiff, das 2024 vor der Insel Tobago kenterte, verschmutzte Strände mit Öl und löste den nationalen Notstand aus. Ein Jahr zuvor lief eine Fähre in Schweden auf Grund. Sie hinterließ einen etwa fünf Kilometer langen Kraftstofffilm in der Ostsee, der schließlich die Küste erreichte.
Selbst Schiffe, die vor Jahrzehnten sanken, gefährden noch heute die Gesundheit der Ozeane.
Schätzungsweise 8.500 potenziell verschmutzende Wracks, meist aus den beiden Weltkriegen, liegen auf dem Meeresgrund. Einige von ihnen verlieren bereits Öl, weil ihre Rümpfe korrodieren.