Der Tren Solar de la Quebrada kann dank Solarenergie fast die doppelte Strecke seiner heutigen Linie zurücklegen.
In den hochgelegenen Wüsten im Norden Argentiniens scheint die Sonne fast immer. In der Provinz Jujuy nutzt man diese Fülle an Solarenergie inzwischen auf ungewöhnliche Weise.
Fortbewegung.
Der Tren Solar de la Quebrada ist die erste solarbetriebene Eisenbahn Lateinamerikas. Die Strecke führt 42 Kilometer durch die Anden. Der Zug fährt mit modernster Technik und Batterien, die mit lokal erzeugtem Solarstrom geladen werden.
Der Zug verbindet sechs Orte im Tal der Quebrada de Humahuaca, das als UNESCO-Welterbe geschützt ist und seit Jahrtausenden als Route durch die Anden dient. Das Projekt startete 2024. Es soll vor allem Touristinnen und Touristen in die Gemeinden entlang des Tals bringen – ohne die Emissionen eines Dieselzuges.
Wie funktioniert Argentiniens Solarzug?
Trotz seines Namens erzeugt der Tren Solar keinen Strom über Photovoltaik-Module auf dem Dach.
Der Zug mit zwei Wagen fährt mit sechs Lithium-Batterien, die mit Solarstrom aus Jujuy geladen werden. Beim Bremsen wandelt das System einen Teil der Bewegungsenergie wieder in Strom um und speist ihn in die Batterien zurück.
Nach Angaben des Betreibers reicht eine Batterieladung für 100 bis 120 Kilometer – mehr als das Doppelte der derzeitigen Strecke.
Zwei Schnellladestationen in Volcán und Purmamarca erlauben es, den Zug unterwegs zu laden. Eine dritte Station ist auch für den nördlichen Endpunkt in Tilcara geplant.
Durch dieses Batteriesystem kommt die Bahn ohne Diesel aus. Oberleitungen wie bei vielen elektrischen Strecken braucht sie ebenfalls nicht.
Bisher kommt das neue Angebot gut an.
Als der Tren Solar im Juni 2024 startete, kehrte nach rund drei Jahrzehnten erstmals wieder ein Personenzug in die Quebrada de Humahuaca zurück. Seitdem nutzten laut Regierung der Provinz Jujuy mehr als 90.000 Menschen die Verbindung.
Europa elektrifiziert seine Bahnnetze ebenfalls
Südamerika ist nicht die einzige Region, die ihre Bahn modernisiert und vom fossilen Brennstoff wegführt.
Fast 58 Prozent des EU-Schienennetzes waren 2024 elektrifiziert, so Eurostat, das Statistikamt der Union.
Seit 2017 kauft der niederländische Bahnbetreiber NS so viel erneuerbare Energie, wie seine Züge jedes Jahr verbrauchen. Seit 2025 stammt der Mix aus Windkraft und Solarstrom.
In der Schweiz installierte das Start-up Sun-Ways 2025 auf einem 100 Meter langen Abschnitt aktiver Strecke bei Buttes 48 Solarmodule zwischen den Schienen. Der Pilot erzeugte im ersten Jahr rund 16.000 Kilowattstunden Strom – genug, um etwa vier bis fünf europäische Haushalte ein Jahr lang zu versorgen.
Sun-Ways hat zudem mit dem italienischen Eisenbahninfrastruktur-Unternehmen GCF eine Vereinbarung geschlossen, um den Einsatz des Systems auch in Italien zu prüfen.
Für Bahnstrecken ohne Anschluss an ein bestehendes Stromnetz, wie es in Europa häufig verfügbar ist, könnte Argentiniens Touristenzug ein interessantes Vorbild sein. Wo die Sonne reichlich scheint, ist die Energie für den Abschied vom Diesel womöglich schon vorhanden.