Loader
Finden Sie uns
Werbung

Geheimnisverrat? Südkorea geht wegen zwei nordkoreanischen Soldaten auf Kiew los

Südkoreas Präsident Lee Jae Myung spricht in der 81. Sitzung der UN-Generalversammlung im UN-Hauptquartier, Dienstag, 22. September 2026.
Südkoreas Präsident Lee Jae Myung spricht vor der 81. UN-Generalversammlung im Hauptquartier der Vereinten Nationen am Dienstag, 22. September 2026. -  Copyright  AP Photo
Copyright AP Photo
Von Malek Fouda
Zuerst veröffentlicht am
Teilen Kommentare Euronews bei Google hinzufügen
Teilen Close Button

Was hat der ukrainische Präsidente Wolodymyr Selenskyj in der vergangenen Woche da verraten? Er erklärte, sein Land habe zwei nordkoreanische Soldaten in den Süden geschickt. Südkorea fordert nun eine Entschuldigung.

Was hat der ukrainische Präsidente Wolodymyr Selenskyj in der vergangenen Woche da verraten? Er erklärte, sein Land habe zwei nordkoreanische Soldaten in den Süden geschickt. Sie seien "nicht leicht lebend zu fassen“.

WERBUNG
WERBUNG

Nordkoreanische Soldaten sind ein Teil der ausländischen Einheiten, die im Krieg gegen die Ukraine an russischer Seite kämpfen, nachdem der Kreml wegen Problemen mit der eigenen Einberufung Hilfe bei Verbündeten suchte. Das weiß die ganze Welt.

Doch über ihre Freilassung zu sprechen - das hätte Selenskyj nach Vorstellung Südkoreas lieber nicht tun sollen. Dort geht man nämlich von einer Verschwiegensheitsabsprache aus. Das Büro von Südkoreas Präsident Lee Jae-myung fordert nun von der Ukraine eine Entschuldigung. Kyjiw bestreitet, dass es eine Vereinbarung gab, die Überstellung von zwei nordkoreanischen Kriegsgefangenen von ukrainischem Gebiet nach Seoul vertraulich zu behandeln.

Der eskalierende Konflikt könnte Kyjiws Bemühungen erschweren, von Verbündeten, darunter Südkorea, Waffen zu erhalten, um russische Angriffe abzuwehren.

Nur wenige Stunden nach Selenskyjs Äußerung äußerte Präsident Lee Jae-myung scharfe Kritik.

Südkoreas Präsident Lee Jae-myung schüttelt Kyjiws Präsident Wolodymyr Selenskyj die Hand beim G7-Gipfel in Alberta, Kanada, am Dienstag, 17. Juni 2025.
Südkoreas Präsident Lee Jae-myung schüttelt Kyjiws Präsident Wolodymyr Selenskyj die Hand beim G7-Gipfel in Alberta, Kanada, am Dienstag, 17. Juni 2025. Darryl Dyck/AP

"Ich weiß nicht, warum die ukrainische Seite die Vereinbarung gebrochen und den Vorgang öffentlich gemacht hat. Das ist sehr enttäuschend“, schrieb er auf X.

Selenskyjs Berater Dmytro Lytwyn versuchte, die Enthüllung herunterzuspielen. Der Präsident habe lediglich bekanntgegeben, dass die Soldaten an Südkorea übergeben wurden, erklärte er. Die Ukraine sei ein "offenes Land“, so Lytwyn. Es wäre "ungewöhnlich“, die Soldaten heimlich zu überstellen.

Seoul wertet den Vorgang jedoch als Vertrauensbruch.

Seong Ghi-hong, leitender Präsidialsekretär für Öffentlichkeitsarbeit, erklärte in einer Stellungnahme am späten Sonntag, Südkorea prüfe "weitere notwendige Schritte in dieser Angelegenheit“.

"Schon die Tatsache, dass die ukrainische Seite die Vertraulichkeitsvereinbarung zwischen beiden Staaten verletzt und die Information einseitig veröffentlicht hat, ist äußerst schwerwiegend“, sagte er.

Lee Jae-myung und Wolodymyr Selenskyj posieren gemeinsam mit Kanadas Carney und Großbritanniens Starmer für Fotos beim G7-Gipfel in Alberta, Kanada, am Dienstag, 17. Juni 2025
Lee Jae-myung und Wolodymyr Selenskyj posieren gemeinsam mit Kanadas Carney und Großbritanniens Starmer für Fotos beim G7-Gipfel in Alberta, Kanada, am Dienstag, 17. Juni 2025 Darryl Dyck/AP

"Doch die falsche Behauptung des ukrainischen Präsidialbüros, es habe keine Vertraulichkeitsvereinbarung gegeben, untergräbt das Vertrauen zwischen den Regierungen und schädigt die freundschaftlichen Beziehungen beider Staaten schwer“, fügte er hinzu.

Das südkoreanische Präsidialamt fordert "eine offizielle Erklärung und Entschuldigung“, so Seong.

Die Ukraine hatte Anfang vergangenen Jahres zwei nordkoreanische Soldaten gefangen genommen, die mit Truppen aus Pjöngjang für Moskau kämpften. Einer von ihnen gab an, einer Aufklärungseinheit anzugehören. Einige nordkoreanische Soldaten seien im Umgang mit russischem Militärgerät ausgebildet worden, er selbst jedoch nicht.

Der Soldat berichtete, er sei mit 17 Jahren zum Militär eingezogen worden und diene seitdem. Ein südkoreanischer Abgeordneter hatte zuvor erklärt, das Duo wolle im Süden der Halbinsel ein "normales Leben“ führen.

Der ukrainische Außenminister Andrii Sybiha schüttelt seinem südkoreanischen Amtskollegen Cho Hyun vor ihrem Treffen in Seoul, Südkorea, am Dienstag, 30. Juni 2026 die Hand
Der ukrainische Außenminister Andrii Sybiha schüttelt seinem südkoreanischen Amtskollegen Cho Hyun vor ihrem Treffen in Seoul, Südkorea, am Dienstag, 30. Juni 2026 die Hand Lee Jin-man/Copyright 2026 The AP. All rights reserved

Analysten warnen, Lees scharfe Reaktion auf die Vertraulichkeitsvereinbarung könne heftige Auseinandersetzungen mit dem nuklear bewaffneten Norden auslösen. Das könnte sich in weiterer Feindseligkeit gegenüber Seoul niederschlagen.

"Nordkorea nutzt die entsandten Soldaten, um für die Propaganda des Regimes eine heroische Erzählung zu schaffen“, so Park Won-gon, Professor an der Ewha Womans University. Die südkoreanische Regierung sei offenbar besorgt, dass eine bestätigte und öffentlich gemachte Rückkehr der Gefangenen in den Süden die Feindseligkeit gegenüber Seoul weiter anheizen könnte.

Der Streit hat nicht nur innenpolitische Folgen für Südkorea. Er könnte auch Kyjiws Bitten an den Verbündeten um Waffenlieferungen erschweren.

Südkorea liefert der Ukraine bislang keine tödlichen Waffen. Die Regierung verweist auf ein nationales Verbot, kriegführende Staaten militärisch zu unterstützen. Anfragen nach Defensivwaffen prüft Seoul jedoch, insbesondere seit Nordkorea Truppen zur Unterstützung Russlands entsandt hat.

Weitere Quellen • AFP

Zu den Barrierefreiheitskürzeln springen
Teilen Kommentare Euronews bei Google hinzufügen

Zum selben Thema

Nordkoreanische Hacker sollen Kryptodiebstahl über 332,8 Millionen Euro weltweit anführen

Explosion an Grenze zu Nordkorea: Drei südkoreanische Offiziere verletzt

Sirenen, Schutzräume, kleinere Manöver: Südkorea probt den Ernstfall