In einer Recherche wirft Mediapart Jordan Bardella antisemitische Äußerungen zu Beginn seiner politischen Karriere vor. Der Mitstreiter von Marine Le Pen weist die Vorwürfe zurück.
Jordan Bardella, der politische Zögling von Marine Le Pen, steht im Zentrum einer neuen Kontroverse in Frankreich. In einer am Montag, 28. September, veröffentlichten Recherche schreibt ihm die Plattform Mediapart mehrere antisemitische und verschwörungstheoretische Äußerungen zu, getätigt in privaten Gesprächen aus den Jahren 2013 bis 2015, also in den ersten Jahren von Jordan Bardellas politischem Engagement.
Damals ist Jordan Bardella fast volljährig. Am 13. September 2013 feiert er seinen 18. Geburtstag, ein Jahr später wird er Departementssekretär des Front National im Département Seine-Saint-Denis bei Paris.
Das Investigativportal gibt an, weitere Chats gefunden zu haben, in denen der junge Aktivist Verschwörungstheorien entwickelt, die sich insbesondere gegen jüdische Führungspersönlichkeiten oder gegen Personen richten, die mutmaßlich mit Israel verbunden sind.
In einer der Unterhaltungen soll Bardella erklärt haben: „Der Jude muss andere Völker beherrschen, sie niederwerfen und ausrauben, ein Zionist ist zwangsläufig Jude, und zwar im Innersten.“ Außerdem soll er gesagt haben: „Und das ist es, was sie wollen, eine Neue Weltordnung, die von Israel beherrscht wird, mit Jerusalem selbstverständlich als Hauptstadt.“
Vor der Veröffentlichung um eine Stellungnahme gebeten, hat Jordan Bardella diese Anschuldigungen nach Angaben von Mediapart „formell“ bestritten. In einer schriftlichen Antwort an das Medium versichert er, er habe derartige rassistische oder antisemitische Äußerungen „weder öffentlich noch privat, weder mündlich noch schriftlich“ jemals getätigt. Die vorgelegten Elemente bezeichnet er als „grobe Fälschungen“.
Bardella weist alle Vorwürfe zurück
An diesem Montag legt er auf X nach: „Eine gewisse aktivistische Presse ist bereit, Schmutzkampagnen zu inszenieren, um den Präsidentschaftswahlkampf zu destabilisieren und meine Ehre anzugreifen.“
Auch Marine Le Pen hat ihren designierten Nachfolger in Schutz genommen. Beim Besuch einer Fachmesse für Bauunternehmen in Paris an diesem Montag sagte die Präsidentschaftskandidatin ihrer Partei, sie könne „an diesen Wahnsinn“ nicht glauben. Le Pen wirft Mediapart „miese Tricks“ vor. Sie ist der Ansicht, dass die veröffentlichten Elemente falsch sind.
Mediapart spricht von monatelanger Recherche
Jordan Bardella - der in Umfragen zu den beliebtesten Politikern in Frankreich gehört - droht Mediapart mit Klagen. Doch der Mitgründer des Mediums, Edwy Plenel, erklärt diese Enthüllungen seien „das Ergebnis einer mehrere Monate langen Untersuchung, die auf Dutzenden schriftlicher Gespräche beruht“.
Der Journalist beteuert, dass Mediapart die Herkunft der Aussagen belegen konnte.
Jordan Bardella hat sich als eine der zentralen Figuren des Rassemblement National etabliert, er gilt als enger Verbündeter von Marine Le Pen. Die Kontroverse steht auch im Zusammenhang mit der Geschichte der Partei, die lange von den antisemitischen Äußerungen ihres Gründers Jean-Marie Le Pen geprägt war.
Die Parteispitze des RN - vor allem dessen Tochter Marine - versucht seit mehreren Jahren, sich im Rahmen ihrer Strategie der sogenannten „Entdämonisierung“ vom antisemitischen Erbe zu lösen.