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36 Jahre Deutsche Einheit: Doch wie einig sind die Deutschen heute?

Am 3. Oktober wird der Tag der deutschen Einheit gefeiert.
Am 3. Oktober wird der Tag der deutschen Einheit gefeiert. -  Copyright  AP Photo
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Von Franziska Müller
Zuerst veröffentlicht am
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Vom geteilten Deutschland zur deutschen Einheit: Mit dem 3. Oktober 1990 tritt die Deutsche Demokratische Republik (DDR) der Bundesrepublik Deutschland bei. Fast ein ganzes Jahr dauerten die Prozesse zum Einigungsvertrag. Dann waren 41 Jahre Teilung vorbei.

Die Deutsche Einheit feiert 36jähriges Jubiläum. Am 3. Oktober 1990 ist die frühere DDR der Bundesrepublik beigetreten. Der Tag bestimmt gleichzeitig auch das Ende der deutschen Teilung, die ganze 41 Jahre andauerte.

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Berlin wurde wieder zur Hauptstadt des vereinten Deutschlands. Obwohl die Mauer bereits am 9. November 1989 gefallen war, hatte es ein knappes Jahr lang gedauert, zwischen Ost und West eine Einigung über die Verträge zu erzielen.

Kanzler Helmut Kohl sagte in seiner historischen Fernsehansprache am 2. Oktober 1990: „In wenigen Stunden wird ein Traum Wirklichkeit. Nach über vierzig bitteren Jahren der Teilung ist Deutschland, unser Vaterland wieder vereint. Für mich ist dieser Augenblick einer der glücklichsten in meinem Leben...“

Und weiter: „Doch bei aller Freude wollen wir zunächst an jene denken, die unter der Teilung Deutschlands besonders zu leiden hatten. Familien wurden grausam auseinander gerissen. In den Haftanstalten waren politische Gefangene eingekerkert. Menschen starben an der Mauer.“

Im Verlauf der Ansprache bedankte sich der Kanzler bei den Ostdeutschen die ihre Freiheit erkämpft haben, bei den ehemaligen Siegermächten und den Freiheitsbewegungen in Mittel-, Ost- und Südeuropa ohne die die Wiedervereinigung nicht möglich gewesen wäre.

Der Kanzler der Einheit schloss mit den Worten: "Deutschland ist unser Vaterland, das vereinte Europa unsere Zukunft. Gott segne unser deutsches Vaterland."

Warum Deutschland geteilt wurde

Die DDR verschwand am 3. Oktober 1990. Deutschland wurde gesetzlich wieder eins und unabhängiger. Zuvor war die DDR von der Sowjetunion und die Bundesrepublik von den Alliierten in gewissem Maße abhängig.

Denn nach dem Zweiten Weltkrieg teilten die vier Siegermächte USA, Sowjetunion, Großbritannien und Frankreich das besiegte Deutschland zunächst in vier Besatzungszonen auf. Ziel war es, Deutschland nach dem Ende der NS-Diktatur zu entmilitarisieren, zu entnazifizieren und politisch neu zu ordnen.

Gleichzeitig entwickelte sich vor dem Hintergrund des beginnenden Kalten Krieges zwischen den westlichen Alliierten und der Sowjetunion zunehmend ein Konflikt über die politische und wirtschaftliche Zukunft Deutschlands. Aus dieser Konfrontation entstanden 1949 schließlich die Bundesrepublik Deutschland (BRD) im Westen und die DDR im Osten. Sie gehörten unterschiedlichen politischen und wirtschaftlichen Systemen an.

Obwohl 1955 sowohl der Westen von den Alliierten als auch der Osten von der Sowjetunion in die Souveränität entlassen wurde, beharrten die nicht-deutschen Mächte auf Sonderrechte. Die Sowjetunion behielt sich sogenannte strategische Eingriffsrechte, insbesondere der politische und militärische Einfluss der Sowjetunion blieb stark.

Mit der deutschen Einheit endeten die verbliebenen Vorbehaltsrechte der vier Siegermächte. Die außenpolitischen Bedingungen der Wiedervereinigung waren zuvor im Zwei-plus-Vier-Vertrag geregelt worden.

BRD und DDR erkannten mit dem Vertrag die Oder-Neiße-Grenze zu Polen an. Deutschland verzichtete damit endgültig auf die ehemaligen deutschen Ostgebiete wie Schlesien, Pommern und Ostpreußen, etwa ein Viertel des früheren deutschen Staatsgebietes.

Wie einig sind die Deutschen heute?

Der aktuelle Bericht der Ostbeauftragten 2026 beschäftigt sich mit der Frage, wie sehr die Herkunft noch heute Lebenswege und Aufstiegschancen prägt. Zwar betrachten Ost- und Westdeutsche ihre Lebensbedingungen heute in vielen Punkten ähnlich. Dennoch sind Ostdeutsche in Führungspositionen der obersten Bundesbehörden weiterhin unterrepräsentiert. Ihr Anteil stieg seit 2022 von 13,9 auf 16,3 Prozent.

Inzwischen gibt es eine ganze Generation, die ohne persönliche Erinnerungen an den Mauerfall und das ehemalige geteilte Deutschland aufgewachsen ist. Spuren der Teilung zwischen den Regionen blieben weiterhin bestehen.

"Der Osten" sei für junge Menschen, die dort aufwachsen, bis heute weit mehr als eine Himmelsrichtung, erklärte Elisabeth Kaiser, Staatsministerin und Beauftragte der Bundesregierung für Ostdeutschland in ihrem Bericht 2025. Besonders deutlich ist der Unterschied bei Erbschaften und Schenkungen: 2025 entfielen 95 Prozent des Gesamtwerts der steuerlich erfassten Vermögensübertragungen auf Westdeutschland, so Erhebungen des Statistischen Bundesamts.

Dresden, Sachsen: Viele junge Menschen aus Ostdeutschland wandern nach Westdeutschland und ins Ausland ab.
Dresden, Sachsen: Viele junge Menschen aus Ostdeutschland wandern nach Westdeutschland und ins Ausland ab. AP Photo

Ein Grund für die bis heute sichtbaren Unterschiede liegt in den Folgen des wirtschaftlichen und demografischen Umbruchs nach der Wiedervereinigung. Nur 17 Prozent der ehemaligen DDR-Bürger behielten nach der Wende ihren Beruf, andere mussten umdisponieren. Das geht aus einer Studie der Rockwool Foundation Berlin hervor, die der Nachrichtenagentur Reuters vorab vorlag.

Viele Betriebe in der ehemaligen DDR verloren in den 1990er-Jahren ihre Märkte oder wurden geschlossen, zugleich wanderten vor allem junge und gut ausgebildete Menschen in den Westen ab. Dadurch fehlen in einigen Regionen bis heute Bevölkerung und Unternehmenszentralen.

Die Bundesregierung versucht deshalb, wirtschaftliche, soziale und politische Unterschiede weiter abzubauen. Gefördert werden vor allem strukturschwache Regionen, unter anderem durch Investitionen in Infrastruktur, Forschung, Mittelstand und neue Unternehmen.

Warum die Deutschen nicht den Tag des Mauerfalls feiern

Die Szenen des neunten Novembers 1989 gingen um die Welt. Ost- und Westdeutsche fielen sich in die Arme, Berliner kletterten auf die Mauer, andere arbeiteten mit dem Meißel daran, ein Stück des geschichtsträchtigen Mauerwerks für sich zu behalten.

Am Tag nach dem Mauerfall tanzten Berliner auf der Mauer, um das Ende der deutsch-deutschen Grenze zu feiern. (Archiv: 10. November 1989)
Am Tag nach dem Mauerfall tanzten Berliner auf der Mauer, um das Ende der deutsch-deutschen Grenze zu feiern. (Archiv: 10. November 1989) AP Photo

Am neunten November 1989 ist die Mauer gefallen, die zugleich Symbol der Unfreiheit wie auch der Teilung Deutschlands war. Nach der Wende war dieser Tag zunächst im Gespräch für einen neuen Nationalfeiertag.

Unter anderem aufgrund der Reichsprogromnacht aus dem Jahr 1938 entschied man sich allerdings dagegen. Auch die Ausrufung der Republik im Jahr 1918 fiel auf diesen Tag. Man wich auf den Tag des Einigungsvertrags aus, den 3. Oktober 1990. Der Feiertag ist im Gesetz festgelegt.

In einer Sondersitzung, die der damalige DDR-Ministerpräsident und CDU-Politiker Lothar de Maizière einberufen hatte, wurde über den Beitritt der DDR und das Datum des 3. Oktober abgestimmt. Berichten zufolge sollen die Diskussionen hitzig gewesen sein und haben von 21 Uhr bis 2.30 Uhr nachts angedauert.

Am 31. August 1990 unterzeichneten die beiden Verhandlungsführer BRD-Innenminister Wolfgang Schäuble (CDU) und DDR-Staatssekretär Günther Krause (CDU) den "Vertrag zwischen der Deutschen Demokratischen Republik und der Bundesrepublik Deutschland über die Herstellung der Einheit Deutschlands", kurz Einigungsvertrag.

Händedruck zwischen Günther Krause (Staatssekretär DDR), Lothar de Maizière (Ministerpräsident DDR), Wolfgang Schäuble (Bundesinnenminister, BRD)
Händedruck zwischen Günther Krause (Staatssekretär DDR), Lothar de Maizière (Ministerpräsident DDR), Wolfgang Schäuble (Bundesinnenminister, BRD) Foto: Bundesarchiv, Bild 183-1990-0831-031 / Settnik, Bernd / CC-BY-SA 3.0

Letztendlich wurde beschlossen, dass am 3. Oktober 1990 erstmals die sogenannte "Fahne der Einheit", die größte offizielle Bundesflagge vor dem Reichstagsgebäude in Berlin gehisst wird.

Warum der Nationalfeiertag früher am 17. Juni begangen wurde

Im Einigungsvertrag vom 31. August 1990 wurde der 3. Oktober zum "Tag der Deutschen Einheit" und gesetzlichen Feiertag bestimmt. Er löste den 17. Juni ab, Tag zum Gedenken an den Volksaufstand in der DDR. Der 17. Juni bleibt allerdings nationaler Gedenktag.

Die DDR-Regierung verkündete Beschlüsse zur Normerhöhung trotz der ohnehin schlechten Versorgungssituation im Osten Deutschlands. Am 17. Juni 1953 gipfeln die Proteste in etwa 700 Städten in der DDR in Streiks und Demonstrationen, zwischen 400.000 und 1,5 Millionen Menschen sollen daran teilgenommen haben. Bei der Niederschlagung der Streiks mit Hilfe sowjetischer Panzer kommt es zu mindestens 55 Toten und vielen Verletzten. Schätzungsweise bis zu 13.000 Personen werden verhaftet.

"Am 17. Juni 1953 hat sich das deutsche Volk in der sowjetischen Besatzungszone und in Ostberlin gegen die kommunistische Gewaltherrschaft erhoben und unter schweren Opfern seinen Willen zur Freiheit bekundet", heißt es im Bundesgesetzblatt von 1953. Der 17. Juni wurde als Tag der deutschen Einheit zum gesetzlichen Feiertag erklärt.

"Wir sind ganz gewiß: was zusammengehört und zusammen war, wird auch wieder zusammenkommen", erklärte Heinrich Lübke, Bundespräsident nach Angaben des Bundesarchivs zum 10. Jahrestag des Volksaufstandes am 17. Juni. 1963 erhebt Bundespräsident Lübke den 17. Juni zusätzlich zum "nationalen Gedenktag des Deutschen Volkes".

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