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Polen drängt in die G20: Ökonom warnt vor einem Schwachpunkt in der Wirtschaft

Adam Czerniak
Adam Czerniak -  Copyright  Euronews, Paweł Głogowski
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Von Jan Bolanowski
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Polen macht einen wichtigen Schritt hin zu einem festen G20-Sitz. Doch Ökonom Adam Czerniak warnt: Warschau muss seine Wirtschaftsdiplomatie ausbauen und mehr Partnerschaften außerhalb Europas knüpfen.

Mehr als 20 Jahre nach dem EU-Beitritt wirbt Polen immer offensiver um eine größere Rolle auf dem internationalen Parkett. Ein zentrales Ziel Warschaus ist ein fester Sitz in der G20, der Gruppe der größten Volkswirtschaften der Welt.

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Der Ökonom Adam Czerniak von der Warschauer Wirtschaftshochschule SGH sagt im Gespräch mit Euronews, entscheidend sei derzeit weniger die Frage, wann, sondern ob Polen am Ende in diese Gruppe aufrückt. Zugleich hat Polen bereits ein wichtiges Signal aus den USA erhalten.

„Die USA haben Polen eingeladen, an den Beratungen der G20 mit vollen Rechten teilzunehmen. Das ist ein sehr wichtiger Schritt auf dem Weg zu einer Mitgliedschaft“, erklärt der Experte.

Polen braucht breitere Wirtschaftsdiplomatie

Nach Ansicht Czerniaks reicht es jedoch nicht, dass die polnische Wirtschaft wächst. Damit Polen dauerhaft einen Platz am Tisch der größten Volkswirtschaften erhält, muss das Land seine internationale Unterstützung ausbauen Besonders wichtig könnte die Rückendeckung von Staaten sein, die die Afrikanische Union vertreten, die als Organisation Mitglied der G20 ist.

Der Ökonom betont, Polen müsse seine wirtschaftliche Diplomatie deutlich ausbauen. Gemeint sind nicht nur engere Beziehungen zu den wichtigsten europäischen Staaten und zu den USA. Es geht auch um die Präsenz polnischer Unternehmen und Institutionen in anderen Weltregionen.

„Wir brauchen einen globalen Blick. Wir müssen präsent sein, ob in Südostasien, in Afrika oder in Südamerika. Die reine Größe des BIP reicht nicht. Wichtig ist auch die Rolle des Staates auf der internationalen Bühne und sein Gewicht, wenn es darum geht, die weltweite Agenda für makroökonomische Fragen mitzugestalten“, sagte Czerniak.

Verliert Europa an Wirtschaftsmacht?

Polen sucht mehr Einfluss in der Weltwirtschaft. Gleichzeitig ringt die Europäische Union mit Fragen zu ihrer Wettbewerbsfähigkeit gegenüber den Vereinigten Staaten und den asiatischen Wirtschaftsmächten.

Die Debatte über die schwächer werdende Position Europas hat in den vergangenen Jahren an Schärfe zugenommen. Im Mittelpunkt stehen vor allem Wirtschaftswachstum, Innovationskraft, Produktivität und die Fähigkeit europäischer Unternehmen, mit US-amerikanischen und asiatischen Konzernen Schritt zu halten.

Czerniak warnt jedoch davor, Europa nur nach Kriterien zu bewerten, die über Jahrzehnte das US-Verständnis globaler Konkurrenz geprägt haben.

„Ich habe immer Vorbehalte gegen dieses amerikanische Verständnis internationaler Rivalität. Weil die USA über viele Jahrzehnte Hegemon waren, haben sie auch festgelegt, was als Maßstab für die beste Volkswirtschaft der Welt gilt: BIP-Wachstum, Zahl der Innovationen und eine kompromisslose Wettbewerbsorientierung“, sagt der Wirtschaftswissenschaftler.

Seiner Einschätzung nach „spielt Europa ein Stück weit ein anderes Spiel“. Das europäische Wirtschaftsmodell zielt nicht nur auf steigende Einkommen und höhere Produktivität, sondern legt auch mehr Wert auf soziale und ökologische Fragen.

„Wir wollen unsere Einkommen erhöhen, aber wir wollen das inklusiv tun und die gesamte Gesellschaft mitnehmen, und zugleich – was in Europa besonders wichtig ist – unsere europäischen Werte achten“, betonte er.

Nach Ansicht des Ökonomen sollte man Europas Wirtschaft nicht nur am Tempo des Wachstums messen. Umwelt- und Klimaschutz, Bürgerrechte oder der Schutz personenbezogener Daten gehören zu einem Modell, das Europa von anderen großen Volkswirtschaften unterscheidet. Das bedeutet jedoch nicht, dass die EU auf den Kampf um Kapital und Investitionen verzichten kann. In der globalen Konkurrenz muss Europa Investoren überzeugen, dass auch sein Wirtschaftsmodell attraktiv sein kann.

Polen zwischen USA und Europa

Eine der wichtigsten Säulen der polnischen Wirtschaftspolitik bleiben die Beziehungen zu den USA. Polen zählt zu den proamerikanischsten Staaten Europas, und Warschau hat in den vergangenen Jahren die Zusammenarbeit mit Washington stark ausgebaut, unter anderem bei Sicherheit und Energie.

Czerniak warnt jedoch davor, die besonders engen Beziehungen zu den USA als Ersatz für die europäische Wirtschaftszusammenarbeit zu sehen.

„Ich wäre sehr skeptisch gegenüber der Haltung: Europa hat sich von den Vereinigten Staaten abgewandt, also setzen wir ganz auf die USA. Wir sollten uns bewusst machen, dass wir Mitglied der Europäischen Union sind und dass die Union unsere Priorität sein muss“, erklärt er.

Zugleich plädiert der Experte nicht für eine Einschränkung der Zusammenarbeit mit den USA.

„Ich sage nicht, dass wir uns von den Vereinigten Staaten abkoppeln oder die Zusammenarbeit einstellen sollen. Im Gegenteil: Wenn diese Zusammenarbeit gut funktioniert, sollten wir sie vertiefen. Aber wir müssen selbstbewusst bleiben und uns daran erinnern, dass unser zentrales Interesse das europäische Interesse ist“, fasst Czerniak zusammen.

Cutter • Pawel Glogowski

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