US-Tech-Futures legten am Freitag wieder zu. Zuvor hatte ein Bericht über deutlich niedrigere OpenAI-Jahresumsätze den Nasdaq um 1,25 % gedrückt und Chip- sowie Cloud-Konzerne belastet.
An der Wall Street deutet am Freitagmorgen vieles auf eine leichte Kurserholung hin. Zuvor hatte Verwirrung darüber, wie viel Geld OpenAI, der Entwickler von ChatGPT, tatsächlich umsetzt, das Vertrauen der Anleger in den KI-Boom erschüttert.
Futures auf den Nasdaq 100 lagen im frühen Handel am Freitag rund 0,8 % im Plus, die auf den S&P 500 stiegen um 0,4 %.
Am Donnerstag berichtete die Financial Times, der auf das Jahr hochgerechnete Umsatz von OpenAI habe Ende September „nahe an 50 Milliarden Dollar (44,6 Milliarden Euro)“ gelegen. Die Zeitung berief sich dabei auf Zahlen, die Investoren vorgelegt wurden.
Das sind rund 20 Milliarden Dollar (17,8 Milliarden Euro) weniger, als das Unternehmen noch im vergangenen Monat veranschlagt hatte.
Der technologielastige Nasdaq Composite gab um 1,25 % auf rund 27.193 Punkte nach, der Philadelphia Semiconductor Index, der die wichtigsten US-Chipwerte abbildet, sackte um 3,4 % ab. Ein Sprung der Ölpreise verstärkte den Druck.
Wo sind die 20 Milliarden Dollar geblieben?
Kurz gesagt: nirgends.
Die Differenz bedeutet nicht, dass OpenAI Ziele verfehlt oder Umsätze verloren hat. Die Schätzung von rund 70 Milliarden Dollar (62,5 Milliarden Euro) beruhte auf einer anderen Art der Umsatzberechnung und war kein offizieller Geschäftsplan.
Nach Angaben der FT ergab sich der höhere Wert, weil Geldgeber von OpenAI die Erlöse so umgerechnet haben, dass sie mit der Methode des Rivalen Anthropic vergleichbar sind. Anthropic rechnet nämlich als Umsatz, was Kunden auf Cloud-Plattformen wie Amazon Web Services und Google Cloud für seine KI-Modelle ausgeben, während OpenAI solche Ausgaben herausrechnet.
Nimmt man die Zahlen wörtlich, liegt OpenAI damit hinter den 65 Milliarden Dollar (58 Milliarden Euro), die Anthropic Medienberichten zufolge Ende Juli erreichte. Wegen der unterschiedlichen Rechnungslegung ist ein direkter Vergleich jedoch schwierig. OpenAI hat die Berichte bislang nicht öffentlich kommentiert.
Die Zahlen sind wichtig, denn OpenAI wurde im März mit 852 Milliarden Dollar (760 Milliarden Euro) bewertet und soll derzeit mindestens 30 Milliarden Dollar (26,7 Milliarden Euro) frisches Kapital zu einer Bewertung von 1,4 Billionen Dollar (1,25 Billionen Euro) einsammeln wollen.
Aktien von Unternehmen, die stark auf das Wachstum von OpenAI gesetzt haben, gehörten am Donnerstag zu den größten Verlierern.
Oracle, das OpenAI mit enormer Rechenleistung versorgen will, büßte 5,5 % ein. Der KI-Cloud-Spezialist CoreWeave mit milliardenschweren Verträgen mit OpenAI verlor fast 8 %.
Die Kurse von Microsoft, einem großen Anteilseigner von OpenAI, sowie von Amazon, Alphabet und Meta gaben jeweils um mehr als 1 % nach. Wie Oracle zählen alle vier zu den Hyperscalern, die Milliarden in KI-Rechenzentren investieren.
Auch Chipproduzenten gerieten unter Druck: Nvidia verlor fast 3 %, AMD rund 4 %, und Broadcom, das gemeinsam mit OpenAI einen Spezialchip entwickelt, sank um 4,35 %.
In Tokio gaben die Titel der SoftBank Group, die rund 13 % an OpenAI hält, zeitweise um bis zu 7,3 % nach, bevor sie einen Teil der Verluste wieder gutmachten.
Nachfrage nach KI-Chips bleibt hoch
Trotz der schlechten Nachrichten deuten andere Signale dieser Woche darauf hin, dass die Nachfrage nach Hardware für künstliche Intelligenz weiter kräftig ist.
Südkoreas Samsung teilte am Donnerstag mit, man gehe davon aus, dass der operative Gewinn im dritten Quartal einen Rekordwert von 107,4 Billionen Won beziehungsweise 80,2 Milliarden Dollar (71,5 Milliarden Euro) erreicht hat.
Bestätigt sich diese Zahl, wäre es der höchste operative Quartalsgewinn, den je ein Technologieunternehmen ausgewiesen hat – mehr als die 63,7 Milliarden Dollar (56,8 Milliarden Euro), die der US-Chipentwickler Nvidia im jüngsten Quartal erzielte.
Der taiwanische Auftragsfertiger TSMC, der weltweit größte Hersteller von Chips im Kundenauftrag, meldete am selben Tag, dass der Umsatz im September im Jahresvergleich um 54,6 % stieg. Damit kletterten die Erlöse im dritten Quartal auf einen Rekordwert von 1,49 Billionen Taiwan-Dollar beziehungsweise 46,8 Milliarden US-Dollar (41,8 Milliarden Euro).
Anleger erhalten kommende Woche ein klareres Bild: Der niederländische Chipausrüster ASML legt am 14. Oktober seine Zahlen vor, TSMC folgt am 15. Oktober.
Mögliche Börsengänge von Anthropic, frühestens im November, und von OpenAI im kommenden Jahr könnten ihre testierten Abschlüsse erstmals öffentlich machen.