Pandora steckt 150 Millionen Dollar (132 Mio. Euro) in ein neues Werk in Vietnam, das komplett mit Ökostrom laufen soll. Seit 2024 nutzt der Schmuckkonzern nur noch recyceltes Gold und Silber.
Die Schmuckmarke Pandora hat in Vietnam nach eigenen Angaben die weltweit größte Produktionsstätte für hochwertigen Schmuck eröffnet. Das Unternehmen baut damit seine Fertigung aus und will zugleich seinen ökologischen Fußabdruck verringern.
Die Fabrik in Ho-Chi-Minh-Stadt soll bei voller Auslastung rund siebentausend Beschäftigte haben.
Jährlich können dort bis zu 60 Millionen Schmuckstücke entstehen; das erhöht die Produktionskapazität des dänischen Unternehmens um 50 Prozent, heißt es zur Eröffnung.
Der Standort ist die vierte Fabrik von Pandora weltweit und die erste außerhalb Thailands.
„Das verschafft uns die nötige Flexibilität, um alle unsere Kollektionen und Sortimente in allen Materialien und mit allen Fertigungstechniken herzustellen“, sagte Pandora-CEO Berta de Pablos-Barbier.
Die dänische Schmuckmarke verkaufte 2025 weltweit 112 Millionen Schmuckstücke – im Schnitt mehr als drei pro Sekunde. Pandora bezeichnet sich selbst als größte Schmuckmarke der Welt.
Produktion wächst, Emissionen sollen sinken
In die Fabrik in Vietnam investierte Pandora 150 Millionen US-Dollar (132 Millionen Euro). Sie soll vollständig mit Strom aus erneuerbaren Quellen laufen. Zudem stellt das Unternehmen seit 2024 seinen Schmuck ausschließlich aus recyceltem Gold und Silber her.
Mit der höheren Kapazität will Pandora nach Worten von de Pablos-Barbier „auf nachhaltige Weise“ weiter wachsen.
Vor allem Gold eignet sich Fachleuten zufolge besonders gut für die wiederholte Nutzung.
„In vielerlei Hinsicht ist es für eine Kreislaufwirtschaft gemacht. Es oxidiert nicht. Deshalb ist es so wertvoll“, sagte Saleem H. Ali, leitender Forscher für kritische Mineralien und die inklusive Energiewende an der Universität der Vereinten Nationen.
„Wir haben das Gold der alten Ägypter noch immer in ziemlich gutem Zustand.“
Auch die Verwendung recycelter Metalle benötigt Energie. Bei der Veredelung werden die Metalle erhitzt und von anderen Stoffen getrennt, um Verunreinigungen zu entfernen.
Pandora will den Einsatz von Strom aus erneuerbaren Quellen langfristig nicht nur im eigenen Betrieb ausbauen, sondern auch bei den Zulieferern, die an der Schmuckproduktion beteiligt sind.
Wachsender Schmuckmarkt: Pandora vor neuen Herausforderungen
Laut dem Bericht „The State of Fashion 2026“ von McKinsey und The Business of Fashion soll der Absatz von Schmuckstücken zwischen 2025 und 2028 jährlich um durchschnittlich vier Komma eins Prozent steigen – etwa viermal so stark wie der von Kleidung.
Pandoras Aufstieg begann mit einem kleinen Schmuckgeschäft in Kopenhagen, das 1982 gegründet wurde. Die Fertigung in Thailand startete 1989 und wurde zur Grundlage des Geschäftsmodells. Das 2000 eingeführte Charms-Armband trieb die internationale Expansion voran, bevor Pandora 2010 an die Börse in Kopenhagen ging.
Doch der wachsende Schmuckmarkt garantiert Pandora keinen einfachen Weg.
In den Ende August 2026 vorgelegten Zahlen warnte das Unternehmen, dass US-Importzölle die Profitabilität weiter belasten würden.
Die Zölle treffen das Geschäft mit den Vereinigten Staaten, Pandoras wichtigstem Markt. Dort dämpfen zusätzlich Inflation und wirtschaftliche Unsicherheit die Nachfrage nach Schmuck.
Frühere Arbeitskonflikte haben zudem den Blick auf die Bedingungen in der Produktion gelenkt. Das dänische Investigativmedium Danwatch berichtete 2020, ein thailändisches Arbeitsgericht habe im Mai 2019 entschieden, dass gewerkschaftliches Engagement zur Entlassung von Beschäftigten in Pandoras Fabrik in Bangkok beigetragen habe.
Pandora erklärte damals, die Stellenstreichungen seien Folge einer Umstrukturierung und der individuellen Leistung der Mitarbeitenden gewesen.
Mit der Ausweitung der Produktion in Vietnam bleibt offen, ob es dem Unternehmen gelingt, seine Fertigung weiter hochzufahren und zugleich Emissionen zu senken sowie die Rechte der Beschäftigten zu schützen.