Landesweite Proteste in Frankreich sind am Samstag teilweise eskaliert: Demonstrierende gerieten mit der Polizei aneinander. Nach Behördenangaben beteiligten sich rund 550.000 Menschen.
Ein 140 Jahre altes Rathaus in Frankreich ist am Samstag weitgehend zerstört worden. Nach Angaben der Behörden hatten vermummte Protestierende das Gebäude in Brand gesetzt, woraufhin sich ein heftiges Feuer ausbreitete.
Dramatische Aufnahmen zeigen, wie der Turm des Rathauses von Limoges einstürzt, während Flammen in der Nacht das Dach erfassen. Zu diesem Zeitpunkt kam es im ganzen Land zu Massenprotesten gegen die hohen Lebenshaltungskosten.
Nach Angaben der Präfektur des Départements Haute-Vienne drangen Randalierende gegen 18 Uhr in das Rathaus ein und legten dort Feuer.
„Feuerwehrleute aus dem Département Haute-Vienne wurden sofort mit großem Aufgebot alarmiert, um den Brand zu bekämpfen“, hieß es in einer Mitteilung. „Das Rathaus von Limoges, ein denkmalgeschütztes und für alle wichtiges Wahrzeichen, wurde weitgehend zerstört.“
Die Präfektur teilte außerdem mit, dass im Bereich der Rue Jean-Jaurès mehrere Geschäfte geplündert wurden.
Maurice Barate, der Präfekt von Haute-Vienne, hat den „Brandanschlag“ auf das Rathaus sowie weitere Vorfälle in der Stadt am Samstag scharf verurteilt.
Nach Schätzungen der Präfektur versammelten sich gegen 14 Uhr im östlichen Stadtteil Casseaux rund 2.000 Menschen, darunter „mehr als 500 Personen, die gezielt die Konfrontation suchten“. Einige griffen Sicherheitskräfte mit Wurfgeschossen an.
Vier Polizeibeamte erlitten „schwerere“ Verletzungen, und vier Einsatzfahrzeuge wurden zerstört. Anschließend versuchten Demonstrierende, die Autobahn A20 zu blockieren, und zogen weiter in das Stadtzentrum.
In Zusammenhang mit den Ausschreitungen nahm die Polizei in der Region 19 Personen fest. Die Ermittlungen dauern an.
Der Bau des Rathauses von Limoges begann 1879, eingeweiht wurde das Gebäude am 14. Juli 1883.
„Demonstrieren ist ein Recht, und Wut verdient es, gehört zu werden. Doch keine Meinungsverschiedenheit und keine Beschwerde können jemals die Zerstörung öffentlichen Eigentums rechtfertigen“, erklärte Limoges’ Bürgermeister Guillaume Guérin und nannte die Gewalt „unacceptable“.
Frankreich: Proteste schlagen in Gewalt um
Die großen Proteste gegen die hohen Lebenshaltungskosten sind am Samstag in mehreren Teilen Frankreichs eskaliert. Demonstrierende lieferten sich dort Zusammenstöße mit der Polizei.
Nach Angaben des französischen Innenministeriums gingen landesweit rund 550.000 Menschen auf die Straße. Die Kundgebungen verbanden sich mit laufenden Studentenprotesten. In Paris zählte das Ministerium etwa 110.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer.
In der Hauptstadt kam es zu chaotischen Szenen. In großem Stil wurde geplündert, die Polizei setzte Tränengas und Wasserwerfer ein, um die Menschenmenge zu zerstreuen. Ein Euronews-Team wurde am Samstag in Paris nahe der Place de la République von Plünderern und Randalierenden angegriffen, während es über die Proteste berichtete.
In anderen Teilen der Stadt, etwa rund um den Boulevard de Clichy und die Place de Clichy im 18. Arrondissement, blieb die Lage hingegen friedlich, wie eine weitere Euronews-Journalistin vor Ort berichtete.
Frankreichs Präsident Emmanuel Macron äußerte sich am Samstagabend in einem Beitrag in sozialen Netzwerken zu den Protesten und erklärte, für Gewalt sei „kein Platz“ in Frankreich.
„Diejenigen, die Präfekturen und Geschäfte verwüstet und sogar unsere Rathäuser geplündert haben, werden strafrechtlich verfolgt und bestraft“, kündigte er an.