Getragen wird der Zuwachs vom Export, während die Binnennachfrage schwach bleibt und die Handelspartner auf einen Abbau ihrer Defizite dringen.
China hat am Montag gemeldet, dass die Wirtschaft im dritten Quartal um 4,5 Prozent gewachsen ist, verglichen mit dem Vorjahreszeitraum. Starke Ausfuhren trieben den Zuwachs. Damit rückt das Land seinem Jahresziel näher, und das in einer Phase, in der die Handelspartner den Druck erhöhen, ihre Defizite gegenüber Peking zu verringern.
Die offizielle Zahl lag über den Prognosen. Im zweiten Quartal war das Wachstum mit 4,3 Prozent auf den niedrigsten Wert seit mehr als drei Jahren gefallen.
Die Führung in Peking peilt für 2026 ein Wachstum zwischen 4,5 und 5 Prozent an, nach 5 Prozent im vergangenen Jahr. Der Internationale Währungsfonds senkte seine Prognose für dieses Jahr Anfang des Monats auf 4,5 Prozent und liegt damit am unteren Rand der Zielspanne.
Exportboom stützt Wachstum, Inlandsnachfrage bleibt schwach
Die Ausfuhren gehören zu den wenigen Lichtblicken. Nach einem Anstieg der Exporte um 36 Prozent im vergangenen Monat und einem Überschuss von 938 Milliarden US-Dollar von Januar bis September steuert China darauf zu, den Rekord-Handelsüberschuss von 1,2 Billionen US-Dollar aus dem Vorjahr zu übertreffen.
Höhere US-Zölle bremsen den bilateralen Handel und lenken chinesische Exporteure verstärkt nach Südostasien, Lateinamerika und Europa. Hightech-Produkte wie Halbleiter sowie Hybrid- und Elektroautos treiben das Wachstum.
Um sich unabhängiger von westlichen Exportkontrollen zu machen, hat China in Branchen wie Solarenergie und Elektromobilität riesige, stark subventionierte Produktionskapazitäten aufgebaut. Das bringt jedoch auch Probleme mit sich.
Die Produktion wuchs rasant, der Konsum hielt nicht Schritt. Ein großer Teil der Waren geht deshalb zu wettbewerbsfähigen Preisen ins Ausland. Nach Einschätzung von Ecaterina Bigos, Marktstrategin bei BNP Paribas Asset Management, schafft dieses technologiegetriebene und exportabhängige Modell nur begrenzt neue Arbeitsplätze und steigert die Einkommen kaum. Zugleich wachse das Risiko von Jobverlusten durch künstliche Intelligenz.
Die offizielle Wachstumszahl tauge deshalb "immer weniger als Gradmesser für den Zustand der Gesamtwirtschaft", sagt Max Zenglein, Chefökonom für Asien-Pazifik beim Conference Board. Hinter der eindrucksvollen Rate verbärgen sich "wachsende Ungleichgewichte zwischen Branchen, Regionen und Haushalten". Diese inneren Schieflagen zu korrigieren, könnte für Peking schwieriger werden als der Umgang mit Druck von außen.
Die Inlandsnachfrage hat nachgelassen. Eine seit Jahren anhaltende Flaute auf dem Immobilienmarkt schmälert das Vermögen der Haushalte und treibt die Sparquote nach oben.
EU erhöht Druck auf Peking
China exportierte im September rund 919.000 Pkw. Angetrieben wurde das Geschäft von der starken Auslandsnachfrage nach Plug-in-Hybriden und reinen Elektroautos, wie Daten des chinesischen Automobilverbands zeigen. In den ersten neun Monaten 2026 gingen insgesamt mehr als 7,1 Millionen Pkw ins Ausland, ein Plus von über 70 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum.
Bei Chinas Handelspartnern wächst zugleich die Sorge, dass günstigere Importe aus der Volksrepublik die eigene Industrie und die Handelsbilanz unter Druck setzen.
Die EU mit ihren 27 Mitgliedstaaten verzeichnet gegenüber China ein Defizit von mehr als 1,1 Milliarden US-Dollar pro Tag (981,2 Millionen Euro). Die chinesischen Ausfuhren in die EU stiegen in den ersten neun Monaten des Jahres um 16 Prozent.
Einige Mitgliedstaaten drängen auf weitere Beschränkungen, obwohl sich die EU in diesem Monat bereits darauf geeinigt hat, die Einfuhr chinesischer Hybridfahrzeuge in den kommenden Jahren in etwa zu halbieren. Das Abkommen sieht eine Obergrenze von 350.000 importierten Hybridautos pro Jahr vor.
Analysten gehen allerdings davon aus, dass China in Streitfällen weiter mit anderen Staaten verhandeln und zugleich seinen Marktzugang sichern kann. Die Hybrid-Vereinbarung könnte Peking sogar ermöglichen, langfristig mehr Fahrzeuge abzusetzen und eine umfassende Zollerhöhung zu vermeiden. Dennoch warnt Lynn Song, Chefökonomin für Großchina bei ING, die Ungleichgewichte im Handel "lassen sich nicht kurzfristig abbauen".
Politische Entscheidungsträger in den Partnerländern verweisen zudem auf einen aus ihrer Sicht unterbewerteten Yuan gegenüber Dollar und Euro, der den Überschuss anheize. Chinas Zentralbank weist diesen Vorwurf zurück.
Peking betont, es strebe keinen übermäßigen Handelsüberschuss an. Zentralbankchef Pan Gongsheng erklärte am Freitag, Länder mit Defiziten und Länder mit Überschüssen müssten zusammenarbeiten. China sei entschlossen, die Inlandsnachfrage zu stärken.