Fachleute schlagen Alarm: Beim bisherigen Tempo dauert es noch 265 Jahre, bis 30 Prozent der Ozeane wirksam geschützt sind.
Die industrielle Fischerei hat für Lederschildkröten regelrechte Gefahrenzonen geschaffen. In vielen Regionen der Welt geht ihre Zahl rasant zurück.
Lederschildkröten Schildkröten gehören zu den am stärksten bedrohten Meereswirbeltieren weltweit und stehen seit 2013 als gefährdete Art auf der Roten Liste der IUCN.
In den Hochseegebieten des Atlantiks gibt es derzeit keine vollständig oder streng geschützten Meeresflächen. Für die wandernden Tiere ist diese Region jedoch überlebenswichtig. Kein Gebiet ist dort vor den ständigen Gefahren durch kommerzielle Fanggeräte sicher.
Ein neuer Bericht kommt jedoch zu dem Schluss, dass ein zusammenhängendes Netz von „Meeresschutzgebieten“ in der Atlantischen Hohen See das Problem entschärfen könnte.
Ozeanschutz: Fortschritte im Schneckentempo
Der Bericht „Well Connected“ der NGO Greenpeace International zeigt, dass solche Schutzgebiete mehr als 35 Prozent der Gefahrenzonen abdecken könnten, in denen Lederschildkröten der industriellen Fischerei ausgesetzt sind. So ließe sich ihr Sterberisiko deutlich senken.
Der Bericht erscheint pünktlich zum Beginn der wichtigen UN-Biodiversitätskonferenz (CBD COP17) in Armenien, die heute, Montag, 19. Oktober, startet. Dort steht die erste offizielle Bewertung der Fortschritte bei den 2022 vereinbarten globalen Zielen an.
Dazu gehört das Versprechen, bis 2030 30 Prozent der Weltmeere unter Schutz zu stellen. Fachleute betonen, dies sei das Minimum, um den Ozeanen überhaupt eine Chance zur Erholung zu geben.
Greenpeace kritisiert jedoch, die Regierungen müssten „dringend die eklatante Lücke zwischen Zusagen und konkretem Handeln schließen“. Die Organisation spricht von einem „Fortschritt im Schneckentempo“.
Nach Berechnungen des Berichts würde es beim derzeitigen Tempo 265 Jahre dauern, bis 30 Prozent der Ozeane wirklich geschützt sind.
Meeresschutzgebiete: Wie sie gefährdeten Lederschildkröten helfen
Greenpeace hat 17 Gebiete benannt, die im Rahmen des Global Ocean Treaty zu vollständig geschützten Meeresschutzgebieten werden sollen. Damit würde die insgesamt geschützte Fläche deutlich wachsen. Zugleich würden Regionen abgedeckt, in denen wandernde Arten den größten Gefahren ausgesetzt sind.
Zu den vorgeschlagenen Zonen gehören bereits bestehende Meeresschutzgebiete (MPAs), die zu streng geschützten Arealen ausgebaut werden müssen. Hinzu kommen Flächen, die Regierungen schon prüfen, sowie mehrere neue Gebiete. Zusammen könnten sie ein Netzwerk bilden, das mehr als 31 Prozent der Hochsee im Atlantik umfasst.
„Ein zusammenhängendes Netz streng geschützter Meeresschutzgebiete würde sicherstellen, dass faszinierende Wanderarten wie Wale und Schildkröten auf ihren Routen geschützt sind – frei von der Gefahr, durch industrielle Fischerei getötet zu werden oder mit Frachtschiffen zu kollidieren“, sagt Lukas Meus, Meereskampagnenleiter bei Greenpeace International.
„Nur so können sie sicher wandern, fressen und sich fortpflanzen. Die in Armenien tagenden Delegierten müssen sich auf große, mutige Lösungen einigen, um diese Arten wieder auf Kurs zu bringen.“