Frankreich verbrennt zwar weniger fossile Energieträger, verfehlt seine Klimaziele aber deutlich: Nötig wären jährlich minus fünf Prozent Emissionen.
Frankreich erhält bei seinen Bemühungen, die Treibhausgasemissionen zu senken, unerwartige Schützenhilfe – doch an der Zapfsäule bekommen die Verbraucher den Preis dafür zu spüren.
Die stark gestiegenen Spritpreise infolge des Kriegs im Iran bringen viele Menschen dazu, weniger Diesel zu tanken und zuhause sparsamer mit Gas umzugehen. Dadurch sind die Emissionen in der ersten Jahreshälfte 2026 laut Citepa, einer französischen Organisation zur Messung von Luftschadstoffen und Treibhausgasen, um 4,1 Prozent gesunken.
Frankreich steuert damit auf eine Minderung der Emissionen um 2,8 Prozent in diesem Jahr zu, nach 2,1 Prozent im Jahr 2025. Das entspräche rund zehn Millionen Tonnen weniger Ausstoß als im Vorjahr.
Trotzdem reicht das Tempo noch nicht aus, um die langfristigen Klimaziele zu erreichen. Frankreich will seine Emissionen bis 2030 im Vergleich zu 1990 halbieren. Dafür wären jährliche Einsparungen von etwa fünf Prozent nötig.
Teure Energie belastet französische Haushalte
Ein Großteil der Einsparungen hängt mit den Kosten fürs Autofahren zusammen. Seit Jahresbeginn sind die Kraftstoffpreise stark gestiegen; Diesel verteuerte sich um 45 Prozent, nachdem der Krieg im Iran die Öllieferungen durch die Straße von Hormus ausgebremst hat.
Die Menschen kaufen seither schlicht weniger Sprit. Der Dieselabsatz ging in den ersten sechs Monaten 2026 um 7,3 Prozent zurück. Im gleichen Zeitraum sanken die verkehrsbedingten Emissionen um 4,5 Prozent.
Die Emissionen aus Haushalten und Gewerbe gingen noch stärker zurück: In der ersten Jahreshälfte fielen sie um zwölf Prozent, vor allem weil weniger Erdgas zum Heizen, für Warmwasser und zum Kochen verbrannt wurde.
Der Abwärtstrend dürfte jedoch nicht anhalten. Citepa rechnet für die zweite Jahreshälfte nur noch mit einem Minus von 1,3 Prozent, unter anderem weil Frankreich mehr Gaskraftwerke einsetzt, um Strom für Nachbarländer zu produzieren.
Die Emissionen der Energiewirtschaft dürften im Gesamtjahr um 3,6 Prozent steigen, auch wenn Verkehr und andere Sektoren weiter Einsparungen verzeichnen.
Frankreichs Ministerin für die ökologische Wende, Monique Barbut, nannte den Rückgang „ermutigend“, räumte laut AFP aber ein, er sei „noch nicht ausreichend, um unsere Klimaziele zu erreichen“.
Globaler CO2-Ausstoß: erster Rückgang seit 2020 möglich
Auch in anderen Teilen Europas gehen die Emissionen langsam, aber stetig zurück.
In Deutschland sanken die Emissionen in der ersten Jahreshälfte 2026 um rund zwei Prozent, weil die Nachfrage nach Öl nachließ. Die Denkfabrik Agora Energiewende hat jedoch gewarnt (Quelle auf Englisch), das Land könne sein jährliches Emissionsbudget um etwa zehn Millionen Tonnen überschreiten – erstmals seit dem Klimagesetz von 2019.
Hohe Energiekosten bewegen viele europäische Haushalte dazu, günstigere Alternativen zu fossilen Brennstoffen zu suchen. Der Absatz von Wärmepumpen stieg um 25 Prozent in Frankreich, Deutschland und Polen zu Beginn des Jahres 2026, und die Verkäufe von E-Autos schossen ebenfalls in die Höhe, seit der Krieg begonnen hat. Gleichzeitig hat Solarstrom der EU seit Kriegsbeginn schätzungsweise 37,4 Milliarden Euro an Gasimporten erspart.
Außerhalb Europas sinken die Emissionen ebenfalls. In China ging der Ölverbrauch im zweiten Quartal 2026 um neun Prozent zurück, während die CO2-Emissionen um ein Prozent sanken – erstmals lässt sich ein Rückgang der Emissionen dort eher auf Öl als auf Kohle zurückführen.
Ein aktueller Bericht von Carbon Brief, der auf Prognosen der IEA (Quelle auf Englisch) basiert, legt nahe, dass die weltweiten CO2-Emissionen aus fossilen Brennstoffen in diesem Jahr um etwa 0,5 Prozent sinken könnten. Es wäre der erste jährliche Rückgang seit den Ausgangsbeschränkungen im Jahr 2020.
Die IEA erwartet zwar, dass die Nachfrage nach Öl steigt, sobald der Krieg endet. Die breite Nutzung von Solar- und Windkraft, Atomstrom, E-Autos und Wärmepumpen könnte den Verbrauch fossiler Energien jedoch auch nach einer Preisberuhigung niedrig halten. Diese Technologien verhinderten nach Angaben der Agentur im Jahr 2025 weltweit schätzungsweise drei Milliarden Tonnen CO2-Emissionen.