In sozialen Netzwerken sorgen Videos von französischen Ladenbesitzern und Anwohnern, die sich gegen Randale zur Wehr setzen, für breite Solidarität.
Frankreich ringt weiter mit der beispiellosen Gewalt, die am Wochenende Teile des Landes erschüttert hat. Zugleich sorgen die Geschichten der Menschen, die sich den Randalierenden entgegenstellten, für eine Welle der öffentlichen Unterstützung.
Millionen Nutzerinnen und Nutzer sozialer Netzwerke haben die inzwischen ikonische Szene eines Mitarbeiters eines Gaming-Ladens in Nizza gesehen. Der Angestellte, der als Pierre identifiziert wurde, stellt sich Plünderern entgegen, die in seinen Laden eindringen wollen – obwohl ihn ein Vermummter in den Rücken tritt und ein anderer Gegenstände nach ihm wirft.
Pierre, der in einer Filiale der Kette Micromania arbeitet, sagte dem französischen TV-Sender BFM, er habe sich „vor den Eingang gestellt und gehofft, dass die Leute nicht zu aggressiv versuchen würden, hereinzukommen“.
Bewohnerinnen und Bewohner der Nachbarschaft eilten ihm zur Hilfe, auch Nizzas Bürgermeister Eric Ciotti besuchte ihn am Sonntag. Unterdessen durchforsten andere die Videos, um der Polizei bei der Identifizierung der Angreifer zu helfen.
Aus Pierre ist in Frankreich ein Symbol für Zivilcourage geworden – und zugleich ein Held der Gamer-Szene. Ein Bild, das ihn entschlossen im Eingang des Ladens zeigt, neben einem Poster von Goku aus der Manga-Reihe Dragon Ball, verbreitete sich weltweit. Viele feiern ihn inzwischen als „French Goku“.
Ein weiteres Video in den sozialen Medien bewegt Frankreich: Es zeigt den Inhaber eines Handy-Ladens in Paris, der verzweifelt den Kopf in den Händen hält, nachdem sein Geschäft am Samstag geplündert wurde.
Später stellte sich heraus, dass der Mann Hassan heißt. Er soll seinen Laden erst vor drei Monaten eröffnet haben.
Ein anderes Video zeigt, wie sein Geschäft nach der Plünderung aussieht.
Am Sonntag startete jemand eine öffentliche Spendensammlung für Hassan. Bis Montagnachmittag kamen mehr als 88.000 Euro zusammen.
Seit Sonntagabend tauchen immer neue Videos auf, in denen weitere mutige Bürgerinnen und Bürger auf eigene Faust gegen Randalierende und Plünderer vorgehen.
In einem Clip ist eine Ladenbesitzerin in Paris zu sehen, die mit einer Eisenstange bewaffnet Plünderer aus ihrem Geschäft drängt.
Zur selben Zeit filmte jemand einen Bewohner von Paris, der mutmaßlich heißes Wasser auf Plünderer schüttet, um ein darunter gelegenes Optikergeschäft zu verteidigen, das angegriffen wurde.
Weitere weit verbreitete Videos zeigen einen Mann, der einem Plünderer in Saint-Étienne eine Ohrfeige verpasst, und einen anderen, der einen Randalierer daran hindert, eine Bushaltestelle zu zerstören. In Mulhouse wurden Beschäftigte eines Handy-Geschäfts gefilmt, wie sie sich gegen Menschen zur Wehr setzen, die den Laden stürmen wollten.
Nach Angaben der Behörden wurden bei den Ausschreitungen am Wochenende in Frankreich Hunderte Polizisten, Gendarmen und Feuerwehrleute verletzt, rund 2400 Menschen nahm die Polizei fest.
Frankreichs Präsident Emmanuel Macron warnte, die Verantwortlichen für die Zerstörungen „müssen zahlen“ und diejenigen, die geplündert haben, „müssen den Schaden wiedergutmachen“.
Premierminister Sébastien Lecornu kündigte am Montag zudem eine „massive“ Sicherheitsoperation nach den Ereignissen des Wochenendes an.