Finden Sie uns
Werbung

Kampf der Billig-Airlines : easyJet übernimmt den BER Berlin

Deutschland-Chef von EasyJet, Stephan Erler, glaubt an den Berliner Flughafen als Standort.
Deutschland-Chef von EasyJet, Stephan Erler, glaubt an den Berliner Flughafen als Standort. -  Copyright  easyJet
Copyright easyJet
Von Franziska Müller & Patrick Drews
Zuerst veröffentlicht am •Zuletzt aktualisiert
Teilen Kommentare Euronews bei Google hinzufügen
Teilen Close Button

Entgegen den Äußerungen des Ryanair-Chefs sieht der Deutschland-Chef von easyJet am Berliner Flughafen großes Potenzial für Wachstum. Welche Bedingungen dafür erfüllt werden müssen, erklärt er Euronews exklusiv.

Zuletzt erregte die Schließung der Berliner Basis am Flughafen von Ryanair Aufmerksamkeit. Infolgedessen korrigierte die BER-Chefin die erwarteten Passagierzahlen nach unten. Doch der Deutschland-Chef von easyJet, Stephan Erler, erklärt im Gespräch mit Euronews, warum er an das Potenzial des Berliner Flughafens BER glaubt.

WERBUNG
WERBUNG

"Der Flughafen BER verfügt als Flughafen der Hauptstadtregion über erhebliches Wachstumspotenzial", erklärt Stephan Erler, Country Manager für Deutschland und die Schweiz bei EasyJet.

EasyJet ist nach Unternehmensangaben die größte Fluggesellschaft am Berliner Flughafen BER. Die Gesellschaft hat elf Flugzeuge in Berlin stationiert und bietet rund 60 Strecken von und nach Berlin an.

Das Engagement der Airline in Berlin zeige, "dass wir weiterhin an das Potenzial des Standorts glauben", so Erler. "Im Sommerflugplan 2027 bauen wir unser Angebot mit zwei neuen Direktverbindungen nach Ljubljana und Rimini erneut aus, erhöhen die Frequenzen auf ausgewählten Verbindungen und schaffen rund 14 zusätzliche wöchentliche Flüge."

EasyJet will im Sommer 2027 zwei weitere Ziele ab dem Berliner Flughafen BER anfliegen.
EasyJet will im Sommer 2027 zwei weitere Ziele ab dem Berliner Flughafen BER anfliegen. Copyright 2005 AP. All rights reserved.

Trotzdem räumt auch Erler ein, dass für die Ausschöpfung des Potenzials am Berliner Flughafen die Rahmenbedingungen wettbewerbsfähig werden müssen.

Ein großer Nachteil für Deutschland sind demnach derzeit die hohen Standortkosten. Deutschland gehöre laut Erler weiterhin zu den teuersten Luftverkehrsstandorten Europas.

"Hohe staatliche Belastungen wie die Luftverkehrsteuer sowie vergleichsweise hohe Flugsicherungs- und Luftsicherheitsgebühren erschweren Wachstum und Investitionen. Der Wettbewerb findet dabei längst nicht mehr nur zwischen einzelnen Flughäfen statt, sondern zunehmend zwischen nationalen Luftverkehrsstandorten", so Erler.

Höchste Abgaben im EU-Luftverkehr in Deutschland fällig

So kosten Flüge zu und von deutschen Standorten zwischen 4.000 und 5.000 Euro, wie eine Analyse des Bundesverbands der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) ergibt. Die Kosten ergeben sich aus der nationalen Luftverkehrsteuer, Luftsicherheitsgebühren wie beispielsweise Sicherheitskontrollen am Flughafen sowie Flugsicherungsgebühren.

In Deutschland haben sich die staatlichen Standortkosten laut BDL seit dem Jahr 2020 nahezu verdoppelt. Dem Verband zufolge erhebe generell nur jedes zweite EU-Mitglied überhaupt einer Luftverkehrsabgabe. Diese sei in keinem anderen Land so hoch wie in Deutschland.

Das führt dazu, dass die Kosten in anderen Ländern wie Italien mit 2.183 Euro in Rom oder Spanien mit 661 Euro in Madrid deutlich günstiger für Fluggesellschaften sind.

EasyJet-Deutschland-Chef fordert Regierung zu weiteren Maßnahmen auf

Für europäische Fluggesellschaften sei laut dem BDL die Höhe dieser Abgaben bei der wirtschaftlichen Ergebnisrechnung ein wichtiger Faktor und nicht zu unterschätzen. Die Standortkosten hätten somit direkte Folgen für die Anbindung einer Volkswirtschaft an den internationalen Luftverkehr.

"Länder wie Polen bieten Fluggesellschaften ein deutlich attraktiveres Kostenumfeld. Davon profitieren Flughäfen wie Posen oder Breslau, die auch für Reisende aus Ostdeutschland zunehmend attraktiv werden", sagt easyJet Deutschland-Chef Erler.

Auch für easyJet würden ihm zufolge wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen eine wichtige Rolle für Entscheidungen bei Investitionen und Kapazitäten spielen. "Umso wichtiger sind weitere Schritte zur Stärkung des Luftverkehrsstandorts Deutschland", sagt Erler.

Die Bundesregierung hat die Luftverkehrsteuer ab 1. Juli 2026 gesenkt, um die Luftfahrtbranche in Deutschland zu entlasten. Die Steuersätze wurden dabei auf das Niveau vor Mai 2024 zurückgesetzt, was Ersparnisse zwischen 2,50 Euro und 11,40 Euro pro Fluggast bringt. Das nannte Erler ein "wichtiges Signal", doch die tatsächliche Entlastung sei hinter den ursprünglichen Erwartungen zurückgeblieben.

Eine Studie im Auftrag der Industrie- und Handelskammer Berlin (IHK) unterstützt die Forderungen der Fluggesellschaften nach besserer Wettbewerbsfähigkeit. Demnach könnten sieben zusätzliche Langstreckendestinationen ab Berlin jährlich rund 3,2 Milliarden Euro zusätzliche Bruttowertschöpfung erzeugen, wie das Institut für Angewandte Wirtschaftsforschung (IAW) Tübingen ermittelte.

Über einen Zeithorizont von zwei bis fünf Jahren könnten neben der Wertschöpfung auch mehrere Zehntausend Arbeitsplätze entstehen. Die Kammer empfiehlt dafür unter anderem besseres Marketing und mehr Verlässlichkeit, wie Euronews berichtete.

Steigende Kerosinpreise und EU-Regelungen verteuern Fliegen

Auch die Preise für Rohöl und raffinierte Produkte wie Kerosin sind nach Ausbruch des Iran-Kriegs und der faktischen Schließung der Straße von Hormus rasant gestiegen. Die Nordsee-Sorte Brent, der wichtigste internationale Referenzwert, kostete am Mittwoch 109,86 Dollar und lag damit in der Nähe eines Fünfmonatshochs.

Die Kosten steigen außerdem durch eine EU-weite Regelung, die den Flugverkehr umweltfreundlicher machen soll. So müssen Fluggesellschaften seit Januar 2025 einen bestimmten Anteil an Sustainable Aviation Fuel (SAF, auf Deutsch: nachhaltiger Flugkraftstoff) beimischen. Dabei handelt es sich um einen Kerosinersatz, der aus nicht-fossilen Rohstoffen hergestellt wird, beispielsweise aus Altspeiseölen, Bioabfällen oder synthetischen Fuels.

Die EU will damit den CO2-Verbrauch der Luftfahrt senken und hat zunächst eine Beimischungsquote von zwei Prozent festgelegt. Bis 2030 sollen schließlich sechs Prozent und bis 2050 70 Prozent des Treibstoffs aus SAF bestehen. Laut der European Union Aviation Safety Agency (EASA) ist der nicht-fossile Treibstoff SAF allerdings 2,8 mal so teuer als konventioneller Flugkraftstoff.

Flugverkehr ungleich auf EU verteilt

Entgegen dem deutschen Trend wächst der europäische Luftverkehr nach aktuellen Zahlen von Eurostat. Im Juni stieg die Zahl der Flüge im Jahresvergleich um 2,1 Prozent, im Juli um 2,8 Prozent, so Eurostat. Und das trotz der Belastung durch höhere Treibstoffpreise.

Der Zuwachs im August fiel jedoch nicht in allen Mitgliedstaaten gleich aus. Während in 19 EU-Ländern mehr Linienflüge als im Vorjahr starteten und landeten, ging die Zahl der Verbindungen in acht Ländern zurück, darunter auch Deutschland. Besonders dynamisch entwickelten sich einige kleinere Märkte in Mittel- und Osteuropa sowie im Mittelmeerraum, etwa die Slowakei, Malta und Estland.

In einer Prognose vom Juni erwartete der internationale Luftfahrtverband IATA, dass der gemeinsame Nettogewinn der europäischen Airlines von geschätzten 13 Milliarden Dollar (11,5 Milliarden Euro) im Jahr 2025 auf 9,6 Milliarden Dollar im Jahr 2026 sinken wird. Als Hauptgrund nannte der Verband die Treibstoffkosten, die einen besonders großen Anteil an den operativen Ausgaben der Fluggesellschaften ausmachen und sich bei steigenden Preisen schnell in den Bilanzen niederschlagen.

Zu den Barrierefreiheitskürzeln springen
Teilen Kommentare Euronews bei Google hinzufügen

Zum selben Thema

"Erfolglosester Flughafen Europas": Berliner BER wird von Warschau überholt

Schluss mit der „Touristenfalle“: Flughafen Lissabon führt feste Taxipreise ein

Britische Flughäfen: E-Gates bis 2027 kontaktlos und ohne Pass