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"Erfolglosester Flughafen Europas": Berliner BER wird von Warschau überholt

Nach dem Ryanair-Rückzug am Berliner Flughafen erwartet die BER-Chefin sinkende Passagierzahlen.
Nach dem Ryanair-Rückzug am Berliner Flughafen erwartet die BER-Chefin sinkende Passagierzahlen. -  Copyright  (c) Copyright 2023, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten
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Von Franziska Müller
Zuerst veröffentlicht am •Zuletzt aktualisiert
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Nach dem Ryanair-Rückzug am Berliner Flughafen erwartet die BER-Chefin sinkende Passagierzahlen. Mit seinem polnischen Nachbarn Warschau-Chopin kann der Flughafen in diesem Jahr nicht mehr mithalten. Schlägt sich der fehlende Flugverkehr auch auf die Wirtschaft nieder?

Nachdem Ryanair angekündigt hatte, seine Basis am Berliner Flughafen BER ab Oktober zu streichen, fürchten einige Folgen für die Wettbewerbsfähigkeit. Der Warschauer Flughafen Chopin hingegen glänzt mit wachsenden Passagierzahlen und ist auf dem besten Weg, den BER zu überholen.

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Im Jahr 2025 hatte der Berliner Flughafen 26,1 Millionen Passagiere, am Warschauer Chopin-Flughafen waren es 24 Millionen. Im laufenden Jahr hat Warschau jedoch bereits einige Tausend mehr Fluggäste als Berlin, beide liegen bei über 19 Millionen nach Ende September 2026.

Die Jahreszahl der Passagiere am Flughafen Warschau wächst deutlich stärker als in Berlin. Der Rückzug Ryanairs könnte ein zusätzlicher Faktor sein, der Berlins Gästezahlen zurückfallen lässt. Damit rechnet jedenfalls der Berliner Flughafen und will Konsequenzen ziehen. Denn auch die Wirtschaft könnte darunter leiden.

"Erfolglosester Flughafen Europas": Ryanair gibt Berlin-Basis auf

Im April hatte Ryanair bekanntgegeben, die Basis am Berliner Flughafen BER aufgeben zu wollen. Seit Covid sei der Flugverkehr dort um 27 Prozent eingebrochen, heißt es in einer Mitteilung des Unternehmens. Währenddessen seien die Kosten allerdings um 50 Prozent angestiegen, für das nächste Jahr sei eine weitere Teuerung zu erwarten.

Ab dem 24. Oktober gibt es also keine Ryanair-Flüge mehr von Berlin, die Crew und Flugzeuge werden verlegt. 2027 will Ryanair auch alle Flüge nach Bremen streichen. Die Airline nannte den BER Airport den "erfolglosesten Flughafen Europas". Laut aktuellen Zahlen des Bundesverbands der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) werden hier 28 Prozent weniger Flüge angeboten als vor der Corona-Pandemie.

"Der deutsche Luftverkehr ist nicht wettbewerbsfähig. Die Regierung räumt dies selbst ein, dennoch fehlt eine klare Strategie zur Senkung der Luftverkehrsteuer und überhöhten Flughafenentgelten – trotz der wiederholten Warnungen von Ryanair, dass Deutschland andernfalls Verkehr, Konnektivität, Arbeitsplätze und Wirtschaftskraft verlieren wird", begründete der Ryanair-CEO Eddie Wilson die Entscheidung des Unternehmens. Eine substanzielle Kostenreform würde weder in Berlin noch deutschlandweit absehbar sein.

Als Gründe nannte das Unternehmen insbesondere die Luftverkehrssteuer, die es als "schädlich" bezeichnete, sowie die steigenden Flughafenentgelte. Luftverkehrssteuer wird nicht nur in Deutschland, sondern auch in verschiedenen anderen Ländern fällig, etwa in Österreich, Frankreich, Niederlande, Großbritannien oder Dänemark. Laut dem Zoll werden für Inlandsflüge 13 Euro nötig, für weitere Flüge fallen Steuern von bis zu 60 Euro an.

Aufschwung in Polen: Verdopplung der Passagierzahlen

Polen hingegen erhebt keinen nationale Luftverkehrssteuer auf Passagierflüge. In Warschau ist Ryanair an beiden Flughäfen, Chopin und Warschau-Modlin, vertreten und bietet insgesamt 46 Strecken an.

Die Fluggesellschaft will außerdem drei zusätzliche Flugzeuge am Flughafen Warschau-Modlin stationieren, wie Ende September bekannt wurde. Damit hat die Airline insgesamt neun Flugzeuge an diesem Standort, die 30 Strecken bedienen sollen. Ryanair rechne demnach damit, dass sich die Zahl der Passagiere in Modlin auf 3,2 Millionen verdoppelt.

Insgesamt liegen sowohl Warschau als auch Berlin eher hinten im Ranking der am meisten genutzten Flughäfen in Europa. Ganz vorne mit 84,5 Millionen Passagieren war der Flughafen Istanbul im Jahr 2025. Darauf folgten Paris und Amsterdam sowie Madrid und Frankfurt am Main.

Die Flughäfen Berlin-BER und Warschau-Chopin schaffen es nicht unter die Top20. Während Warschau jedoch auf steigende Zahlen hoffen kann, rechnet die Chefin des Berliner Flughafens BER Aletta von Massenbach in diesem Jahr mit rückläufigen Passagierzahlen. Das Angebot von Flughäfen ist dem BDL zufolge im ersten Halbjahr 2026 auch deutschlandweit geschrumpft.

Deutscher Flugverkehr in schwacher Phase

2026 rechne der BER mit 25,7 Millionen Passagieren, sagte von Massenbach am Dienstag in Berlin und sprach vom "Ryanair-Effekt". Rund 2,5 Millionen Sitzplätze fallen laut der BER-Chefin weg. Der Rückgang würde sich auf etwa ein Prozent im Vergleich zum Vorjahr belaufen. Auch für das kommende Jahr sind die Aussichten eher schlecht: 25 Millionen Passagiere werden erwartet, fast vier Prozent weniger als noch im Jahr 2025.

Von Massenbach habe Verständnis für die Frustration der Airline über die hohen Kosten in Deutschland. Die Kritik richte sich aus ihrer Sicht jedoch vor allem gegen den Bund, nicht gegen den Flughafen selbst.

Der Wegfall der Ryanair-Passagiere werde laut von Massenbach von anderen Fluggesellschaften wie Eurowings, Wizz Air und EasyJet zwar abgepuffert, aber nicht komplett aufgefangen. Der BER selbst will mit einem Sparkurs entgegensteuern: Kosten prüfen und Investitionen vorerst verschieben. Konkrete Pläne wurden bisher nicht bekanntgegeben.

Auswirkungen auf die Wirtschaft

Laut dem Flughafenverband ADV ist der Flugverkehr bundesweit in einer schwachen Phase. Die Zahl der Fluggäste an deutschen Flughäfen sei im August um 0,2 Prozent auf 22,4 Millionen gesunken. Einen derartigen Rückgang in einem der Hauptreisemonate soll es zuletzt in Krisenjahren wie 2009 und 2020 gegeben haben.

Eine Analyse des Bundesverbands der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) kommt auf ein ähnliches Ergebnis: Es gebe inzwischen 300.000 Flüge weniger als 2019. 35 Millionen Sitzplätze sind dadurch weggefallen. Steuern und Gebühren sollen sich seit 2019 verdoppelt haben.

Die Branche des Luftverkehrs macht die staatlichen Steuern sowie die Flughafengebühren in Deutschland verantwortlich dafür, dass sie wegzieht.

Das könnte Konsequenzen für die ohnehin angespannte Wirtschaftslage haben. Denn weniger Direktverbindungen führen dazu, dass Geschäftsleute längere Reisezeiten in Kauf nehmen müssten. Laut der Industrie- und Handelskammer (IHK) würden viele Inlandsflüge nicht ausreichend durch gute Bahnverbindungen ersetzt, wie auch der Finanzexperte Matthias Weik auf der Plattform LinkedIn argumentiert.

Nicht jeder weggefallene Kurzstreckenflug sei automatisch ein wirtschaftlicher Verlust, erklärte Weik. "Aber internationale Erreichbarkeit ist ein wichtiger Standortfaktor.⠀Deutschland diskutiert über Wettbewerbsfähigkeit. Gleichzeitig verliert es Hunderttausende Flüge", macht der Finanzexperte deutlich.

Eine Studie im Auftrag der Industrie- und Handelskammer Berlin (IHK) bekräftigt das. Demnach könnten sieben zusätzliche Langstreckendestinationen ab Berlin jährlich rund 3,2 Milliarden Euro zusätzliche Bruttowertschöpfung erzeugen, wie das Institut für Angewandte Wirtschaftsforschung (IAW) Tübingen ermittelte. Über einen Zeithorizont von zwei bis fünf Jahren könnten neben der Wertschöpfung auch mehrere Zehntausend Arbeitsplätze entstehen. Die Kammer empfiehlt besseres Marketing und mehr Verlässlichkeit.

Kosten für Kerosin könnten Flugpreise zusätzlich belasten

Laut Ryanairs CEO Eddie Wilson sei Deutschland Europas Luftverkehrsmarkt mit der schlechtesten Erholung. Zuletzt wurde der Ton rauer und Ryanair fand deutliche Worte für den Zustand der Flugbranche in Europa.

Ryanair-Chef Michael O'Leary hat EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen als "nutzlos" bezeichnet. Das Europaparlament nannte er ein "Narrenschiff". Er wirft ihr vor, viel über Wettbewerbsfähigkeit zu reden, aber nichts dafür zu tun.

O'Leary kritisierte Umweltabgaben der EU, die nur für Flüge innerhalb des Blocks gelten. Amerikanische, asiatische und chinesische Airlines sind davon ausgenommen, obwohl sie nach seinen Worten mehr als die Hälfte der Emissionen des europäischen Luftverkehrs verursachen.

Der Ryanair-Chef sagte, er halte Belgien, Frankreich und Deutschlands Flughäfen nicht für wettbewerbsfähig. Deshalb würden die Flüge aus diesen Staaten "in Länder, die wettbewerbsfähig sind" verlegt, so O'Leary im Interview mit Euronews.

"Wir garantieren, dass es keine Treibstoffzuschläge geben wird", stellte O'Leary in Aussicht. "Aber es besteht kein Zweifel daran, dass die Flugpreise 2027 wegen deutlich höherer Ölpreise kräftig steigen werden."

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