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EU-Vergleich: Der schlechteste Bahnhof Europas liegt in Deutschland

EU-Vergleich: Der schlechteste Bahnhof Europas liegt in Deutschland.
EU-Vergleich: Der schlechteste Bahnhof Europas liegt in Deutschland. -  Copyright  Copyright 2018 The Associated Press. All rights reserved.
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Von Franziska Müller
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Es soll sie geben, die Bahnhöfe, an denen Züge im Durchschnitt nur eine Minute Verspätung haben. Allerdings nicht in Deutschland, sondern in der Schweiz, in Frankreich und Polen. Ein deutscher Bahnhof belegt hingegen den letzten Platz.

In einem europaweitem Ranking wurden 60 Bahnhöfe nach Zuverlässigkeit, Sauberkeit und Ausstattung und Anbindung verglichen. Während Frankreich, die Schweiz und Polen die Top Ten dominieren, wird Deutschland abgehängt und landet mit einem Bahnhof sogar auf dem letzten Platz.

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Sechs der zehn schlechtesten Bahnhöfe liegen in Deutschland, Schlusslicht ist der Hauptbahnhof der Stadt Bremen. Das ist das Ergebnis der Studie European Railway Station Index des Think Tanks Consumer Choice Center (CCC).

Dieser deutsche Bahnhof gilt als der Schlechteste in Europa

Laut dem Index aus dem August 2026 sind in Bremen 63 Prozent der Züge verspätet, die durchschnittliche Wartezeit beträgt 21 Minuten. Außerdem schneidet der Bahnhof mit einem knappen Einkaufsangebot schlechter ab als andere und weil die Verbindungen eher schlecht ausfallen würden.

Der Bremer Hauptbahnhof wird als schlechtester Bahnhof Europas gehandelt. Grund dafür: Verspätungen, fehlende Wartemöglichkeiten und Sauberkeit.
Der Bremer Hauptbahnhof wird als schlechtester Bahnhof Europas gehandelt. Grund dafür: Verspätungen, fehlende Wartemöglichkeiten und Sauberkeit. By Tim Rademacher, Wikimedia Commons, CC-BY-SA-4.0, CC BY-SA 4.0

Reisende würden außerdem regelmäßig über den Zustand des Bahnhofsumfelds klagen, so sei beispielsweise der Vorplatz ungepflegt und rieche streng. Der große Pluspunkt in Bremen, der das Ergebnis insgesamt allerdings nicht mehr hochziehen konnte: hier gibt es laut dem Index genügend Automaten und Schalter für den Ticketkauf.

Deutschland steht insgesamt nicht besonders gut in dem Ranking da. 15 von 19 ausgewerteten Bahnhöfen landeten auf den 30 letzten Plätzen. Am Berliner Hauptbahnhof beträgt die durchschnittliche Wartezeit mittlerweile 20 Minuten, Dortmund verzeichnet mit 73,8 % die höchste Verspätungsquote im Index, und Hamburg hat mit 24,8 Minuten die längste durchschnittliche Wartezeit, so die Studie des CCC.

Marode Infrastruktur und zunehmend Verspätung

Insbesondere die regelmäßigen Verspätungen der Deutschen Bahn führen zu den schlechten Platzierungen Deutschlands. Denn eine Verspätung wirkt sich auch auf den Bahnhof aus: Menschen verpassen ihre Züge, Gleiswechsel aufgrund des verpassten ursprünglichen Fahrplans sorgen für Chaos und Unmut.

Das bestehende Problem droht sich 2026 noch zu erweitern: Die Deutsche Bahn meldet für 2026 40 Prozent mehr störungsbedingte Verspätungen.

"Das unmittelbare Problem liegt in der maroden Infrastruktur", heißt es in der Studie. Nach Angaben des Verkehrsministeriums befinden sich über die Hälfte der landesweit 33.500 Kilometer langen Schienenstrecken in einem mittelmäßigen, schlechten oder mangelhaften Zustand. Ein Fünftel des gesamten Netzes muss erneuert werden.

Denn die Infrastruktur gehe weiterhin schneller kaputt als sie repariert werden. Die Sanierungen sollen dennoch fortgesetzt werden, um zumindest die Hauptstrecken auf Vordermann zu bringen.

In der deutschen Schlusslicht-Reihung fällt ein österreichischer Bahnhof aus dem Raster. Der Bahnhof Wien Meidling ist rund drei Kilometer vom Hauptbahnhof entfernt und bedient insbesondere Fernverkehrszüge. Rund ein Drittel dieser Züge ist an dem Wiener Bahnhof allerdings zu spät - und Reisende haben kaum Aufenthaltsmöglichkeiten an dem Bahnhof, während sie warten müssen.

Durchschnittlich eine Minute Verspätung: Das ist der beste Bahnhof Europas

Der Berliner Hauptbahnhof, der im vergangenen Jahr noch auf Platz Vier des Gesamtwertung lag, ist im Jahr 2026 auf den 19. Platz aberutscht. Der Grund dafür ist ein dramatischer Anstieg der Wartezeiten und Verspätungen.

Der Züricher Hauptbahnhof macht den ersten Platz im europaweiten Bahnhofsranking. Hier hat ein Zug durchschnittlich nur eine Minute Verspätung.
Der Züricher Hauptbahnhof macht den ersten Platz im europaweiten Bahnhofsranking. Hier hat ein Zug durchschnittlich nur eine Minute Verspätung. By Ank Kumar - Own work, CC BY-SA 4.0

Andere europäische Länder glänzen hingegen mit mehreren Bahnhöfen in den Top Ten, allen voran die Schweiz, die in den vergangenen Jahrzehnten massiv in ihr Bahnnetz investiert hat und davon nun die Früchte tragen kann. Im Durchschnitt wartet man am Hauptbahnhof Zürich lediglich eine Minute auf den Zug, außerdem gibt es ein großes Angebot an Restaurants und Läden sowie funktionstüchtige Rolltreppen und Aufzüge.

Die Schweiz hat alle Argumente auf ihrer Seite, allerdings investiert auch kein anderes Land pro Einwohner so viel Geld in den Bahnverkehr wie die Schweiz. Nach dem Land teilen sich die Niederlande, Frankreich, Großbritannien und Polen die Top Ten.

Polen und Frankreich haben deutlich aufgeholt

Frankreichs Vorteil ist das eigens für den Hochgeschwindigkeitszug TGV ausgebaute Schienennetz, das von Regionalzügen kaum genutzt wird. Deshalb sind diese Züge deutlich zuverlässiger.

Auch Polen glänzt nach einer Modernisierungswelle im Bahnverkehr. Denn beispielsweise den Krakauer Bahnhof gibt es schon seit 1847, damals verband er die Stadt mit Myslowice. Heute ist der historische Bahnhof ein Museum, direkt nebenan ist 2014 ein neuer Knotenpunkt fertiggestellt worden, der viele Anforderungen des Rankings erfüllt.

Die Regierung räumte dem Bahnverkehr die Priorität ein und finanzierte den Ausbau des Schienennetzes massiv. "Da der Plan [...] den Bau von weiteren 4.700 Kilometern neuer Gleise vorsieht, verspricht die Modernisierung letztendlich, das polnische Schienennetz zu einem der modernsten in Europa zu machen", heißt es in dem Bericht des CCC.

Durch viele Verbindungen, integrierte Einkaufsmöglichkeiten und Angebote für Reisende schaffen es die Bahnhöfe Krakau und Breslau in die Top Ten des Rankings. Der Posnaner Hauptbahnhof folgt wenig später auf Rang 13. Im vergangenen Jahr transportierte die polnische Bahn fast 430 Millionen Passagiere, ein Höchstwert.

Deutsche Städte im Vergleich

Wir zoomen rein, von der Europakarte nach Deutschland. Denn vergleicht man die deutschen Bahnhöfe miteinander, landet Bremen laut einer Auswertung der Buchungsplattform Omio für die passagierfreundlichsten Bahnhöfe sogar auf Platz 12 von 30 Plätzen.

Auch hier ging es neben der Bahnfahrt selbst um die Lage der Stationen, das Angebot an Zeitschriftenläden und Bäckereien im direkten Umfeld sowie Toiletten und Barrierefreiheit.

Der klare Gewinner und der einzige Bahnhof, der alle 100 möglichen Punkte erreicht, ist der Bahnhof Leipzig. Dabei handelt es sich um den größten Einkaufsbahnhof Deutschlands mit 69 Shops und 21 Verkaufsständen. "Mit einer herausragenden Google-Bewertung von 4,5 Sternen ist kein anderer Bahnhof besser bewertet als der Leipziger Hauptbahnhof und damit auch bei den Passagieren äußerst beliebt", erklärt die Plattform Omio in einer Mitteilung weiter.

Der Leipziger Hauptbahnhof hat die beste Bewertung von Passagieren.
Der Leipziger Hauptbahnhof hat die beste Bewertung von Passagieren. By Martin Klein, CC BY 3.0

Direkt dahinter landet der Berliner Hauptbahnhof und anschließend der Dresdener Hauptbahnhof. Beide gehören zu den deutschen Bahnhöfen mit einer überdurchschnittlichen Pünktlichkeit mit 77 und 78 Prozent, ausgenommen vom Bahnhof Köln Messe/Deutz (Platz 5 im Ranking), an dem sogar 86 Prozent der Züge pünktlich fahren - eine besonders gute Nachricht für Messebesucher.

Besonders häufig verspätet starten Züge von Bonn Hbf, dem Schlusslicht des Omio-Rankings**.** Nur 41 Prozent aller Züge fahren planmäßig ab. In Bielefeld und Duisburg sieht es ähnlich aus, hier verlässt fast jeder zweite Zug sein Ziel unpünktlich. "An diesen Bahnhöfen brauchen Reisende und Pendler besonders starke Nerven, da Verspätungen hier eher die Regel als die Ausnahme sind", heißt es in der Auswertung.

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