Eine Rolltreppe, zwei Minuten Fahrt und kein Umsteigen: In Leipzig hat die Deutsche Bahn im City-Tunnel eine der längsten Rolltreppen Europas in Betrieb genommen.
Zwar gibt es in Leipzig gar keine richtige U-Bahn, dennoch führt hier seit Kurzem eine der längsten Rolltreppen Europas unter die Erde. Rund zwei Minuten dauert die Fahrt hinunter in den Leipziger "City-Tunnel" an der Station Wilhelm-Leuschner-Platz. Die 55 Meter lange Rolltreppe hat eine Besonderheit: ein fahrendes Mittelpodest.
Bisher mussten Fahrgäste auf halber Strecke aussteigen, ein paar Schritte über ein festes Steinpodest gehen und die nächste Rolltreppe nehmen. Das ist vorbei. In der Mitte flachen die Stufen jetzt ab und rollen eben weiter, bevor sie sich wieder zu Stufen aufbauen.
Man bleibt einfach stehen und wird durchgetragen. Die Bahn spart dabei Technik: Aus acht Rolltreppen in der Station werden vier. Die Anlage überwindet bis zu 20 Meter Höhenunterschied. Damit ist der Wilhelm-Leuschner-Platz die am tiefsten gelegene Station des Tunnels.
Rekord-Rolltreppen in Deutschland
Als längste Rolltreppe Europas gilt die Leipziger Anlage allerdings nur in ihrer Kategorie, also mit fahrendem Mittelpodest. Bei der reinen Länge liegen andere vorn. Deutschlands längste ist die "Tube" in der Hamburger Elbphilharmonie mit 82 Metern. Sie ist gebogen und braucht zweieinhalb Minuten bis zur Plaza.
In Essen führt eine 58 Meter lange Rolltreppe zum Ruhr Museum auf Zollverein, die längste freistehende Europas. Im Fußgängertunnel unter dem Nord-Ostsee-Kanal in Rendsburg fahren Rolltreppen mit je 55,9 Metern, damit liegen sie fast gleichauf mit Leipzig.
Die Giganten der Metros
Noch länger sind Anlagen in den Metros Osteuropas. Die längste Rolltreppe der Kyjiwer Metro an der Station Kreschatyk hat nach ukrainischen Medienberichten 87 Meter. Die weltweit längste freistehende Rolltreppe ist die im CNN-Gebäude in Atlanta mit gut 62 Metern. Hongkongs Central Mid-Levels Escalator misst sogar rund 800 Meter, besteht aber aus mehreren Abschnitten und Bändern.
Ein Jahrhundertprojekt
Dass es überhaupt so weit kommen konnte, hat mit der langen Geschichte des City-Tunnels zu tun. Schon 1892 kam die Idee auf, den neuen Hauptbahnhof mit dem Bayerischen Bahnhof unterirdisch zu verbinden. 1913 begannen die Arbeiten. Dann kamen ein Bauarbeiterstreik und der Erste Weltkrieg dazwischen.
Im Zweiten Weltkrieg diente der Tunnelansatz als Luftschutzbunker, zu DDR-Zeiten sogar als Kino. Erst 2003 wurde weitergegraben, und am 14. Dezember 2013 ging der dreieinhalb Kilometer lange Tunnel in Betrieb. Ein Eisenbahnhistoriker sprach damals vom fünften Anlauf für das Projekt. Mehr als 100 Jahre hat es also gedauert, bis die S-Bahn unter der Innenstadt fuhr.
Neue Technik für 32.000 Fahrgäste
Heute halten die Züge in vier Stationen: Hauptbahnhof (tief), Markt, Wilhelm-Leuschner-Platz und Bayerischer Bahnhof. Rund 32.000 Reisende steigen dort täglich ein, aus und um. Nach gut zwölf Jahren Betrieb sind viele Anlagen in die Jahre gekommen, deshalb modernisiert die Deutsche Bahn die Technik.
Seit Jahresbeginn tauscht sie im City-Tunnel elf Rolltreppen und fünf Aufzüge aus. Am Hauptbahnhof (tief) gibt es bereits sechs neue Rolltreppen. Am Markt wurde die letzte alte Rolltreppe im Frühjahr ersetzt, am Bayerischen Bahnhof laufen die neuen Rolltreppen seit Anfang Juni.
Die meisten Arbeiten finden nachts statt, damit der Betrieb möglichst wenig leidet. Außerdem bleibt in jeder Richtung stets ein Aufzug oder eine Rolltreppe in Betrieb, sodass die Stationen barrierefrei erreichbar bleiben. Zugausfälle gibt es durch die Arbeiten nicht.
Was noch kommt
Ganz fertig ist die Modernisierung noch nicht. Die zweite Rolltreppenanlage am Wilhelm-Leuschner-Platz wird seit Mitte Oktober bis Ende 2026 getauscht. Auch einige Aufzüge sind noch an der Reihe, der letzte soll am Wilhelm-Leuschner-Platz Richtung Peterstraße fertig werden.
Spätestens im Frühjahr 2027 sollen alle Arbeiten an den Tunnelstationen abgeschlossen sein. Bis dahin müssen Fahrgäste mit Kinderwagen oder schwerem Gepäck teils längere Wege einplanen.