Trotz der Antisemitismusvorwürfe ist der Vorsitzende der Rechtsaußen-Partei "Rassemblement National" in Orléans mit überwältigender Mehrheit im Amt bestätigt worden.
Jordan Bardella muss noch 1,02 Prozent der Basis überzeugen. Als einziger Kandidat im Rennen ist er mit 98,98 Prozent der Stimmen erneut zum Vorsitzenden der Rechtsaußen-Partei "Rassemblement national" gewählt worden. Dabei hatte es in den vergangenen Wochen in der französischen Presse Antisemitismus-Vorwürfe gegeben, die der 31-Jährige in seiner Jugend geäußert haben soll. Jordan Bardella bestreitet das.
Am Samstag, dem ersten Tag des Parteitags in Orléans, gab die Le-Pen-Partei das Ergebnis des Votums bekannt bekannt. Die elektronische Abstimmung der Mitglieder des RN fand vom 21. September bis zum 22. Oktober statt.
68 Prozent der Parteimitglieder stimmten online ab
Der amtierende Vorsitzende erhielt 75.497 Stimmen, dazu kamen 779 Stimmenthaltungen, teilte der für die Organisation zuständige Abgeordnete Yoann Gillet mit. Die Beteiligung lag bei knapp 68 Prozent.
Noch vor der offiziellen Bekanntgabe bedankte sich Jordan Bardella bei seinen Anhängerinnen und Anhängern. Er erklärte: „Ein weiteres Mal werde ich Sie brauchen (...) um Marine Le Pen in den Élysée-Palast zu bringen.“
Mit dieser Wiederwahl ist die Rollenverteilung in dem Duo, das den Französinnen und Franzosen von der Rechtsaußen-Partei als „Gewinner-Ticket“ präsentiert wird, endgültig festgezurrt. Marine Le Pen richtet sich auf die Präsidentschaftswahl aus, Jordan Bardella stärkt seine Position an der RN-Spitze und bringt sich für das Amt des Premierministers im Hôtel Matignon ins Spiel.
Am Sonntag, dem zweiten Tag des Parteitags, will Marine Le Pen ihre Präsidentschaftskampagne vor Tausenden Unterstützern aus ganz Frankreich eröffnen.
Gegenkundgebung verläuft ruhig
Wie schon bei früheren Parteitagen des ehemaligen Front national von Marine Le Pens Vater Jean-Mari Le Pen, der heute Rassemblement national genannt wird, hat es Protest gegen die Partei gegeben.
Rund 11 000 Menschen nach Angaben der Präfektur und 26 000 nach Angaben der Veranstalter zogen am Samstag friedlich durch Orléans, um gegen die rechtsextreme Partei zu demonstrieren.
Bereits am Freitag hatten die Behörden mit einer Mobilisierung von bis zu 30 000 Menschen gerechnet. Unter den Demonstrierenden waren mehrere Persönlichkeiten der politischen Linken, darunter der Bürgermeister von Saint-Denis und prägende Figur von La France insoumise (LFI), Bally Bagayoko.
Der im Zug mitmarschierende Erste Sekretär der Sozialistischen Partei, Olivier Faure, warf dem RN vor, „verantwortlich“ für ein „vergiftetes, rassistisches und fremdenfeindliches Klima“ zu sein. Die Generalsekretärin der linken Gewerkschaft CGT, Sophie Binet, erklärte, „es gibt keinen schlimmeren Feind für Arbeiterinnen und Arbeiter als die extreme Rechte“.
Zum Vergleich: Am 29. März 1997 demonstrierten in Straßburg mehr als 50 000 Menschen gegen den Parteitag des damaligen FN.
Auch wenn die Beteiligung in diesem Jahr geringer ausfällt, findet der Protest in einem angespannten landesweiten Kontext statt, geprägt vom „Akt II“ der sozialen Proteste und dem Hintergrund schwerer Gewalttaten, die eine Woche zuvor stattgefunden hatten.
Rede von Marine Le Pen
Der Parteitag soll der Rechtsaußen-Partei auch die Gelegenheit geben, Geschlossenheit zu demonstrieren und sechs Monate vor der Präsidentschaftswahl ihr Projekt vorzustellen.
Nach Angaben ihres Umfelds hat Marine Le Pen eine „hochkarätige“ Rede vorbereitet. Sie will ihre „Vision entfalten“ mit dem zentralen Thema: „‚la renaissance‘“.
Der RN hatte seinen Gegenhaushalt bereits zwei Wochen zuvor vorgestellt. Die Frage der Wohnungskrise hatte Marine Le Pen zudem bei ihrer politischen Saisoneröffnung am 14. September in ihrer Hochburg Hénin-Beaumont in Nordfrankreich erläutert. So will sie Sozialwohnungen "zuerst an Franzosen" vergeben.