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Antisemitismus? Frankreichs Rechtsaußen Jordan Bardella soll Facebook-Posts gelöscht haben

Jordan Bardella, Parteichef des Rassemblement National (RN), in Paris am Dienstag, dem zweiten September 2025.
Jordan Bardella, Vorsitzender des Rassemblement National (RN), in Paris, Dienstag, dem zweiten September 2025. -  Copyright  (AP Photo/Thibault Camus)
Copyright (AP Photo/Thibault Camus)
Von Etienne Paponaud mit AFP
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Die Investigativmedien Mediapart und Le Canard enchaîné erheben neue Vorwürfe gegen Jordan Bardella. Dessen Rechtsaußen-Partei weist alle Vorwürfe zurück und erhebt Anklage.

Der Vorsitzende der Le-Pen-Partei Rassemblement national (RN), Jordan Bardella, hat laut Medienberichten die Daten eines früheren Facebook-Kontos gelöscht. Unmittelbar zuvor hatte die Online-Plattform Mediapart antisemitische Texte von Bardella veröffentlicht, deren Urheberschaft der Politiker bestreitet. Vom Löschen der Facebook-Posts berichtete Le Canard Enchaîné am 8. Oktober.

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Das auf Investigativrecherchen spezialisierte Blatterklärt, es verfüge über „Auszüge aus privaten Gesprächen“, die belegten, dass „alle Daten“ eines Kontos, das Bardella in seinen frühen Jahren als Aktivist beim Front national (wie das Rassemblement National früher genannt wurde) nutzte, „zwischen dem 28. September und dem 2. Oktober gelöscht wurden“. Dies soll unmittelbar nach den ersten Artikeln von Mediapart geschehen sein.

Bei dem von Le Canard Enchaîné erwähnten Facebook-Konto handelt es sich nicht um das Profil, über das dem heutigen RN-Präsidenten vorgeworfen wird, 2013 offene antisemitische Nachrichten ausgetauscht zu haben. Damals war er 17 Jahre alt.

„Jordan Bardella hat sich nie bei irgendeinem Facebook-Konto angemeldet und keine Nachricht gelöscht“, teilte die Partei mit. Sein Umfeld kündigte an, rasch eine weitere Klage wegen Verleumdung einzureichen.

Facebook-Affäre: Auffällige Parallelen zu Bardellas X-Konto

Ebenfalls am Freitagveröffentlichte Mediapart neue Recherchen. In einem Beitrag_, so_ berichtet das Online-Medium, hätten drei damalige Gesprächspartner von Jordan Bardellabei Meta ihre Kommunikation mit dem heutigen RN-Vorsitzenden abgerufen. Darin schildert Bardella persönliche Episoden, die sich auch in dem antisemitischen und verschwörungsideologischen Chat wiederfinden.

Mediapart hebt außerdem deutliche Übereinstimmungen zwischen Nachrichten aus Bardellas Facebook-Konto und Beiträgen auf seinem offiziellen X-Account hervor.

2013 tauchen Formulierungen aus dem Messenger-Chat auf mit Sätzen wie „Der Jude muss die anderen Völker beherrschen, sie zermalmen und berauben“ oder „Alle Banken gehören den Juden“, diese wurden offenbar nahezu zeitgleich auf Jordan Bardellas damaligem Twitter-Profil veröffentlicht.

Ein Beispiel: Am 12. September 2013 um 22.50 Uhr steht auf dem Twitter-Konto von Jordan Bardella der Satz „Le Conseiller Economique de François Hollande, employé par la Banque Rotschild“, gefolgt von einem Link zu einem Artikel. Dabei schreibt der junge Rechtsaußen-Aktivist den Namen der Bank dem Bericht zufolge durchgängig falsch.

Um 22.52 Uhr, also zwei Minuten später, schreibt er einem Gesprächspartner über Messenger, er habe entdeckt, dass der damalige stellvertretende Generalsekretär des Élysée (Emmanuel Macron)„Angestellter der Bank Rotschild“ gewesen sei.

Neben der zeitlichen Nähe fällt laut Mediapart auf, dass der Autor in seiner Messenger-Konversation und in seinem Tweet denselben Rechtschreibfehler macht: In beiden Fällen fehlt beim Namen der Familie Rothschild das erste „h“. Mediapart hat weitere identische Fehler in Nachrichten und Veröffentlichungen aus beiden Konten festgestellt.

Nach den ersten Enthüllungen von Mediapart hatten Verteidiger des RN die schlechte Rechtschreibung der antisemitischen Äußerungen noch als Beleg dafür präsentiert, dass ihr Urheber nicht Jordan Bardella sein könne.

Jordan Bardella weist antisemitische Äußerungen weiter zurück

„Jordan Bardella bestreitet, antisemitische Äußerungen gemacht zu haben“, bekräftigte am Donnerstag sein Anwalt Pascal Garbarini, der betont, im neuen Artikel von Mediapart gebe es„keinerlei neue Elemente“. „Es handelt sich um ein mediales Dauerfeuer, das über die Suche nach dem Gemeinwohl hinausgeht“, erklärte der Anwalt.

Seit den ersten Enthüllungen behauptet Jordan Bardella, nicht der Autor der antisemitischen Nachrichten zu sein. Am Dienstag, bei einer Pressekonferenz zum Haushalt 2027, schlug ihm ein Journalist vor, seine 2013 über Messenger geführten Gespräche selbst abzurufen, um zu belegen, dass sie nicht antisemitisch und nicht verschwörungsideologisch waren.

Der Präsident des RN erklärte daraufhin, er nutze Facebook „seit sehr langer Zeit nicht mehr“. Die Enthüllungen von Le Canard Enchaîné, wonach Jordan Bardella in den vergangenen Tagen dennoch auf die Plattform zurückgekehrt sein soll, um ein anderes Facebook-Konto zu leeren, schwächen seine Verteidigung weiter.

Diese wirkt von Tag zu Tag brüchiger, auch wenn Marine Le Pen ihm öffentlich immer wieder ihre Unterstützung ausspricht und die Abgeordneten der Partei betonen, sie freuten sich über die ausbleibenden Auswirkungen der Affäre auf die öffentliche Meinung.

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