Finden Sie uns
Werbung

Frachter mit Rotorsegeln: Deutsche Erfindung aus 20ern verändert Schifffahrt

Das neue Transportschiff von Airbus hat sechs Rotorsegel. Die Fahrt soll so emissionsärmer werden.
Das neue Transportschiff von Airbus hat sechs Rotorsegel. Die Fahrt soll so emissionsärmer werden. -  Copyright  LD Armateurs
Copyright LD Armateurs
Von Franziska Müller
Zuerst veröffentlicht am
Teilen Kommentare Euronews bei Google hinzufügen
Teilen Close Button

Die "Spirit of Toulouse" ist das erste Frachtschiff mit ganzen sechs Rotorsegeln. Diese sollen laut Hersteller den Kraftstoffverbrauch erheblich senken. Airbus will unter anderem damit seine CO2-Emissionen um die Hälfte reduzieren. Erfinden hat das Prinzip ein Deutscher Ingenieur in den 20er Jahren.

Kein anderes Schiff hatte bisher ganze sechs Rotorsegel, die weit über den Körper hinaus in die Luft ragen. Ihre Funktion: Sie sollen den Motor mit Windantrieb unterstützen und somit einen Anteil an Kraftstoff einparen. Unter günstigen Windbedingungen könnten die sechs Rotorsegel den Kraftstoffverbrauch demnach um 15 bis 20 Prozent senken.

WERBUNG
WERBUNG

Die sogenannten Flettner-Rotoren wurden Anfang der 1920er Jahre vom deutschen Ingenieur Anton Flettner entwickelt. Sie nutzen den sogenannten Magnus-Effekt aus. Das heißt, wenn Wind auf rotierende Zylinder an Deck trifft, wird er auf der einen Seite der Zylinder beschleunigt und auf der anderen Seite der Zylinder verlangsamt. Die Differenz der Windgeschwindigkeit führt dann zu einem Druckunterschied. Es entsteht eine Kraft senkrecht zum Wind, die das Schiff voranzutreibt.

Airbus hat Mitte Oktober verkündet, dass das erste Schiff seiner Flotte mit dieser Ausstattung nun bereit sei. 2023 hatte sich das Unternehmen zum Ziel gesetzt, bis zum Ende des Jahrzehnts 2030 insgesamt 50 Prozent weniger CO2-Emissionen zu verursachen.

Insgesamt sollen drei Frachtschiffe des Unternehmens LD Armateurs (LDA) die Transportaktivitäten von Airbus unterstützen und Flugzeugteile über den Atlantik transportieren.

"Die Kombination von sechs Rotorsegeln und einem Dual-Fuel-Methanol-Antrieb auf einem Schiff dieser Größenordnung ist eine Weltneuheit", sagt Samira Draoua, Geschäftsführerin von LD Armateurs. Das Unternehmen würde damit wegweisende, konkrete Lösungen für eine kohlenstoffärmere Schifffahrt verdeutlichen, erklärt Draoua weiter.

Die "Spirit of Toulouse", wie der Frachter heißt, sei weit mehr als nur ein neues Schiff. "Sie ist ein greifbarer Beweis dafür, wie die Schifffahrtsbranche ihren Wandel durch die Kombination von Innovation, operativem Know-how und starken industriellen Partnerschaften beschleunigen kann", so Draoua.

Fachleute nennen das Modell der "Spirit of Toulouse" RoRo-Schiff. RoRo steht für Roll on, Roll off im Gegensatz zu Load on, Load off (LoLo). Im ersten Fall transportieren die Frachter bewegliche Güter, im zweiten müssen diese geladen werden.

6 Rotorsegel, 2 Motoren: Eine Menge Antrieb

Die sechs Rotorsegel sind jeweils 35 Meter lang und haben einen Durchmesser von fünf Metern. Das Schiff "Spirits of Toulouse" ist nach Angaben des Herstellers außerdem mit zwei Dual-Fuel-Generatoren ausgestattet und kann mit E-Methanol, Bio-Methanol oder Schiffsdiesel betrieben werden. Die Technik für den Windantrieb stammt von der Firma Norsepower und wurde fernab der französischen Heimat von Airbus in einer Werft an der Küste in Shanghai montiert.

Windantrieb und Motorantrieb seien laut Herstellerangaben so aufeinander abgestimmt, dass der Kraftstoffverbrauch gesenkt werden kann.

"Der Abschluss der Installation von sechs Norsepower-Rotorsegeln auf der 'Spirit of Toulouse' ist ein bedeutender Meilenstein für den Windantrieb im RoRo-Segment", sagt auch Heikki Pöntyen, Geschäftsführer von Norsepower. Die "Spirits of Toulouse" solle bereits ab ihrer ersten Fahrt den Kraftstoffverbrauch und die Emissionen senken. Man sei gespannt, wie sich die Technologie auf der Transatlantikroute bewähre.

Genaue Angaben zur erwarteten Einsparung gibt es bisher nicht. Der Hersteller Norsepower gibt allerdings allgemein für seine Technologie an, dass Kraftstoffeinsparungen von fünf bis 25 Prozent möglich seien. Die Wirkung hänge allerdings auch von externen Faktoren ab, etwa den Windbedingungen, der Route und den Betriebsbedingungen.

Die "Spirit of Toulouse" soll ihre neuen Fähigkeiten direkt auf der Heimreise von China nach Frankreich unter Beweis stellen.
Die "Spirit of Toulouse" soll ihre neuen Fähigkeiten direkt auf der Heimreise von China nach Frankreich unter Beweis stellen. LD Armateurs

Mit dem Abschluss der Installation von allen sechs Segeln sollen die Probefahrten beginnen. Dabei werden die Rotorsegel laut LDA getestet, um ihre Leistungsfähigkeit und die nahtlose Integration in die Bordsysteme zu überprüfen. Auf der Fahrt von China zurück nach Frankreich soll die Feinabstimmung letztendlich vollendet werden.

Airbus will bis 2030 50 Prozent seiner Emissionen senken

Vor drei Jahren im Oktober 2023 erklärte Airbus, dass die gesamte Flotte zwischen Europa und den USA bis zum Ende des Jahrzehnts 50 Prozent weniger CO2-Emissionen verusachen solle. Die Schiffe pendeln von Saint-Nazare in Westfrankreich und der Endmontagelinie für Single-Aisle-Flugzeuge in Mobile, Alabama in den USA.

Damit ging die Erneuerung der Flotte einher, angefangen mit dem RoRo-Schiff "Spirit of Toulouse". Die durchschnittlichen jährlichen CO2-Emissionen bei Transatlantiktransporten sollen von 68.000 Tonnen auf 33 Tonnen bis 2030 gesenkt werden.

"Die Erneuerung unserer Schiffsflotte ist ein wichtiger Schritt zur Verringerung unserer Umweltbelastung", sagte Nicolas Chrétien damals, Leiter Nachhaltigkeit und Umwelt bei Airbus. Man wolle bei der Dekarbonisierung der Branche eine Vorreiterrolle einnehmen, indem man nicht nur in der Luftfahrt, sondern in allen industriellen Bereichen innovativ sei.

Mit der neuen Flotte sollen nicht nur vier, sondern sechs Teilesätze des A320-Familienflugzeugs transportiert werden können, neben mehreren Dutzend Containern. Damit verfolgt Airbus nach eigenen Angaben das Ziel, die Produktionsrate der A320-Familie auf 75 Flugzeuge pro Monat steigern zu wollen.

Immer mehr Windanlagen auf Schiffen

Neben der "Spirit of Toulouse" sollen aus der Flotte auch noch "Spirit of Mobile" und "Spirit of Mirabl" mit den Rotorsegeln ausgestattet werden. Ihre Hauptaufgabe wird die Überquerung des Atlantiks zwischen den Produktionsstätten von Airbus in Europa und Nordamerika.

Bereits seit dem Jahr 2024 arbeiten die Unternehmen LDA und Norsepower zusammen, um die Schiffe weiterzuentwickeln. Oktober 2024 wurden die Bauarbeiten auf der Werft in Angriff genommen, im Februar 2026 wurde das Vorserienschiff vorgeführt. Jetzt ist die Installation der Rotorsegel abgeschlossen, sie werden allerdings noch auf hoher See getestet.

Die Erweiterung um Windanlagen auf großen Handelsschiffen wurde in den vergangenen Jahren in den Fokus genommen.

Nach Angaben der International Windship Association (IWSA) waren im Juni 2026 bereits über 100 große Handelsschiffe mit Windantriebssystemen ausgestattet. Von einem einzigen Rotorsegeln bishin zu fünf Anlagen auf einem Schiff ist alles dabei. Im Mai 2022 waren es lediglich hingegen lediglich 21 große Schiffe. Binnen vier Jahren ist das Potenzial also um das Fünffache angestiegen.

Zu den Barrierefreiheitskürzeln springen
Teilen Kommentare Euronews bei Google hinzufügen

Zum selben Thema

Polizei ermittelt gegen Kreuzfahrtkapitän von "Mein Schiff 3"

Deal gegen Druck aus der Türkei? Zypern verhandelt über israelische Marineschiffe

Millionen-Investition: Deutschland holt Chip-Produktion nach Thüringen