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Polen Exportmacht für Grablichter: Deutschland größter Abnehmer

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Von Tomasz Lezon
Zuerst veröffentlicht am
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Polen ist Europas Exportmacht für Grablichter und Kerzen: 2025 gingen Waren für drei Milliarden Złoty ins Ausland, 16,3 Prozent des Weltexports. Deutschland nimmt seinem Nachbarland rund ein Drittel der Grablichter-Produktion ab.

Allerheiligen ist einer der wichtigsten Tage im polnischen Jahreskalender. Das Fest wird am ersten November begangen. An diesem Tag strömen Millionen Menschen auf die Friedhöfe, schmücken die Gräber ihrer Angehörigen mit Blumen und stellen Kerzen auf. Die Friedhöfe erstrahlen im Licht tausender Flammen. Der Brauch sorgt dafür, dass die Zeit rund um das Ende Oktober und den Beginn November auch die umsatzstärkste Phase für Kerzen und Blumen in Polen ist.

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Die Wochen vor Allerheiligen bedeuten nicht nur mehr Verkehr rund um die Friedhöfe. Sie markieren auch eine wichtige Saison für die polnische Wirtschaft.

Einem Bericht von Personnel Service zufolge führt Polen in Europa den Export von Grablichtern und Kerzen an. Im Jahr 2025 lag der Wert der Ausfuhr bei fast drei Milliarden Zloty (etwa 680 Millionen Euro), das entsprach 16,3 Prozent des weltweiten Exports. Damit stand Polen weltweit auf Rang drei und in Europa an der Spitze.

Exportmeister für Grablichter

Wichtigster Abnehmer ist Deutschland. Dorthin geht mehr als ein Drittel der ausgeführten Ware. Bedeutende Märkte bleiben auch die Niederlande, Belgien, Rumänien und Tschechien. Insgesamt exportierte Polen 2025 rund 263.000 Tonnen Grablichter und Kerzen.

Vom Export profitiert nicht nur die unmittelbar mit Grablichtern verbundene Branche. Polen verkauft auch künstliche Blumen in großem Stil ins Ausland. 2025 erreichte deren Ausfuhr einen Wert von 199 Millionen Zloty, das waren 65 Prozent mehr als im Vorjahr. Die größten Abnehmer waren Deutschland, Tschechien und die Slowakei.

Hinter den eindrucksvollen Zahlen steht die Arbeit von Tausenden Beschäftigten. Die Saison für Grablichter und Dekorationen beginnt deutlich früher als der Verkauf kurz vor dem ersten November. Die Produktion von Einsätzen, Glaselementen und Schmuck läuft schon im Sommer an. Im August und September stocken die Unternehmen ihre Belegschaften auf. Im Herbst benötigen dann auch Lager, Logistik und Transport zusätzliche Kräfte.

Wie Krzysztof Inglot von Personnel Service betont: "Wenn wir Kerzen und Blumen kaufen, ist die Saison in den Fabriken fast schon vorbei. Arbeitgeber der Branche beginnen bereits in den Sommerferien mit der Suche nach Personal. Polen ist Europas Nummer eins bei der Produktion von Grablichtern, doch diese Position verlangt flexible Teams, die sich schnell vergrößern oder verkleinern lassen. Ohne Saison- und Zeitarbeit könnten viele Betriebe ihre Aufträge, auch aus dem Ausland, gar nicht erfüllen."

Allerheiligen: Privatpersonen können legal hinzuverdienen

Der Bericht von Personnel Service beleuchtet auch die andere Seite der Saison: Möglichkeiten für Privatpersonen, zusätzlich Geld zu verdienen. Der Verkauf von Blumen und Grablichtern oder das Reinigen von Gräbern kann als sogenannte nicht registrierte Tätigkeit laufen, ohne dass dafür ein Unternehmen gegründet werden muss. Entscheidend ist jedoch die Einhaltung der Einnahmegrenze.

Im Jahr 2026 liegt diese Grenze bei 10 813,50 Zloty pro Quartal. Wichtig ist, dass es um den Umsatz, nicht um den Gewinn geht. Wer Waren für mehr als diesen Betrag verkauft, überschreitet den Rahmen auch dann, wenn der tatsächliche Verdienst nach Abzug der Kosten deutlich niedriger ausfällt.

"Wer frühzeitig bei Produzenten oder im Großhandel einkauft und einen guten Standplatz am Friedhof findet, kann in wenigen Tagen mehr verdienen als in einem Monat im Angestelltenjob. Eine Chrysantheme, die beim Erzeuger 15-30 Zloty kostet, ist direkt am Friedhofstor oft doppelt so teuer. Ähnlich sieht es bei Grablichtern und Einsätzen aus. Man muss jedoch im Kopf behalten, dass die Grenze von 10 813,50 Zloty den Umsatz betrifft, nicht den Gewinn. Läuft der Verkauf gut, ist sie nach ein paar Tagen erreicht, und dann führt kein Weg an einer Gewerbeanmeldung vorbei", erklärt Krzysztof Inglot von Personnel Service.

Gräber reinigen: Ein lukrativer Nebenverdienst

Eine der beliebtesten Möglichkeiten, vor Allerheiligen dazuzuverdienen, ist das Säubern und Herrichten von Gräbern. Die Preise für solche Dienste schwanken stark – je nach Friedhofslage, Grabart und Umfang der Arbeiten.

Für die Reinigung eines Einzelgrabes zahlen Angehörige in der Regel zwischen 80 und 200 Zloty. In der Region Pommern beginnen die Preise bei rund 80 Zloty. Die Pflege eines Doppelgrabes kostet dort etwa 110-150 Zloty, ein Familiengrab kann auf rund 190 Zloty kommen.

In den größten Städten ist es noch teurer. In Warschau und Krakau kostet die umfassende Vorbereitung eines Einzelgrabes etwa 149-249 Zloty. Einige Dienstleister rechnen stundenweise ab und verlangen rund 100-150 Zloty pro Stunde. Aufwendige Arbeiten wie gründliche Steinreinigung und Imprägnierung schlagen mit 250-350 Zloty zu Buche, bei Gräbern aus Terrazzo können es sogar 350-450 Zloty sein.

Vor den Friedhöfen: Hochbetrieb im Handel

Die zweite wichtige Einnahmequelle ist der Straßenhandel. In den Tagen vor dem ersten November verkaufen sich vor allem Chrysanthemen, Grablichter und Einsätze. Viele Besucher kaufen außerdem Gestecke, Streichhölzer oder Feuerzeuge.

Das Geschäftsmodell ist einfach: Händler kaufen die Ware frühzeitig ein, möglichst direkt beim Produzenten oder im Großhandel, und verkaufen sie mit Aufschlag an den besten Standorten. Besonders deutlich wird das bei Chrysanthemen. Beim Erzeuger liegt der Preis bei etwa 15-30 Zloty pro Stück, am Friedhof kann dieselbe Pflanze 30-70 Zloty kosten.

Ein Beispiel: Wer 100 Chrysanthemen einkauft und jede davon mit einem Aufschlag von 20 zł weiterverkauft, erzielt rund 2.000 Zloty Differenz zwischen Einkaufs- und Verkaufspreis. Allerdings handelt es sich um Bruttoeinnahmen aus dem Handel. Wie hoch der tatsächliche Gewinn ausfällt, hängt unter anderem von Einkaufs- und Transportkosten, Standgebühren und möglichen unverkäuflichen Restbeständen ab.

Grablicht-Saison bringt großes Geschäft und viele Nebenverdienste

Der Bericht von Personnel Service macht deutlich, dass rund um Allerheiligen ein weit größerer Markt entstanden ist, als viele vermuten. Auf der einen Seite steht eine leistungsfähige Industrie, die nicht nur den heimischen Markt, sondern Kundinnen und Kunden in ganz Europa beliefert. Auf der anderen Seite gibt es Hunderte lokale Dienstleistungen und saisonale Tätigkeiten, mit denen Menschen kurz vor dem ersten November zusätzlich Geld verdienen.

Die Saison zeigt auch, wie stark zeitlich begrenzte Nachfrage den Arbeitsmarkt beeinflusst. Unternehmen suchen schon mehrere Monate vor dem Feiertag zusätzliche Kräfte. Je näher der erste November rückt, desto größer wird der Bedarf an Lagerarbeiterinnen und Lagerarbeitern, Fahrerinnen und Fahrern, Verkäuferinnen und Verkäufern sowie Mitarbeitenden im Kundenservice.

Für Menschen, die nach einer zusätzlichen Einnahmequelle suchen, ist Allerheiligen daher nicht nur eine Phase höherer Ausgaben. Der Feiertag bietet auch Chancen auf Extra-Einkommen. Besonders großes Potenzial haben Dienstleistungen, der Verkauf von Blumen und Grablichtern sowie Arbeiten rund um die Vorbereitung der Gräber. Wer ohne eigenes Unternehmen tätig ist, sollte jedoch die Grenzen der nicht registrierten Tätigkeit genau im Blick behalten. Werden sie überschritten, kommen zusätzliche Formalitäten auf die Betroffenen zu.

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