Deutschlands Digitalminister sieht seine Mission darin, "Tacheles umzusetzen". Bei der künstlichen Intelligenz will Karsten Wildberger die Menschen mitnehmen.
"Deutschland wird bei KI nicht zuschauen, sondern vorne mitspielen. Bis 2030 werden wir KI-Nation: selbstbestimmt, sicher und nach unseren Regeln. Dafür steht der Digital-Gipfel." Das schreibt der Bundeskanzler in den sozialen Medien. Schon am ersten Tag des Treffens in Berlin hatte Friedrich Merz eine Rede zu Deutschlands Position im Bereich High-Tech gehalten. An Tag 2 machen sich die beiden Moderatoren auch wenig darüber lustig, dass auf dem Gipfel fast nur auf Englisch gesprochen wurde.
"Wir müssen viel schneller werden, aber die Menschen mitnehmen"
An diesem Dienstag erklärte Digitalminister Karsten Wildberger - auf Deutsch - die Ziele der Bundesregierung für Deutschland. Der 57-jährige studierte Physiker ist seit Mai 2025 im Amt. Das Credo des ehemaligen Unternehmensberaters lautet, Deutschland dürfe den Anschluss an die führenden KI-Entwickler in den USA und China nicht verlieren. Auf diesem Weg will Wildberger die Zusammenarbeit mit Frankreich und Kanada ausbauen.
"Wir werden nie komplett unabhängig sein", das liege auch an der internationalten Zusammenarbeit, sagte der Minister bei der Vorstellung der Taskforce. Seine Rede wurde im Livestream übertragen, während vor Ort viele Stühle leer blieben.
Wildberger sprach von sozialen Aspekten der KI. Vertrauen sei zur Zeit knapp, und es gelte, dieses nicht zu verspielen. "Geschwindigkeit ist das Gebot der Stunde, aber wir müssen die Menschen mitnehmen und wir müssen anderen mehr zutrauen."
Der Digitalminister sieht seine Mission darin, "Tacheles umzusetzen". Es gehe nicht um brillantes Reden, sondern um die "execution", die Umsetzung. Es sei kein leichter Weg, die Umsetzung sei hart. Und Wildberger stellte die Frage: "Haben wir überhaupt noch eine Chance?" Dabei sei Team NEIN ein großes Team, das nicht liefern müsse.
Er dagegen sei Team JA. "Deutschland braucht Team JA. Vielleicht ist das Ziel nicht immer das Ziel, sondern der Weg." Es gebe viele ungelöste Fragen, aber "wir haben die Kapazität, es zu gestalten".
Es müssten Talente, Fachkräfte nach Deutschland geholt werden. Die Rechenzentren sollten mit Grünstrom betrieben werden.
90 Prozent aller Behörden des Bundes sollen bis 2030 mindestens eine relevante KI-Anwendung für Kernaufgaben nutzen. Wildberger möchte, dass auch alle Ministerien Lösungen mit künstlicher Intelligenz anbieten.
Mehr Unabhängigkeit von USA und China?
Im Oktober hatte der CDU-Chef auch beim "Invest in Germany"-Gipfel den Akzent auf künstliche Intelligenz und das Treffen mit Nvidia-Boss Jensen Huang gelegt.
Fast 80 Prozent der digitalen Infrastruktur und Technologie in Europa stammen derzeit von Anbietern außerhalb der EU. Dabei wünschen sich die allermeisten Menschen laut Umfrage mehr europäische Unabhängigkeit von den Branchenriesen. Der digitale Markt - auch in Deutschland - wird beherrscht von US-Konzernen wie Google, Microsoft und Apple, es folgen chinesische Großunternehmen wie Alibaba und ByteDance, der Eigentümer von TikTok.
Wie das Digitalministerium versucht, junge Leute einzubinden
Junge Leute zwischen 18 und 27 Jahren können sich beim Digitalministerium um eine einjährige Fellowship bewerben, um "die digitale Zukunft über nationale Grenzen hinweg mitzugestalten" und "ihre Perspektiven in die internationale Digitalpolitik einzubringen". Allerdings bedeutet diese Fellowship nur, dass die ausgewählten Kandidaten 2027 an mehreren Workshops, Seminaren und internationalen Konferenzen teilnehmen und dafür Reisekosten, Teilnahmegebühren und eine Tagespauschale erstattet bekommen.