Die neue serbische Führung sei ebenso wenig bereit, Kosovo anzuerkennen wie ihre Vorgänger, sagt Edi Rama. Der albanische Regierungschef fordert von Belgrad stattdessen klare Schritte Richtung EU.
Ein Machtwechsel in Serbien wird Belgrads Widerstand gegen eine Anerkennung Kosovos voraussichtlich nicht abmildern. Das sagte Albaniens Ministerpräsident Edi Rama beim Euronews Enlargement Summit in Brüssel. Die Haltung Serbiens bleibe eines der größten Hindernisse auf dem Weg des Landes in die Europäische Union.
Rama bezog sich auf die "Studentenliste", die die jüngste Wahl in Serbien gewonnen habe. Auch diese Bewegung sei nicht bereit, über Kosovo zu sprechen – ein Thema, das er als das "liebste Thema" der Albaner bezeichnete.
"Sie sind einer Anerkennung Kosovos völlig verschlossen. Das heißt, die Musik in Belgrad wird sich nicht ändern", sagte Rama.
Kosovo hatte sich 2008 von Serbien unabhängig erklärt und beantragte 2022 die Aufnahme von EU-Beitrittsverhandlungen. Die serbische Studentenbewegung betrachtet Kosovo wie nahezu alle politischen Kräfte des Landes als "unveräußerlichen Teil der Republik Serbien" und lehnt eine Anerkennung der Unabhängigkeit ab.
Der Konflikt bleibt damit ein zentrales Hindernis für Serbiens EU-Beitritt. Die Europäische Union fordert seit Langem eine Normalisierung der Beziehungen zwischen Belgrad und Pristina. Sie gilt als entscheidender Schritt zur Entspannung in der Region.
Rama kritisierte zudem, dass Serbien sich nur zögerlich an andere EU-Positionen anpasse – insbesondere an die Sanktionen gegen Russland.
"Wir brauchen Serbien an unserer Seite, als Teil einer Nachbarschaft, die vollständig zur EU gehören sollte. Aber Serbien muss sich diese Zugehörigkeit verdienen, indem es ausnahmslos liefert, was nicht verhandelbar ist", sagte der albanische Ministerpräsident.
Ramas Blick auf Albaniens EU-Kurs
Mit Blick auf Albaniens eigenen Beitrittsprozess nannte Rama kein Datum für eine mögliche Mitgliedschaft. Er bekräftigte jedoch sein Ziel, die Verhandlungen bis Ende 2027 abzuschließen.
Albanien ist seit 2014 Beitrittskandidat. Die offiziellen Beitrittsverhandlungen begannen im Juli 2022.
"Ich habe gesehen, wie die EU ihre Versprechen nicht einhält. Ich habe auch gesehen, wie die EU weit mehr liefert, als man erwartet. Mit der EU weiß man also nie, woran man ist", sagte Rama.
Er verteidigte die EU-Erweiterung als leistungsorientierten Prozess und räumte ein, dass Albanien vor weiteren Herausforderungen stehe. Zugleich forderte er einen "Helmut-Kohl-Moment" für die Erweiterung – in Anspielung auf den ehemaligen Kanzler, der die deutsche Wiedervereinigung maßgeblich vorangetrieben hatte.
"Europa muss alle an einen Tisch holen, als Teil derselben Familie", sagte Rama.
Kritik an Zögerlichkeit der EU
Rama hatte sich zuvor bereits für eine teilweise Integration der Kandidatenländer als Zwischenschritt ausgesprochen. Er verglich die westlichen Balkanländer mit den Kindern von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, die "am Tisch bleiben" müssten.
"Wenn du die Kinder im Viertel herumlaufen lässt, kommt deine Tochter nicht mehr nach Hause, weil sie sich in einen russischen Gangster verliebt hat. Und dein Sohn, weil er lieber mit chinesischem Spielzeug spielt", sagte Rama und führte die Metapher weiter aus.
Auch das Vereinigte Königreich nahm er ins Visier. Rund ein Jahrzehnt nach dem Brexit-Referendum bemüht sich London darum, seine Beziehungen zur EU neu zu ordnen.
"Die Briten sollten jetzt erst einmal warten, denn wir haben lange genug auf sie gewartet. Sie stehen also hinter Montenegro und Albanien", sagte Rama.