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China dominiert saubere Industrie: Europa fällt zurück

Monteure hieven am 30. April 2026 in Manila auf das Dach eines Wohnhauses ein Solarpanel.
Arbeiter bringen am 30. April 2026 in Manila, Philippinen, ein Solarpanel auf das Dach eines Wohnhauses. -  Copyright  AP Photo/Anton L. Delgado
Copyright AP Photo/Anton L. Delgado
Von Craig Saueurs
Zuerst veröffentlicht am •Zuletzt aktualisiert
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China gewann im vergangenen Jahr 23 von weltweit 36 großen Projekten für saubere Industrie. Sogar Schwellenländer überholten dabei Europa und die USA.

Trotz jahrelanger Investitionen, neuer Politiken und Klimaversprechen liegt Europa im Rennen um die saubere Industrie zurück.

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Nach neuen Untersuchungen der Mission Possible Partnership (MPP), einer Non-Profit-Organisation, die emissionsintensive Branchen dekarbonisieren will, erhalten China und immer mehr Entwicklungsländer mehr Finanzierungen für saubere Industrieprojekte als westliche Staaten, darunter die EU und die USA.

Chinas Dominanz geht über neue Investitionen hinaus. Im Land stehen 49 Prozent aller sauberen Industrieanlagen, die weltweit bereits in Betrieb sind oder sich im Bau befinden.

Diese Investitionen beeinflussen nicht nur die Emissionen. Sie können entscheiden, wo Fabriken und Arbeitsplätze entstehen, wer Treibstoffe produziert und liefert und wie sich das globale Machtgefüge verschiebt.

China dominiert Investitionen in saubere Industrie

Im vergangenen Jahr erhielten nach Angaben der MPP weltweit 36 große Projekte der sauberen Industrie die nötige Finanzierung, um in die Umsetzung zu gehen. Auf China entfielen 23 dieser Projekte mit einem Gesamtwert von mehr als 40 Milliarden Euro.

MPP führt Chinas schnellen Ausbau der sauberen Industrie auf jahrelange unterstützende Politik, den Ausbau erneuerbarer Energien und die wachsende Nachfrage nach alternativen Treibstoffen zurück.

So verfügt China heute über mehr als 90 Prozent der globalen Kapazität zur Produktion von Methanol mit geringeren Emissionen, einem Treibstoff, der aus Biomasse oder erneuerbarem Wasserstoff statt aus fossilen Brennstoffen hergestellt werden kann.

China stellt außerdem mehr als 40 Prozent der weltweiten Kapazität für eine klimafreundlichere Aluminiumproduktion. Dabei kommt Strom mit niedrigen Emissionen statt fossilen Brennstoffen zum Einsatz.

Chinas Fußabdruck zeigt sich zunehmend auch im Ausland.

Im August 2025 nahm in Laos der größte Windpark Südostasiens den Betrieb auf. Das von einem thailändischen Konsortium geführte Monsoon-Wind-Projekt nutzt 133 Turbinen aus chinesischer Produktion, um die Industrie in Vietnam mit Strom zu versorgen.

Je mehr Länder ihre Importe fossiler Brennstoffe senken wollen, desto wichtiger wird China als Lieferant sauberer Technologien, sagt Belinda Schäpe vom Centre for Research on Energy and Clean Air (CREA).

„Das schafft erhebliche wirtschaftliche Chancen für China und kann seinen geopolitischen Einfluss stärken, insbesondere in Schwellenländern.“

Der „industrielle Sonnenstreifen“ wächst rasant

China ist nicht die einzige Volkswirtschaft, die in der sauberen Industrie aufholt. In Afrika, Asien und Lateinamerika ziehen Länder im von MPP so bezeichneten „industriellen Sonnenstreifen“ Investitionen an, weil sie über reichlich erneuerbare Ressourcen verfügen.

Im vergangenen Jahr sicherten sich sechs weitere Projekte in Schwellenländern Investitionen in Höhe von 4,7 Milliarden Euro. Das übertrifft die 4,3 Milliarden Euro an Vereinbarungen in Industriestaaten.

Kenia entwickelt zum Beispiel Afrikas erste mit Geothermie betriebene Anlage für grünen Dünger. Die im Rift Valley gelegene Fabrik soll jährlich zwischen 200.000 und 300.000 Tonnen Dünger produzieren, den Großteil für Bauern im eigenen Land. Auch Paraguay hat eine Finanzierung für eine klimafreundlichere Düngemittelanlage gesichert.

In Südafrika unterstützen Investoren das weltweit zweite kommerzielle Projekt, das synthetisches nachhaltiges Flugbenzin (SAF) aus aufgefangenem Kohlendioxid und erneuerbarem Strom herstellt.

Laut MPP-Bericht befinden sich außerdem 281 weitere Projekte in Schwellenländern in der Entwicklung.

„In diesem Jahr hat der neue industrielle Sonnenstreifen Europa erstmals überholt und aus Plänen für saubere Industrie finanzierte Anlagen gemacht“, sagt MPP-Chefin Faustine Delasalle.

„Von geothermiegetriebenem Dünger in Kenia bis zu nachhaltigem Flugtreibstoff in Brasilien, Länder mit vielen erneuerbaren Energien verwandeln ihre natürlichen Vorteile in Fabriken, Jobs und Einnahmen.“

Kann Europa im Rennen um die saubere Industrie aufholen?

Die EU liegt zwar zurück, versucht aber aufzuschließen.

Im Februar 2025 startete der Block seinen Clean Industrial Deal. Er soll mehr als 100 Milliarden Euro mobilisieren, um die Produktion sauberer Technologien in Europa zu stärken, Energiekosten zu senken und Branchen wie Stahl und Chemie beim Senken ihrer Treibhausgasemissionen zu unterstützen.

Derzeit beraten EU-Gesetzgeber über den Industrial Accelerator Act (Quelle auf Englisch). Er soll Genehmigungen für neue Fabriken beschleunigen und die Nachfrage nach in Europa produzierten, CO₂-ärmeren Produkten ankurbeln.

Europäische Politik hat auch Investitionen in SAF angestoßen. Im vergangenen Jahr entfiel jeder dritte Investitionsentscheid in der sauberen Industrie auf dieses Flugbenzin. Seit 2025 müssen Treibstofflieferanten an EU-Flughäfen mindestens zwei Prozent SAF (Quelle auf Englisch) in den von ihnen gelieferten Flugtreibstoff mischen.

„Europa und die USA haben weiterhin erhebliche industrielle und technologische Stärken“, sagt Schäpe.

Europa kann laut einem aktuellen Ember-Bericht bereits etwa doppelt so viele E-Autos und Windräder herstellen, wie es jährlich benötigt, und fast dreimal so viele Wärmepumpen. China exportiert zwar insgesamt mehr E-Autos, doch der kombinierte Wert der Ausfuhren anderer Länder, insbesondere Deutschlands, ist viel stärker gestiegen als der chinesische, so die jüngste Auswertung von CREA (Quelle auf Englisch).

Dennoch bleibt die Finanzierung solcher Produkte und Projekte weltweit ein großes Hindernis.

MPP verfolgt mehr als 800 vorgeschlagene Projekte der sauberen Industrie mit einem potenziellen Investitionsvolumen von rund 4,3 Billionen Euro, die bisher keine Finanzierung erhalten haben. Gründe sind oft unklare Vorgaben oder Kunden, die langfristige Abnahmeverträge scheuen.

„Die Herausforderung liegt jetzt in Größe und Tempo“, sagt Delasalle. „Wir haben in den vergangenen zwölf Monaten eine Rekordzahl an endgültigen Investitionsentscheidungen gesehen, doch wir müssen von einigen Dutzend auf Hunderte finanzierte Fabriken pro Jahr kommen.“

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