Seit Juli 2019 kreuzt das Schiff „Typhoon“ in griechischen Gewässern. Eine zwanzigköpfige Reinigungstruppe fährt mit Schnellbooten zu den Küsten und bringt den Müll zum Schiff zurück, wo man ihn erfasst, sortiert und recycelt.
Zwischen 500 Kilogramm und einer Tonne Abfall pro Tag. Jeden Tag. Diese Zahl wirkt übertrieben, doch genau mit dieser Realität muss das Reinigungsteam des „Typhoon Project“. (Quelle auf Griechisch)
Sie fahren zu schwer zugänglichen Küsten, kleinen Inselchen und griechischen Inseln, die jedes Jahr Zehntausende Besucher anziehen. In den meisten Fällen handelt es sich nicht um Müll, den Badegäste am Strand zurücklassen, sondern um Abfälle, die Meeresströmungen anspülen.
So landete eine Bierdose, auf der auf Spanisch für eine Fußball-WM der 1990er-Jahre geworben wird, auf der Insel „Patroklos“. Sie liegt im Saronischen Golf, etwa 65 Seemeilen von Athen entfernt.
Das Programm startete im Juli 2019 und ist eine Initiative der gemeinnützigen Stiftung „Athanasios K. Laskaridis“. (Quelle auf Griechisch) Bis Februar 2023 hatte das Team den ersten Reinigungszyklus der Inselküsten und eines großen Teils der Festlandsküste abgeschlossen.
„Jeden Tag, 365 Tage im Jahr, lassen wir fünf Schlauchboote vom Typhoon zu Wasser. Es ist ein modernes Schiff norwegischer Bauart und 72 Meter lang. Unser Team besteht aus zwanzig Reinigungskräften, die unzugängliche Küsten säubern, die keinen Anschluss an das Straßennetz haben oder an denen es keine organisierte touristische Infrastruktur gibt. Diese Küsten ließen sich sonst überhaupt nicht reinigen“, sagt Thanasis Besios, Manager des Typhoon Project.
Die an den Küsten eingesammelten Abfälle bringen sie an Bord des Schiffes. Doch damit endet ihre Arbeit nicht. Neben dem Transport des Mülls, der in geeigneten Anlagen recycelt wird, gibt es auch den Teil der Dokumentation und Datenanalyse, der genauso wichtig ist.
„Ein Teil des Projekts ist das Einsammeln der Abfälle, der zweite Teil ist das Sammeln der Daten. Wir erfassen alle Abfälle sehr genau. Wir wissen genau, welche Menge es ist, wie viele Kilogramm und wie viele Stücke von jedem Strand. Im Moment verfügen wir über die größte Datenbank zur Meeresverschmutzung im Mittelmeerraum und bauen sie jeden Tag weiter aus. Wir haben mehr als 10.000 vollständig durchgeführte Reinigungen“ sagte Thanasis Besios, Manager des Typhoon Project, gegenüber euronews.
Die gemeinnützige Stiftung „Athanasios K. Laskaridis“ hat vor etwa 9 Jahren ihre Tätigkeit aufgenommen und konzentriert sich auf drei Hauptbereiche: den Schutz der Umwelt und vor allem des Meeres, die Unterstützung der Kleinunternehmer und Spenden an Dritte für das Gemeinwohl.
Nach 7 Jahren Arbeit in den griechischen Gewässern fällt die Bilanz des Typhoon Project beeindruckend, aber auch ernüchternd aus.
„Mit dem Typhoon haben wir mehr als 1.140 Tonnen Abfall gesammelt. Um sich das bildlich vorzustellen, wir sprechen von 22 Schwimmbecken in olympischen Ausmaßen oder etwa 1.160 großen Containern“, erläutert Pegky Xirotagarou, Exekutivdirektorin der gemeinnützigen Stiftung „Athanasios K. Laskaridis“.
Doch die Verschmutzung betrifft nicht nur das Meer. Im ganzen Land gibt es noch immer unkontrollierte, illegale Deponien.
„Als wir uns die Abfälle ansahen, die wir an den Küsten fanden, erkannten wir, dass ein großer Teil aus dem Hinterland stammt. Deshalb haben wir 2024 ein neues Programm geschaffen. Wir nannten es ‚Κυκλώνας‘. (Quelle auf Griechisch)Es handelt sich um groß angelegte Reinigungsaktionen an Seen, Flüssen und archäologischen Stätten. Wir haben drei große Teams an verschiedenen Orten in Griechenland aufgebaut, die jeden Tag mehr als 1.000 Kilogramm Abfall einsammeln“ , so Pegky Xirotagarou.
Das Typhoon Project arbeitet mit dem Labor für Meeresgeologie und physikalische Ozeanografie (Quelle auf Griechisch) des Fachbereichs Geologie der Universität Patras zusammen, um benthische Abfälle im Saronischen und im Thermaischen Golf zu untersuchen. Zudem kooperiert es mit der Forschungsgruppe für maritime Fernerkundung der Universität der Ägäis (Quelle auf Griechisch), um Plastik mithilfe moderner Technologie aufzuspüren und zu kartieren.
Außerdem organisiert das Typhoon Project Aktionen mit den Schulen der Inseln, die es besucht.
„An jedem Ort, den wir besuchen, verfolgen wir einen ganzheitlichen Ansatz. Unsere Arbeit erschöpft sich nicht im Reinigen. Wir haben Bildungsprogramme entwickelt, die wir vor Ort umsetzen. Deshalb holen wir an jedem Ort die Schulen mit ins Boot. Wir gehen in die Klassenräume und nehmen die Kinder mit an die Strände, damit sie sensibilisiert werden. Denn das ist das eigentliche Ziel. Sie sollen verantwortungsbewusste Bürger werden und diese maßlose Nutzung von Einwegplastik beenden“, erklärte gegenüber euronews Pegky Xirotagarou, Exekutivdirektorin der gemeinnützigen Stiftung „Athanasios K. Laskaridis“.