Ein Versuchsfeld, das seit fast 150 Jahren bewirtschaftet wird: An der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg wird seit dem späten 19. Jahrhundert jährlich Winterroggen angebaut - immer auf derselben Fläche. So erfahren Generationen von Wissenschaftlern mehr über das Getreide.
Auf einer rund 6.000 Quadratmeter großen Fläche wird in Halle an der Saale seit Herbst 1878 jedes Jahr Winterroggen angebaut. Der Dauerfeldversuch „Ewiger Roggenanbau“ hat eine besondere wissenschaftsgeschichtliche, kulturelle und naturwissenschaftliche Bedeutung. Das Versuchsfeld ist seit dem Jahr 2007 als Kulturdenkmal geschützt.
Langzeitvergleich: Wie wirkt welcher Dünger?
Im Mittelpunkt des Versuchs stehen die langfristigen Auswirkungen unterschiedlicher Formen der Düngung auf Pflanzen und Böden, wie die Universtität auf ihrer Internetseite schreibt. Dafür werden verschiedene Systeme des Nährstoff- und Humusersatzes miteinander verglichen.
Die Versuchsreihen auf den Parzellen des Feldes reichen von der Düngung mit Stallmist über eine mineralische Volldüngung bis hin zum vollständigen Verzicht auf Dünger. Bei dieser letzten Variante wird der Boden ohne jeglichen Nährstoffersatz bewirtschaftet.
Durch den langfristigen Vergleich können die Auswirkungen der unterschiedlichen Bewirtschaftungsformen auf die angebauten Pflanzen und den Boden untersucht werden. Als erster legte laut Universität der Agrarwissenschaftler Julius Kühn (1825-1910) hier ein Versuchsfeld an, und begründete somit den "Ewigen Roggen."
Auch Mais und Kartoffeln im Dauerversuch
Obwohl der Name den ausschließlichen Anbau von Roggen vermuten lässt, wird inzwischen nicht mehr die gesamte Fläche mit Winterroggen bestellt.
Seit den 1960er-Jahren wird ein Drittel der Fläche unter gleichen Versuchsbedingungen mit Mais bewirtschaftet. Ein weiteres Drittel dient dem Anbau in einer Fruchtfolge aus Kartoffeln und Roggen.
Bodenproben dokumentieren die Entwicklung
Ein wichtiger Bestandteil des Forschungsprojekts ist die Archivierung von Bodenproben. Seit dem Jahr 1949 werden regelmäßig Proben entnommen und als sogenannte Rückstellproben aufbewahrt. Sie ermöglichen langfristige Untersuchungen der Bodenentwicklung.
Die Proben werden im Wohltmann-Schuppen archiviert. Das Gebäude stammt aus dem Jahr 1910 und dient hauptsächlich der Aufbewahrung von Bodenproben zur Langzeitarchivierung sowie von Pflanzenmaterial, das bis zu fünf Jahre gelagert werden kann. Vor der weiteren Untersuchung werden Boden-, Saat- und Erntegut modern aufbereitet. Dadurch entsteht ein definiertes Ausgangsmaterial für chemische und physikalische Analysen.
Forschung auch in universitätseigenen Laboren
Ein Großteil der chemischen Untersuchungen kann in den Laboren der Universität durchgeführt werden. Für weitere Analysen stehen die archivierten Proben auch Speziallaboren zur Verfügung.
Die Bodenproben des „Ewigen Roggenanbaus“ werden derzeit zwar noch im Wohltmann-Schuppen aufbewahrt. Mittelfristig ist ein Umzug in besser geeignete Räumlichkeiten geplant. Die wissenschaftliche Infrastruktur rund um das Dauerexperiment ist über die Jahrzehnte moderner geworden. In Halle liegen die Aufzeichnung mittlerweile komplett digitialisiert vor.
Der Dauerfeldversuch bleibt ein bedeutender Bestandteil der wissenschaftlichen Arbeit an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Seine seit fast 150 Jahren gesammelten Proben und Untersuchungsergebnisse bilden die Grundlage für die Erforschung langfristiger Auswirkungen unterschiedlicher landwirtschaftlicher Bewirtschaftungsformen.
Laut Mitteldeutschem Rundfunk ist der Roggenanbau der "älteste laufende Dauerfeldversuch Deutschlands und der zweitälteste der Welt." Nur Broadbalk im englischen Rothamsted sei noch älter.