Newsletter Newsletters Events Veranstaltungen Podcasts Videos Africanews
Loader
Finden Sie uns
Werbung

Irans Angriffe gefährden US-Wachstum und dämpfen Hoffnung auf sinkende Inflation

ARCHIV: Notenbankchef Jerome Powell hört zu, als Präsident Donald Trump am Donnerstag, 24. Juli 2025, die US-Notenbank in Washington besucht. (
ARCHIV - Notenbankchef Jerome Powell hört zu, als US-Präsident Donald Trump am Donnerstag, 24. Juli 2025, die Federal Reserve in Washington besucht. ( Copyright  AP Photo/Julia Demaree Nikhinson, File
Copyright AP Photo/Julia Demaree Nikhinson, File
Von Doloresz Katanich mit AP
Zuerst veröffentlicht am
Teilen Kommentare
Teilen Close Button

US- und israelische Angriffe auf den Iran treiben den Ölpreis hoch. Für die US-Wirtschaft bedeutet das zusätzliche Unsicherheit bei zäher Inflation und schwachem Jobmarkt.

Ein sich ausweitender Konflikt mit Beteiligung Irans hat der Perspektive auf die von US-Präsident Donald Trump vor einer Woche noch als „größte Wirtschaft aller Zeiten“ bezeichnete US-Konjunktur einen heftigen Dämpfer versetzt.

WERBUNG
WERBUNG

Der Ölpreis ist auf den höchsten Stand seit einem Jahr gesprungen, und die Aktien-Futures sind am Dienstag unter Druck geraten. Die Sorge wächst, dass sich der Konflikt im Nahen Osten ausweitet.

Ökonominnen und Ökonomen mahnen jedoch zur Vorsicht. Die Folgen für die Gesamtwirtschaft hängen stark von Dauer und Intensität der Auseinandersetzung ab.

Ein kurzer Schlagabtausch würde demnach nur begrenzte und vorübergehende Spuren hinterlassen. Ein längerer Konflikt könnte deutlich mehr Schaden anrichten.

Im Zentrum der Sorgen stehen die rund vierzehn bis fünfzehn Millionen Barrel Rohöl und etwa ein Fünftel der weltweiten LNG-Lieferungen, die aus dem Golf kommen.

Nach Einschätzung von Fachleuten verfügt die Welt kurzfristig über genügend Öl. Iran, Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate und der Irak haben große Mengen bereits vor den US-amerikanischen und israelischen Angriffen aus dem Golf herausgebracht.

Am Dienstag lag der Preis für die US-Referenzsorte mehr als 6,7 Prozent im Plus bei 76 US-Dollar je Barrel.

Brent, der internationale Referenzwert, verteuerte sich um mehr als 7,2 Prozent auf über 83 US-Dollar je Barrel zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.

Auf diesem Niveau dürfte der Effekt auf die Gesamtinflation moderat bleiben. Die Ausschläge fallen deutlich geringer aus als nach dem russischen Einmarsch in die Ukraine im Jahr 2022.

„Preisbewusste Amerikanerinnen und Amerikaner werden diesen Anstieg nicht einfach hinnehmen, doch ein solches Plus dürfte das Wirtschaftswachstum nicht wesentlich bremsen“, sagte Joe Brusuelas, Chefökonom des Beratungsunternehmens RSM, der Nachrichtenagentur AP.

Eine anhaltende Störung – insbesondere, wenn sie die Straße von Hormus trifft, durch die rund ein Viertel des weltweiten Ölangebots transportiert wird – könnte den Ölpreis allerdings über 100 US-Dollar je Barrel treiben. Die US-Benzinpreise, derzeit im Schnitt knapp unter drei Dollar je Gallone, könnten nach Schätzung von Volkswirtinnen und Volkswirten in Richtung drei Dollar fünfzig steigen.

Das würde die Inflation direkt anheizen und zugleich den Konsum und das Wachstum der Wirtschaft belasten.

Alex Jacquez, Politik- und Kampagnenchef des Thinktanks Groundwork Collaborative, warnt, die Märkte unterschätzten womöglich das Risiko eines längeren Einsatzes. „Es gibt hier ein Restrisiko einer über längere Zeit laufenden Operation, die nicht rasch endet und die normalen Ströme durch die Straße von Hormus nicht schnell wiederherstellt“, sagte er.

Inflationsdruck hält an

Die Inflation hat sich von ihrem Höchststand nach der Pandemie zwar deutlich abgeschwächt, bleibt aber erhöht. Das bevorzugte Inflationsmaß der US-Notenbank lag einen Großteil des vergangenen Jahres bei rund drei Prozent und damit über dem Zielwert von zwei Prozent, obwohl die Benzinpreise über weite Strecken des Jahres 2025 nachgaben.

Ein erneuter Anstieg der Energiekosten hätte Folgewirkungen. Fluggesellschaften könnten wegen teurerem Kerosin die Ticketpreise erhöhen. Auch die Transportkosten im Handel dürften steigen und so den Druck auf die Lebensmittelpreise verstärken.

Auch die Erdgaspreise zogen am Montag an. Auslöser waren Sorgen über mögliche Lieferunterbrechungen im Golf, durch die Straße von Hormus läuft etwa ein Fünftel der weltweiten Lieferungen von verflüssigtem Erdgas.

Bereits im vergangenen Jahr waren die Erdgaspreise um rund zehn Prozent gestiegen. Ein Grund ist die höhere Nachfrage von Rechenzentren, die Systeme mit künstlicher Intelligenz betreiben.

Dennoch ist die US-Wirtschaft heute weniger ölintensiv als noch vor einigen Jahrzehnten. Dienstleistungen machen inzwischen einen deutlich größeren Teil von Wirtschaftsleistung und Beschäftigung aus als die Industrie. Dadurch reagiert die Wirtschaft weniger empfindlich auf Ölschocks.

Auch Lagerbestände können den Aufprall abfedern.

Rory Johnston, Gründer des Analysehauses Commodity Context, verweist darauf, dass die weltweiten Ölreserven vor Ausbruch des Konflikts relativ hoch waren. Das unterscheide die Lage von Anfang 2022, als die Lieferketten bereits angespannt waren, bevor der russische Angriff auf die Ukraine die Preise in die Höhe trieb.

Der Preissprung vom Montag sei im Vergleich zu diesem früheren Schock „moderat“ gewesen, sagte er.

Vertrauen steht auf dem Spiel

Zieht sich der Krieg mit Iran über Monate hin, könnte dies auch das Vertrauen der Unternehmen erschüttern. Firmen würden Investitionen und Neueinstellungen dann eher zurückfahren, sagt Kathy Bostjancic, Chefvolkswirtin bei Nationwide Financial.

„Wenn neue Unsicherheit in das geschäftliche Umfeld kommt, ist das ein Schlag für das Vertrauen“, sagte sie.

Die Folgen könnten denen von Trumps Zöllen ähneln. Diese trieben die Preise weniger stark nach oben, als viele Ökonominnen und Ökonomen befürchtet hatten, scheinen aber die Beschäftigungszuwächse gedämpft zu haben. Die Neueinstellungen im Jahr 2025 waren außerhalb von Rezessionen so schwach wie seit 2002 nicht mehr.

Politische Risiken

Für Präsident Donald Trump sind die politischen Risiken erheblich. Umfragen zufolge blicken viele Amerikanerinnen und Amerikaner weiterhin pessimistisch auf die Wirtschaft. Sie verweisen auf die kumulierten Effekte mehrerer Jahre mit erhöhten Preisen.

Die Regierung in Washington spricht zwar von einem „Goldenen Zeitalter“ der US-Wirtschaft, doch die Stimmung in der Bevölkerung bessert sich nur langsam.

Ein längerer Anstieg der Benzinpreise – ein besonders sichtbarer Gradmesser für Inflation – könnte diese Unzufriedenheit noch verstärken.

„Die Menschen wollen, dass es um ihre Lebenshaltungskosten geht“, sagt Jacquez. „Wenn die Spritpreise erneut steigen, bestätigt das den Eindruck, dass Alltägliches schwerer zu bezahlen ist.“

Vorerst hängt vieles davon ab, ob sich der Konflikt begrenzen lässt. Bleibt er regional eingehegt, könnte der ökonomische Schock relativ kurzlebig bleiben.

Gelingt das nicht, steht die US-Wirtschaft in einer sensiblen Phase vor einer weiteren Bewährungsprobe.

Zu den Barrierefreiheitskürzeln springen
Teilen Kommentare

Zum selben Thema

Chameneis Sohn soll Irans neuer Oberster Führer sein

Frankreich verstärkt Truppen in Nahost nach Drohnenangriff

MSC will Hormus-Blockade mit neuer Handelsroute zwischen Europa und Golf umgehen