Die Inflation in der Eurozone stieg im Februar auf eins Komma neun Prozent und lag damit über den Erwartungen, bevor Spannungen im Nahen Osten die Öl- und Gaspreise stark nach oben trieben.
Die Inflation im Euroraum ist im Februar überraschend gestiegen. Das zeigen neue Daten vom Dienstag und stellen die Inflationsgeschichte der Europäischen Zentralbank (EZB) infrage – in einer Phase, in der der schnell eskalierende Krieg im Nahen Osten eine neue Energieschock-Welle für Europa auslösen könnte.
Die jährliche Teuerungsrate im Euroraum lag im Februar 2026 bei 1,9 Prozent, nach 1,7 Prozent im Januar, wie die Schnellschätzung von Eurostat zeigt. Volkswirte hatten mit einem unveränderten Wert gerechnet.
Im Monatsvergleich zogen die Verbraucherpreise um 0,7 Prozent an. Das ist der kräftigste Anstieg seit März 2024.
Die Kerninflation ohne Energie und Lebensmittel kletterte von 2,2 auf 2,4 Prozent. Auch das lag über den Prognosen.
Erfasst wurden die Daten, bevor die jüngste Eskalation im Nahen Osten die Energiemärkte durcheinanderbrachte.
EZB-Chefökonom Philip Lane warnte am Dienstag, ein länger andauernder Krieg könne die Inflation im Euroraum erneut antreiben und das Wachstum dämpfen. Entscheidend sei, wie weit sich der Konflikt ausweite und wie lange er dauere.
Dienstleistungen treiben Preise erneut, Kerninflation legt zu
Nach Angaben von Eurostat dürfte die Teuerung bei Dienstleistungen im Februar bei 3,4 Prozent im Jahresvergleich liegen, nach 3,2 Prozent im Januar. Die Preise für Lebensmittel, Alkohol und Tabak verharrten bei 2,6 Prozent, bei Industriegütern ohne Energie zog die Rate von 0,4 auf 0,7 Prozent an.
Energie verbilligte sich im Jahresvergleich zwar weiterhin, der Rückgang fiel mit minus 4,0 Prozent jedoch geringer aus als im Januar. Das deutet darauf hin, dass der dämpfende Effekt niedriger Energiepreise nachlässt – noch bevor sich die jüngsten geopolitischen Turbulenzen vollständig in den Inflationsdaten niederschlagen.
Auffällig ist, dass die Schnellschätzung für Februar noch vor den heftigsten Marktreaktionen auf die Ausweitung des Konflikts im Nahen Osten erstellt wurde. Die größere Inflationsgefahr liegt deshalb in dem, was nun folgen könnte.
Iranische Streitkräfte haben mit Angriffen auf kritische Energieinfrastruktur in der Golfregion reagiert.
Am Montag kündigte ein ranghoher Kommandeur der iranischen Revolutionsgarden an, die Schifffahrt durch die Straße von Hormus zu blockieren.
Die Meerenge gilt als Nadelöhr für rund 20 Prozent der weltweiten Rohöl- und Erdgasströme.
Der Handel durch die Straße von Hormus ist bereits gestört. Schiffe wurden beschädigt oder liegen fest, Versicherer ziehen ihre Kriegsrisikodeckung zurück. All das kann rasch zu einem knapperen Gasangebot und höheren Endpreisen für Europa führen.
Die Unterbrechungen wecken Erinnerungen an die Energiekrise 2022, als die Gaspreise in die Höhe schossen, die Industrieproduktion schwächelte und die Verbraucherpreise zweistellige Raten erreichten.
Ein geschwächter Euro
Die Aktienkurse gaben europaweit deutlich nach. Der Euro Stoxx 50 lag am späten Vormittag 3,3 Prozent im Minus, der deutsche Leitindex DAX 40 verlor mehr als 3 Prozent und fiel auf den niedrigsten Stand seit Dezember 2025.
In Frankreich büßte der CAC 40 2,9 Prozent ein. Der spanische IBEX 35 und der italienische FTSE MIB verloren jeweils mehr als 4 Prozent. Auch der Euro geriet unter Druck und notierte rund 0,8 Prozent schwächer bei etwa 1,1600 Dollar.
Bereits die Februar-Zahlen signalisierten anhaltenden Inflationsdruck, vor allem bei Dienstleistungen.
Bislang hatte vor allem Energie geholfen, die Gesamtinflation zu drücken. Dieser Effekt dürfte jedoch rasch verschwinden, falls Öl- und Gaspreise weiter steigen.
Hält die Störung an und bleibt die Straße von Hormus womöglich über Wochen geschlossen, könnte die Gesamtinflation wieder über 2 Prozent klettern. Höhere Transport- und Lebensmittelpreise wären die Folge – und der Kurs der EZB bei den Zinsen würde noch schwieriger.