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Wo in Europa sparen Haushalte am meisten von ihrem Einkommen?

Rentner protestieren in Athen am Freitag, dem 24. November 2023.
Rentnerinnen und Rentner protestieren in Athen am Freitag, dem 24. November 2023. Copyright  Copyright 2023 The Associated Press. All rights reserved
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Von Servet Yanatma
Zuerst veröffentlicht am
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Die Netto-Sparquoten der Haushalte unterscheiden sich in Europa stark; nur in Griechenland geben Familien mehr aus, als sie einnehmen. Fachleute sehen Vorsorge und Alterssicherung als wichtigste Spargründe.

Menschen legen aus verschiedenen Gründen Geld zur Seite. So bauen sie Vermögen auf und können unerwartete Ausgaben besser abfedern. Eine aktuelle Studie zeigt (Quelle auf Englisch), dass fast zwei Drittel der Europäerinnen und Europäer aus Vorsicht sparen. Für etwa die Hälfte steht der Ruhestand im Vordergrund.

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Doch in welchen europäischen Ländern sparen die Menschen am meisten? Und wie viel von ihrem verfügbaren Einkommen legen sie tatsächlich zurück?

Die Nettoersparnis der privaten Haushalte gibt an, welcher Teil des Einkommens nicht für den Endkonsum ausgegeben wird.

Laut OECD unterscheiden sich die Netto-Sparquoten der Haushalte in Europa deutlich. In den Jahren 2024 oder 2025 reichen sie von minus 9,3 Prozent in Griechenland bis 14,7 Prozent in Schweden und Ungarn. Der EU-Durchschnitt liegt bei 8,1 Prozent.

Griechenland: Wo die Ausgaben das Einkommen übersteigen

Griechenland ist das einzige Land mit einer negativen Sparquote. Die Haushalte geben dort mehr aus, als ihnen an verfügbarem Einkommen zur Verfügung steht. Sie greifen also auf Rücklagen zurück oder müssen sich verschulden.

Zusammen mit Ungarn und Schweden liegt die Sparquote der Haushalte auch in Tschechien (13,7 Prozent), Frankreich (12,8 Prozent), Deutschland (10,3 Prozent) und den Niederlanden (10,2 Prozent) über zehn Prozent.

Spanien (9,2 Prozent) und Irland (neun Prozent) liegen ebenfalls über dem EU-Durchschnitt.

Großbritannien und Italien: Große Volkswirtschaften mit niedrigen Sparquoten

Frankreich, Deutschland und Spanien kommen auf höhere Sparquoten als der EU-Schnitt. Großbritannien (4,7 Prozent) und Italien (3,2 Prozent) liegen dagegen deutlich darunter.

In Lettland liegt die Quote bei null – die Haushalte geben ihr gesamtes Einkommen aus. Die Werte in der Slowakei (zwei Prozent), Estland (drei Prozent), Portugal (3,4 Prozent) und Litauen (3,8 Prozent) bleiben alle unter vier Prozent.

Zwei nordische Länder liegen ebenfalls unter dem EU-Durchschnitt: Dänemark (7,5 Prozent) und Finnland (4,4 Prozent).

Sparquoten: Berechnung bleibt schwierig

„Die Sparquoten der Haushalte zu berechnen ist sehr kompliziert. Der Vergleich zwischen Ländern ist noch schwieriger“, sagte Michael Haliassos, Professor an der Goethe-Universität Frankfurt, gegenüber Euronews Business.

Er verwies auf die Probleme bei der Messung sowohl des verfügbaren Einkommens als auch der Konsumausgaben der Haushalte.

Einkommen werde häufig falsch oder gar nicht angegeben. Viele fürchten die Steuerbehörden oder haben Bedenken beim Datenschutz.

Auch den Konsum erfassen Umfragen nur schwer. Menschen können sich oft nicht genau erinnern, und die statistischen Methoden zum Umgang mit diesen Problemen unterscheiden sich von Land zu Land.

Der Fall Griechenland

Haliassos erinnerte daran, dass Griechenland auf dem Höhepunkt der Staatsverschuldungskrise im Jahr 2015 den höchsten Anteil an Haushalten mit Konsum oberhalb des Einkommens in der EU verzeichnete. Und auch um 2020, in der COVID-19-Pandemie mit stark eingeschränkten Konsummöglichkeiten, lag das Land noch auf dem zweiten Platz hinter Rumänien.

In den frühen 2000er-Jahren war die Sparquote in Griechenland meist positiv, wenn auch mit kurzen Ausschlägen ins Minus.

Ab 2010 änderte sich das Bild jedoch drastisch. Die Schuldenkrise drückte die Quote tief ins Negative; 2013 erreichte sie mit minus 16,5 Prozent ihren Tiefpunkt. Eine echte Erholung blieb aus.

2021 näherte sich die Sparquote kurz wieder der Nulllinie an. 2022 fiel Griechenland jedoch erneut auf minus 12,2 Prozent zurück und liegt seither bei rund minus neun Prozent.

Der EU-Durchschnitt blieb im gleichen Zeitraum weitgehend stabil. 2020 kam es allerdings zu einem Sprung auf 12,4 Prozent, weil die Lockdowns den Konsum stark drosselten.

Griechenland gehörte 2024 zu den EU-Staaten, in denen das durchschnittliche bereinigte verfügbare Pro-Kopf-Einkommen der Haushalte laut Eurostat mehr als 20 Prozent unter dem EU-Durchschnitt lag.

Michael Haliassos betonte, dass es in der EU keine Länder mit dauerhaft hohen oder dauerhaft niedrigen Sparquoten gebe. Entscheidend sei, wie unterschiedlich die Staaten auf Krisen reagieren.

„Wichtige Faktoren für die Sparquote sind die Altersstruktur der Bevölkerung und die Reaktion der verschiedenen Alters- und Berufsgruppen in den Haushalten auf die jeweiligen Krisen“, sagte er.

Warum sparen Europäerinnen und Europäer? Die Rolle der sozialen Netze

Charles Yuji Horioka und Luigi Ventura haben herausgefunden, dass die Großzügigkeit der sozialen Sicherungssysteme die Bedeutung einzelner Sparmotive beeinflusst.

Menschen sparen in Ländern mit großzügigen staatlichen Renten weniger für das Alter. Und sie legen in Staaten mit starken öffentlichen Gesundheitssystemen weniger für unvorhergesehene Ausgaben zurück.

„Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass der Ruhestand und Vorsicht die wichtigsten Sparmotive in Europa sind – auch deshalb, weil die sozialen Sicherungsnetze nicht vollständig ausreichen“, schreiben sie in ihrem 2025 beim NBER veröffentlichten Papier.

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