Laut Reuters plant Elon Musk, beim bevorstehenden Börsengang von SpaceX bis zu 30 Prozent der Aktien Kleinanlegern zu reservieren – ein Bruch mit gängigen Gepflogenheiten an der Wall Street.
SpaceX, das von Elon Musk gegründete und kontrollierte Raketen- und Satellitenunternehmen, steuert auf den möglicherweise größten Börsengang aller Zeiten noch in diesem Jahr zu.
Im Februar übernahm das Unternehmen xAI, eine weitere Firma von Musk, im Rahmen eines Aktientauschs. Die Transaktion bewertete SpaceX mit einer Billion Dollar (842 Milliarden Euro) und xAI mit 250 Milliarden Dollar (210 Milliarden Euro). So entstand ein Konzern mit einer Gesamtbewertung von rund 1,25 Billionen Dollar (1,05 Billionen Euro).
Durch den Zusammenschluss wurde SpaceX zum höchstbewerteten privaten Unternehmen der Geschichte. Der Börsengang an die öffentlichen Märkte wird für 2026 erwartet.
Der Börsengang könnte Elon Musk zudem zum ersten Menschen mit einem geschätzten Vermögen von über einer Billion Dollar machen.
Nach Angaben einer mit dem Vorgang vertrauten Person, auf die sich Reuters beruft, will Musk mindestens das Dreifache des üblichen Anteils für Privatanleger im Börsengang reservieren. Üblicherweise liegt dieser Anteil nur zwischen fünf und zehn Prozent der frei handelbaren Aktien.
Damit will er langfristige Aktionärstreue fördern und schnelle Verkäufe großer Investoren verhindern, wie sie nach einem starken Börsenstart oft vorkommen.
SpaceX-Finanzchef Bret Johnsen soll den Plan bereits mehreren Investmentbanken vorgestellt haben.
Der Plan geht mit einem maßgeschneiderten Konsortialverfahren einher. Jede Bank erhält klar abgegrenzte Aufgaben, die sich an bestehenden Beziehungen und regionalen Stärken orientieren, statt um das gesamte Mandat konkurrieren zu müssen.
Im Januar galten vier große Wall-Street-Häuser – Bank of America, Goldman Sachs, JPMorgan Chase und Morgan Stanley – als Favoriten für zentrale Rollen.
Inzwischen berichtet Reuters, Musk habe Bank of America ausgewählt, um den Vertrieb an US-Privatanleger zu steuern. Die Bank soll sich vor allem auf sehr vermögende Kunden und Family Offices konzentrieren.
Morgan Stanley dürfte kleinere Privatanleger über seine Plattform E*Trade bedienen. UBS soll internationale vermögende Kunden und Family Offices ansprechen, während Citi den Angaben zufolge gemeinsam mit Partnerbanken in Kanada, Europa und Asien den breiteren Auslandsvertrieb an Privatanleger und institutionelle Investoren koordinieren wird.
SpaceX-Börsengang: Stimmungstest für KI- und Tech-Märkte
Analysten sehen den Börsengang von SpaceX schon jetzt als Gradmesser für das Vertrauen in Technologie- und KI-Aktien.
Nach Einschätzung von Russ Mould, Investmentdirektor beim Vermögensverwalter AJ Bell, hatten die Finanzmärkte bereits begonnen zu hinterfragen, ob sich in dem Sektor eine Blase gebildet hat. Auslöser seien hohe Bewertungen und ehrgeizige Investitionspläne gewesen, bevor sich der Fokus wieder verschoben habe.
„Der mögliche Börsengang von SpaceX dürfte daher ein interessanter Test für die aktuelle Marktstimmung werden“, schrieb er am Donnerstag in einer Notiz an Kunden.
Mould verwies darauf, dass die Aktienkurse der „Magnificent Seven“ und anderer KI-Schwergewichte wie Oracle in diesem Jahr hinter dem S&P-500-Index zurückgeblieben sind. Auch der Index selbst liegt hinter anderen wichtigen Weltbörsen. Optimisten hoffen deshalb auf einen kräftigen Impuls durch den SpaceX-Börsengang.
Er verwies zudem auf Berichte, wonach das Unternehmen Aktien im Wert von 75 Milliarden Dollar (65 Milliarden Euro) platzieren könnte, um eine Börsenbewertung von etwa eineinhalb Billionen Dollar zu erreichen. Damit würde SpaceX auf einen Schlag zu den zehn wertvollsten börsennotierten Konzernen der Welt gehören – knapp vor Tesla.
Er warnte vor Parallelen zur Geschichte und zitierte Warren Buffett mit den Worten, Haussephasen endeten oft, „wenn nach den Innovatoren und Nachahmern die Idioten einsteigen“.
Dan Coatsworth, Marktchef bei AJ Bell, beschrieb die Spannung noch plastischer. „So wie die Menschen im Kontrollraum in den letzten Sekunden vor dem Start einer Rakete den Atem anhalten, zählen Anleger gespannt die Tage bis zum voraussichtlichen Starttermin des SpaceX-Börsengangs“, sagte er.
Coatsworth ergänzte, die Nachfrage könnte angesichts von Musks Fan-Gemeinde riesig ausfallen. Die Erwartungen an Kursgewinne „wie bei Nvidia“ seien „himmelhoch“.