Experten zufolge nutzt die iranische Revolutionsgarde Kryptowährungen, um westliche Sanktionen zu umgehen und verbündete Milizen zu finanzieren.
Seit Beginn des Iran-Kriegs strömt deutlich mehr Kryptogeld ins Land.
Fachleute sagen, dass Digitalwährungen helfen, Sanktionen gegen die Revolutionsgarden zu umgehen und der von hoher Inflation gebeutelten Bevölkerung eine finanzielle Lebensader zu bieten.
Vom traditionellen Finanzsystem durch Jahrzehnte internationaler Sanktionen weitgehend abgeschnitten, nutzt Iran Kryptowährungen schon länger als alternativen Kanal. Nach Angaben von US-Behörden verkauft das Regime damit sanktioniertes Öl und finanziert im Verborgenen verbündete bewaffnete Gruppen wie die Huthi-Rebellen im Jemen.
Im aktuellen Konflikt hat sich diese Nutzung noch einmal deutlich verstärkt.
Zwischen dem 28. Februar, dem ersten Tag der israelisch-US-amerikanischen Luftangriffe, und dem 2. März verließen Kryptowährungen im Wert von mehr als 10 Millionen Dollar (8,7 Millionen Euro) iranische Handelsplattformen, wie Daten der Analysefirma Chainalysis zeigen.
Bis zum 5. März war fast ein Drittel dieser Gelder auf ausländische Börsen überwiesen.
Einen Teil dieses Abflusses erklären Beobachter mit Bürgerinnen und Bürgern, die in der Krise ihre Ersparnisse schützen wollen. Die schiere Höhe der Summen deute jedoch auf die Beteiligung von „Akteuren des Regimes“ hin, sagt Kaitlin Martin von Chainalysis.
Solche Schritte erfolgten vermutlich aus Angst vor zusätzlichen Sanktionen oder Cyberangriffen, so Expertinnen und Experten.
Im Juni 2025, auf dem Höhepunkt des vorherigen Konflikts zwischen Israel und Iran, stahlen Hacker mit Verbindungen zu Israel der großen Kryptobörse Nobitex rund 90 Millionen Dollar (78,1 Millionen Euro), berichtet das Blockchain-Unternehmen TRM Labs.
Massive Kryptozuflüsse an die Revolutionsgarden
Nach Angaben von Chainalysis stehen mehrere der in dieser Phase genutzten digitalen Wallets in direkter Verbindung zu den Revolutionsgarden.
„Selbst während dieser Internetausfälle sind einige Abflüsse zu sehen. Das deutet darauf hin, dass manche auch dann Zugang zu den Krypto-Beständen der Börse haben, wenn deren Webseite nicht erreichbar ist“, erklären die Krypto-Analysten von Elliptic.
Der Einfluss des Staates ist enorm.
Im vergangenen Jahr erhielten Wallets mit Bezug zu den Garden mehr als 3 Milliarden Dollar (2,6 Milliarden Euro) in Kryptowährungen. Das entsprach mehr als der Hälfte aller Kryptoströme des Landes, und ihr Anteil wächst weiter, so Chainalysis.
Die „Financial Times“ berichtete zu Jahresbeginn, Iran habe ballistische Raketen, Drohnen und andere hochentwickelte Waffensysteme zum Verkauf gegen Kryptowährungen angeboten.
Diese digitalen Vermögenswerte speisen ein regelrechtes „Schattenbankensystem“, sagt Craig Timm von der Anti-Geldwäsche-Organisation ACAMS.
Überweisungen in Kryptowährungen gehen schneller und sind oft günstiger als klassische Banktransfers. Wegen Lücken in den globalen Regeln lassen sie sich zudem schwer nachverfolgen, ergänzt er.
Welche Kryptowährungen in Iran gefragt sind
Die Revolutionsgarden und die iranische Zentralbank setzen vor allem auf sogenannte Stablecoins. Diese Digitalwährungen sind in der Regel an den Dollar gekoppelt und sollen starke Kursschwankungen vermeiden.
Viele Bürgerinnen und Bürger greifen dagegen massenhaft zu Bitcoin, der weltweit wichtigsten Kryptowährung. Sie lässt sich von den Plattformen abziehen und in privaten Wallets speichern, außerhalb des Zugriffs der Behörden.
Ein Bitcoin kostet derzeit mehr als 68.000 Dollar.
Diese Strategie zeigte sich schon vor Kriegsbeginn während der damals brutal niedergeschlagenen Proteste im Land, berichtet Chainalysis.
Schon vor Beginn des Konflikts lag die Inflation im Land nahe bei fünfzig Prozent. Kryptowährungen dienen der Bevölkerung deshalb zunehmend als „lifeline“, als finanzielle Rettungsleine angesichts des Absturzes der Landeswährung, sagt Analystin Martin.