Neue Zahlen vom Central Eurasia Venture Forum in Taschkent zeigen: Start-ups und KI erhalten mehr Geld, grenzüberschreitende Deals nehmen zu; Staaten erleichtern Kapitalzugang und Marktausbau.
Der Wagniskapitalmarkt in Zentralasien kam 2025 auf ein Volumen von rund 320 Millionen US-Dollar (295 Mio. Euro). Das geht aus dem Bericht „Startups and Venture Capital in Central Asia 2026“ von RISE Research hervor, der auf einer Befragung von mehr als 200 Start-ups sowie über 40 Investoren und Marktexperten beruht.
Über die Ergebnisse diskutierten Fachleute beim Central Eurasia Venture Forum (CEVF) 2026 in Taschkent. Zu der Konferenz kamen rund 800 Teilnehmerinnen und Teilnehmer, darunter Investoren, Wagniskapitalfonds und Technologieunternehmen aus Zentralasien, Europa, den USA, Südostasien und den MENA-Staaten.
Seit seiner Gründung hat das Forum in fünf Ausgaben mehr als 5.000 Gäste aus 50 Ländern angezogen. Mit ihm werden Abschlüsse von über 34 Millionen US-Dollar (31 Mio. Euro) in Verbindung gebracht.
Nach Angaben von Charlie Morris, Wirtschaftsberater für Zentralasien, spiegelt die Veranstaltung tiefgreifende Veränderungen in der Wirtschaftsstruktur der Region wider.
„Das ist ein starkes Signal für privatwirtschaftlich getragenes Wachstum in Zentralasien, das für die Zukunft der Region entscheidend ist“, sagte er.
Usbekistan und Kasachstan: Investitionen und Marktstruktur
Die beim Forum präsentierten Zahlen zeigen, dass die Investitionen in Usbekistan und Kasachstan deutlich anziehen.
In Usbekistan beliefen sich die ausländischen Investitionen in den ersten zwei Monaten 2026 auf 8,3 Milliarden US-Dollar (7,6 Mrd. Euro). Für das Gesamtjahr strebt die Regierung 53 Milliarden US-Dollar (48,7 Mrd. Euro) an.
Das Start-up- und Wagniskapital-Ökosystem kam 2024/2025 auf eine Bewertung von 3,9 Milliarden US-Dollar (3,6 Mrd. Euro).
Mehr als 750 Start-ups sind dort aktiv, hinzu kommen 15 Wagniskapitalfonds mit einem Gesamtvolumen von über 180 Millionen US-Dollar (165 Mio. Euro).
Die Regierung will die Zahl der Start-ups bis 2030 auf 5.000 erhöhen, rund 200 Unternehmen beim Gang auf internationale Märkte unterstützen und das Volumen der Wagniskapitalinvestitionen auf 2 Milliarden US-Dollar (1,8 Mrd. Euro) steigern.
„Wir beobachten, dass immer mehr Investorinnen und Investoren nicht nur aus dem Vereinigten Königreich, sondern auch aus Europa, den USA und Südostasien nach Zentralasien kommen. Diese Partnerschaften und Verbindungen mit dem Rest der Welt sind für den Erfolg der Region unverzichtbar“, sagte Morris gegenüber Euronews.
In Kasachstan summierten sich die Wagniskapitalinvestitionen auf 209 Millionen US-Dollar (192 Mio. Euro), die Start-ups kamen auf eine Gesamtbewertung von mehr als 2,16 Milliarden US-Dollar (2 Mrd. Euro), wie beim Forum vorgestellt wurde.
Einen großen Teil dieser Dynamik machte zwischen 2023 und 2025 der Bereich Künstliche Intelligenz aus, so das Ministerium für KI und digitale Entwicklung.
Das Wagniskapital für KI stieg von rund 14 Millionen US-Dollar (13 Mio. Euro) auf 73 Millionen US-Dollar (67 Mio. Euro) und macht inzwischen mehr als die Hälfte aller Wagniskapitalinvestitionen im Land aus.
Die meisten KI-Start-ups entwickeln praxisnahe Geschäftslösungen für Unternehmenssoftware, industrielle Automatisierung, Marketing, Bildung und Gesundheitswesen.
Auf dem Forum gab die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD) die 13 Finalisten für den ersten zentralasiatischen Jahrgang ihres Star-Venture-Programms bekannt.
Sieben der ausgewählten Unternehmen stammen aus Usbekistan: Hyper App, IMAN, OSNOVA, Robosell, Tezbor, UYSOT und Verifix.
Politische Rahmenbedingungen und Ökosystemaufbau
Die Behörden in Usbekistan führen ein vierstufiges Förderprogramm ein. Es setzt bei der Ideenfindung an und reicht über die Produktentwicklung und den Markteintritt bis zur Skalierung.
Vorgesehen sind Zuschüsse, Steueranreize, Co-Finanzierungen und Hilfen beim Export.
Evgeny Frolov, CEO und Gründer von Red Team Accelerator, erklärte, regulatorische Maßnahmen und staatliche Initiativen hätten das Tempo der Entwicklung maßgeblich bestimmt.
Die Initiative gehe auf ein Präsidialdekret von Ende November 2024 zurück, das den Aufbau eines Start-up-Ökosystems zum Ziel habe, erläuterte er.
„Seitdem sind viele neue Fonds entstanden. Es zeigt sich, dass sowohl das Ökosystem als auch das Land insgesamt bereit sind für diesen Aufbruch und diese Ambitionen“, so Frolov weiter. Neue Regelungen, die in diesem Jahr in Kraft getreten sind, hätten die Entwicklung zusätzlich beschleunigt.
Regionale Investitionen und Partnerschaften
Bei Investitionen spielt grenzüberschreitende Zusammenarbeit innerhalb Zentralasiens eine immer größere Rolle.
Arman Bataev, Gründer von GWM Capital in Kasachstan, sagte, sein Unternehmen arbeite mit Partnern im Astana International Financial Centre zusammen, um Transaktionen zu strukturieren und den Markteintritt zu erleichtern.
Für Bataev war es nach eigenen Angaben die erste Teilnahme am Forum. Solche Veranstaltungen ermöglichten wichtige neue Kontakte, betonte er.
Seine Firma arbeitet mit einer der größten Beratungsgesellschaften im Astana International Financial Centre zusammen. Gemeinsam unterstützen sie Kundinnen und Kunden dabei, Lizenzen zu erhalten, Transaktionen zu strukturieren und Wertpapiere an den kasachischen Börsen zu platzieren.
Zugleich suchen regionale Projekte immer häufiger jenseits der eigenen Landesgrenzen nach Investoren.
„Viele Vorhaben aus Kasachstan und der gesamten Region schauen inzwischen gezielt auf lokale Fonds in Usbekistan“, sagte er. IT Park Ventures habe im vergangenen Jahr rund 70 bis 80 Projekte im Portfolio gehabt.
Madina Zakirova, Mitgründerin von Hackonnect, beobachtet eine wachsende Bedeutung privaten Kapitals. Immer mehr klassische Unternehmen engagieren sich im Start-up-Ökosystem.
„Der CS Angels Club hat das vergangene Jahr mit Investitionen von 300.000 US-Dollar (275.000 Euro) abgeschlossen“, sagte sie. „Zuvor kam das meiste Geld vom Staat oder von Banken. Die neue Entwicklung ist deshalb ein sehr positives Signal.“