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Mercedes offen für Rüstungsgeschäfte: "Welt ist unberechenbarer geworden"

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Mercedes-Benz Copyright  Copyright 2025 The Associated Press. All rights reserved.
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Von Sonja Issel
Zuerst veröffentlicht am
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Während die deutsche Autoindustrie unter Druck gerät, wittern Rüstungskonzerne neue Chancen und greifen zunehmend nach Fabriken, Fachkräften und Know-how der Branche.

Steht Mercedes neben Autos und Formel-1-Boliden künftig auch für Rüstung? Laut Konzernchef Ola Källenius scheint das zumindest nicht ausgeschlossen.

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In einem Interview mit dem Wall Street Journal zeigte sich der Mercedes-Benz-Chef offen für eine mögliche Beteiligung des Unternehmens an der europäischen Verteidigungsindustrie.

"Die Welt ist unberechenbarer geworden, und ich denke, es ist völlig klar, dass Europa seine Verteidigungsfähigkeit ausbauen muss", so Källenius. "Sollten wir dabei eine positive Rolle spielen können, wären wir dazu bereit."

Konkrete Pläne nannte der Manager zwar nicht. Er machte jedoch deutlich, dass mögliche Rüstungsgeschäfte für Mercedes-Benz lediglich ein ergänzendes Geschäftsfeld wären und im Vergleich zur klassischen Automobilproduktion nur einen kleinen Teil ausmachen würden.

Eine offizielle Stellungnahme des Konzerns zu möglichen konkreten Projekten lag zunächst nicht vor.

Rüstung statt Autos?

Mercedes ist nicht der erste Automobilkonzern, der mit derartigen Zukunftsfantasien spielt.

Auch Volkswagen prüft inzwischen mögliche Geschäfte im Verteidigungssektor. Konzernchef Oliver Blume hatte angekündigt, noch in diesem Jahr entscheiden zu wollen, ob im VW-Werk Osnabrück künftig militärische Transportfahrzeuge produziert werden könnten. Gleichzeitig betonte Blume zuletzt, Volkswagen werde weder Waffen noch Panzer herstellen.

Parallel dazu rückt auch die Rüstungsindustrie stärker in Richtung Automobilbranche. Rheinmetall prüft nach eigenen Angaben, die bisherigen Autozulieferer-Standorte in Neuss und Berlin künftig teilweise für die Produktion von Rüstungsgütern umzurüsten.

Darüber hinaus denkt der Konzern offenbar auch über die Übernahme ganzer Werke aus der angeschlagenen Autoindustrie nach. Im Fokus steht dabei unter anderem das VW-Werk in Osnabrück, dessen Zukunft als unsicher gilt.

Rheinmetall-Chef Armin Papperger äußerte sich bislang jedoch zurückhaltend. Die bestehenden Anlagen seien nur eingeschränkt für die Rüstungsproduktion geeignet, ein Umbau wäre kostspielig. Bevor neue Werke gebaut würden, wolle man solche Optionen aber prüfen.

Auch andere Rüstungskonzerne profitieren zunehmend von der Krise der deutschen Autoindustrie. So wirbt das Luft- und Raumfahrtunternehmen Hensoldt gezielt um Fachkräfte von Unternehmen wie Continental oder Bosch. "Wir profitieren von den Schwierigkeiten der Autoindustrie", sagte Hensoldt-Chef Oliver Dörre.

Rüstungsindustrie boomt - Automobilindustrie bleibt jedoch stärker

Die deutsche Autoindustrie steckt zunehmend in der Krise. Hohe Kosten, schwache Nachfrage in Europa, wachsende Konkurrenz aus China und anhaltende Zolldrohungen aus den USA setzen die Hersteller massiv unter Druck.

Mercedes hatte im Februar einen Gewinneinbruch um rund 49 Prozent von 10,4 Milliarden Euro auf 5,3 Milliarden Euro für 2025 gemeldet. Der Umsatz hat sich demnach um neun Prozent verringert.

Mit Ausnahme von BMW haben inzwischen alle großen deutschen Autobauer Stellenabbau an heimischen Standorten angekündigt.

Während die Autobranche kämpft, erlebt die Rüstungsindustrie hingegen einen Boom. Laut dem Friedensforschungsinstitut Sipri erzielten die 100 größten Waffenhersteller der Welt im Jahr 2024 einen neuen Rekordumsatz.

Doch ob die Verteidigungsbranche die Schwäche der Autoindustrie tatsächlich auffangen kann, bleibt fraglich. Die Dimensionen unterscheiden sich bislang deutlich: Allein die deutsche Automobilindustrie setzte 2024 mehr als 540 Milliarden Euro um.

Die Rüstungsbranche liegt weit darunter. Die fünf größten deutschen Rüstungsunternehmen kamen 2023 zusammen lediglich auf knapp 30 Milliarden Euro Umsatz.

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