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Zehn Top-Währungen 2026: auch Forint schlägt den US‑Dollar

In Dallas zeigt eine US-Ein-Dollar-Banknote das Porträt von George Washington, aufgenommen am Dienstag, dem siebten April 2026.
Ein Porträt von George Washington ist auf einem US-Ein-Dollar-Schein in Dallas zu sehen, am Dienstag, dem siebten April 2026. Copyright  AP Photo/LM Otero
Copyright AP Photo/LM Otero
Von Piero Cingari
Zuerst veröffentlicht am Zuletzt aktualisiert
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Krieg am Golf, Stillstand bei der US-Notenbank, harte Töne in Europa und im Pazifik: wie sich zehn Währungen vom schwächelnden Dollar lösen.

Zu Beginn des Jahres 2026 gingen die Devisenmärkte noch von einer ziemlich konventionellen Welt aus. Die US-Wirtschaft sollte sich so weit abkühlen, dass die Federal Reserve die Zinsen zweimal senken kann. Die Europäische Zentralbank galt als vorsichtig, die meisten anderen Notenbanken würden Washington folgen.

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Der Konflikt im Iran hat dieses Szenario fast über Nacht beendet.

Die Energiepreise schossen nach oben, die Inflationserwartungen drehten, und viele Notenbanken sprechen inzwischen über Zinserhöhungen. Die Fed steht vor einer Kombination aus energiegetriebener Teuerung und wachsender Konjunkturunsicherheit – und bleibt erst einmal untätig.

Diese unterschiedliche Strategie öffnet vielen Währungen die Tür, gegenüber dem US-Dollar Boden gutzumachen. Jede Erfolgsgeschichte folgt jedoch eigener Logik.

Die zehn stärksten Währungen gegenüber dem Dollar 2026

Brasilianischer Real: Höchste Carry-Trade-Rendite der Welt

Der brasilianische Real hat seit Jahresbeginn fast elf Prozent zugelegt – mehr als jede andere bedeutende Währung gegenüber dem Dollar im Jahr 2026. Dahinter stehen zwei Kräfte, die in dieselbe Richtung wirken.

Die erste Kraft ist der Carry-Effekt. Der brasilianische Leitzins Selic liegt bei 14,75 Prozent. Die Zentralbank hat ihn am 18. März zwar um 25 Basispunkte gesenkt, dennoch bleibt er rund elf Prozentpunkte über dem Zielkorridor der Fed.

Diese Lücke ist so groß wie seit der weltweiten Straffungsrunde im Jahr 2022 kaum. Sie schafft einen starken mechanischen Anreiz: Wer sich in Dollar verschuldet und das Geld in Real-Anlagen parkt, kassiert jeden Tag diese Zinsdifferenz – solange der Wechselkurs stabil bleibt.

Legt der Real zusätzlich zu, wie in diesem Jahr, wächst die Rendite schnell exponentiell.

Das ist der Carry Trade in Reinform – und Brasilien bietet derzeit die attraktivste Variante unter den liquiden Schwellenländern.

Die zweite Kraft sind Rohstoffe. Brasilien ist der größte Exporteur von Sojabohnen, Eisenerz, Rindfleisch und Zucker und produziert zudem viel Rohöl.

Steigen die Rohstoffpreise an den Weltmärkten – wie im energiegetriebenen Umfeld 2026 –, verbessern sich Brasiliens Terms of Trade. Die Exporterlöse nehmen zu, die Nachfrage nach dem Real steigt über einen völlig eigenen Kanal.

Carry-Effekt und Rohstoffboom verstärken sich gegenseitig. Deshalb läuft der Real selbst anderen Hochzinswährungen den Rang ab, die nicht über Brasiliens Exportmix verfügen.

Australischer Dollar und norwegische Krone: Rohstoffe plus Zinsvorteil

Die Reserve Bank of Australia hat ihren Leitzins am 17. März auf 4,1 Prozent erhöht – nach einer Anhebung im Februar. Damit liegt der Zinsabstand zu den USA erstmals seit 2017 wieder zugunsten Australiens.

Nach Jahren mit niedrigeren Zinsen als in den USA markiert das eine echte Trendwende in der Geldpolitik. Das Plus von rund sieben Prozent beim australischen Dollar seit Jahresbeginn spiegelt genau diese Neubewertung wider.

Die norwegische Krone bewegt sich fast im Gleichschritt und liegt im Jahr 2026 ebenfalls nahe sieben Prozent im Plus. Norwegen zählt zu den großen Öl-Exporteuren und gehört zu den wenigen Volkswirtschaften, deren Terms of Trade mit steigenden Rohölpreisen besser werden.

Die Norges Bank schlägt in ihrer Kommunikation ohnehin einen eher straffen Ton an. Davon profitieren insgesamt die skandinavischen Währungen, die in das Narrativ einer europäischen Straffungspolitik passen.

Der kolumbianische Peso folgt demselben Muster: Öl dominiert die Ausfuhren des Landes, und der Peso hat den Ölpreis im Jahr 2026 eng nachgezeichnet.

Ungarischer Forint: Spektakulärste Wende des Jahres

Das Plus von 6,32 Prozent seit Jahresbeginn beim ungarischen Forint verdeckt, wie abrupt die jüngste Bewegung ausfällt. In den vergangenen zwei Wochen allein legte die Währung rund acht Prozent zu. Der April 2026 steuert damit auf den besten Monat seit Juli 2020 zu.

Der Auslöser ist eindeutig. Am 12. April wählte Ungarn ein neues Parlament. Viktor Orbán, der sechzehn Jahre in Folge an der Macht war, verlor klar gegen Péter Magyar, der im Parlament eine Zweidrittelmehrheit errang.

Für die Devisenmärkte ist das kein normaler Regierungswechsel, sondern eine komplette Neubewertung des politischen Risikos in Ungarn.

Unter Orbán lag Budapest lange im Dauerstreit mit der Europäischen Union über Rechtsstaatsstandards. In der Folge fror Brüssel milliardenschwere Strukturhilfen ein.

Eine proeuropäische Regierung mit Reformauftrag verändert die Lage grundlegend. Die Märkte sehen einen glaubwürdigen Weg, das Verhältnis zu Brüssel zu normalisieren und blockierte Gelder freizuschalten. Damit verschwindet jener Risikoaufschlag, der ungarische Anlagen jahrelang belastet hat.

Frantisek Taborsky, EMEA-FX- und Rentenstratege bei ING, schrieb am 14. April, die Rally nach der Wahl werde vor allem vom langen Ende der Kurve getragen. Die Geldmarktsätze liefen den Anleiherenditen davon, die Währung wertete langsamer auf als erwartet – ein Hinweis darauf, dass viele Investoren schon vor der Wahl entsprechend positioniert waren.

Gemeinsamer Nenner: Die Fed steckt in der Zwickmühle

Hinter all diesen Einzelgeschichten steht ein Makrothema: Die Federal Reserve kann angesichts kriegsbedingter Inflation nur begrenzt handeln.

Die Fed signalisiert, dass sie den ölpreisgetriebenen Inflationsschub weitgehend ausblendet. Andere Notenbanken reagieren dagegen in die Gegenrichtung. Die australische Zentralbank hat die Zinsen bereits erhöht, mehrere weitere Institutionen diskutieren aktiv über weitere Schritte nach oben.

Wettmärkte auf der Plattform Polymarket beziffern die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung der Europäischen Zentralbank im Jahr 2026 auf 76 Prozent. Für eine Anhebung der Bank of England liegt sie bei 57 Prozent, für die Bank of Canada bei 36 Prozent und für die Fed lediglich bei 15 Prozent. Das zeigt die auseinanderlaufenden Zinswege deutlicher als viele Prognosen.

Antti Ilvonen und Rune Thyge Johansen, Senior Analysts bei Danske Bank, liefern in ihrem Global Inflation Watch vom April eine strukturelle Begründung für den Spielraum der Fed.

Die US-Gesamtinflation stieg im März um 0,9 Prozent gegenüber dem Vormonat. Im Jahresvergleich ergibt das 3,3 Prozent, angetrieben von einem Plus von 10,9 Prozent im Energiesegment. Die Kerninflation ohne Energie und Lebensmittel lag bei 0,2 Prozent zum Vormonat und damit unter der Prognose von 0,3 Prozent. Die besonders beobachtete Kennziffer für Dienstleistungen, die sogenannte Supercore-Inflation, fiel von 0,35 auf 0,18 Prozent.

Ihr Fazit lautet: Die Teuerung durch den Krieg konzentriert sich bislang fast vollständig auf Energie. Auf die Kerninflation schlägt sie nur begrenzt durch.

Diese Unterscheidung stützt ihre Erwartung, dass die Fed im September wieder mit Zinssenkungen beginnt.

Die Zinsstrategen George Cole und William Marshall von Goldman Sachs betonen die Gegenbewegung in anderen Märkten.

Seit Beginn des Krieges Ende Februar sind die Renditen in allen G10-Anleihemärkten gestiegen. Goldman rechnet inzwischen damit, dass sechs G10-Notenbanken im Jahr 2026 die Zinsen anheben – zuvor waren nur drei Zinserhöhungen erwartet worden.

„Bisher überwiegen die inflationsfördernden Effekte des Rohstoffpreisschocks die Sorgen um das Wachstum“, sagt Cole.

Nur die Fed soll nach aktueller Markterwartung senken. Laut BBVA lag die implizite Wahrscheinlichkeit, dass es in diesem Jahr überhaupt zu einer Zinssenkung kommt, am 15. April bei 38 Prozent.

„Wir glauben, dass die Markterwartungen noch nicht locker genug sind, und gehen davon aus, dass die Preise bald mindestens eine Zinssenkung in diesem Jahr wieder einpreisen werden“, sagt Dariusz Kowalczyk, Leiter Cross-Asset-Strategie Asien bei BBVA.

Was das Bild kippen könnte

Solange die Märkte keinen drastischen Einbruch der globalen Wachstumsaussichten erkennen, dürfte die aktuelle Neubewertung der Zinspfade zäh bleiben.

Für Rohstoffwährungen wie die norwegische Krone, den australischen Dollar oder den kolumbianischen Peso spielt zudem der Ölpreis eine Schlüsselrolle.

BBVA verweist darauf, dass die Internationale Energieagentur IEA schätzt: Nach Wiedereröffnung der Straße von Hormus wären rund zwei Wochen nötig, um 50 Prozent der Vorkriegs-Exporte aus dem Persischen Golf wiederherzustellen. Nach einem Monat wären etwa 80 Prozent erreicht.

Eine schneller als erwartete Normalisierung des Energieangebots könnte den Rohstoffaufschlag zusammenschmelzen lassen, der diese Währungen zuletzt nach oben getrieben hat.

ING-Stratege Francesco Pesole mahnt zur Vorsicht im größeren Bild. „Die Märkte setzen weiterhin stark auf ein glimpfliches Szenario. Viel gute Nachricht ist also bereits eingepreist. Das erhöht das Potenzial für eine Dollar-Erholung, falls die Spannungen wieder zunehmen“, sagte er diese Woche.

Die Währungen an der Spitze der diesjährigen Rangliste sind im Vertrauen auf anhaltend positive Nachrichten gestiegen. Bleiben sie aus, könnte der Rückschlag ebenso heftig ausfallen wie die Rally.

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