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Temu und Shein: Jeden Tag bestellen Deutsche fast eine halbe Million Pakete aus China

Ein Etikett an Kleidung im Kaufhaus BHV, wo der Fast-Fashion-Riese Shein am Mittwoch, dem 5. November 2025, in Paris sein erstes dauerhaftes Geschäft eröffnete.
Ein Etikett an Kleidung im Kaufhaus BHV, wo der Fast-Fashion-Riese Shein am Mittwoch, dem 5. November 2025, in Paris sein erstes dauerhaftes Geschäft eröffnete. Copyright  AP Photo
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Von Nela Heidner
Zuerst veröffentlicht am Zuletzt aktualisiert
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Einer Analyse zufolge sind in Deutschland durch Temu und Shein bereits mehr als 40.000 Arbeitsplätze verloren gegangen, die meisten davon im Einzelhandel.Täglich kommen fast eine halbe Million Pakete mit Waren der beiden größten chinesischen Online-Händler an.

Die populären Onlinehändler Temu und Shein fügen der deutschen Wirtschaft laut einer Schätzung erheblichen Schaden zu. Dem Einzelhandel gehen demnach jedes Jahr rund 2,5 Milliarden Euro an Umsatz verloren, weil Verbraucher ihre Einkäufe bei den chinesischen Plattformen tätigen statt bei Anbietern in Deutschland.

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Zu diesem Ergebnis kommt eine Analyse von IW Consult im Auftrag des Handelsverband Deutschland (HDE).

Dem Handelsverband zufolge haben Temu und Shein im Jahr 2025 täglich rund 460.000 Pakete nach Deutschland geliefert. Die Ergebnisse basieren auf einer repräsentativen Onlinebefragung von 4.000 Verbraucherinnen und Verbrauchern im Alter von 16 bis 69 Jahren, die im Februar durchgeführt wurde. Demnach hätten 51 Prozent der Nutzer von Temu und Shein die dort gekauften Produkte andernorts zum gleichen Preis erworben, wenn sie auf den chinesischen Plattformen nicht verfügbar gewesen wären. Weitere 19 Prozent wären sogar bereit gewesen, dafür mehr zu bezahlen.

Der tatsächliche Umsatzverlust für die Gesamtwirtschaft wird auf etwa das Doppelte geschätzt. Nach Angaben von Marco Trenz vom Institut der Deutschen Wirtschaft (IDW) zieht jeder Euro Umsatz im Einzelhandel insgesamt rund zwei Euro Umsatz in der Gesamtwirtschaft nach sich, wenn Vorleistungen wie Mieten, Energie, Logistik und Löhne miteinkalkuliert werden.

Trenz weist darauf hin, dass der Erfolg der beiden Shoppingplattformen weitere Nebenwirkungen hat. Bund, Länder und Kommunen entgehen demnach bis zu 420 Millionen Euro an Steuereinnahmen pro Jahr: Bei Käufen im deutschen Einzelhandel fallen zusätzlich Lohn-, Gewerbe- und Körperschaftsteuer an, die bei Einkäufen über Temu und Shein ausbleiben.

Das Institut der Deutschen Wirtschaft geht davon aus, dass die Umsätze von Temu und Shein noch weiter zunehmen werden und dadurch mittelfristig zusätzliche Arbeitsplätze wegfallen.

"Pushback" aus China

Ein Sprecher von Temu erklärte der Nachrichtenagentur dpa, die Plattform ermögliche Tausenden traditionellen Unternehmen in Deutschland und ganz Europa den Zugang zu einem weltweiten Kundenstamm und helfe ihnen dabei, ihren Umsatz zu steigern, Arbeitsplätze zu schaffen und international wettbewerbsfähig zu bleiben. Zudem sollen die bestehenden Partnerschaften weiter ausgebaut werden.

Ein Sprecher von Shein erklärte, es "erzeuge zwar Schlagzeilen, Konkurrenten zum Sündenbock zu machen und mit wiederkehrenden, unbelegten Vorwürfen fairen Wettbewerb zu untergraben", stelle jedoch keine ernsthafte Strategie dar, um deutsche Einzelhändler wettbewerbsfähiger zu machen.

Heute verkauften mehr als 600 deutsche Unternehmen über die Plattform, schafften Arbeitsplätze und leisteten einen konkreten Beitrag zur Wirtschaft in Deutschland. Zudem habe Shein allein in den vergangenen drei Jahren in Deutschland Steuern in Höhe von mehreren hundert Millionen Euro gezahlt.

Im Kampf gegen die wachsende Zahl kleiner Pakete aus Onlinebestellungen in Drittstaaten führt die EU ab November eine neue Bearbeitungsgebühr für jedes in die Union eingeführte und online bestellte Produkt ein. Die genaue Höhe ist noch nicht festgelegt. Die Gebühr soll zusätzlich zu geplanten neuen Zollabgaben erhoben werden.

Bislang können Waren mit einem Wert von bis zu 150 Euro zollfrei in die EU eingeführt werden. Ab Juli soll jedoch für solche Pakete eine pauschale Abgabe von drei Euro pro Sendung gelten. Diese Regelung ist nur vorübergehend vorgesehen, bis eine neue digitale Zollplattform in Betrieb ist, über die künftig alle importierten Waren ab dem ersten Euro zollpflichtig werden.

Die EU-Kommission nimmt Temu und Shein zudem wegen möglicher Verstöße gegen das Gesetz über digitale Dienste genauer unter die Lupe. Gegen beide Unternehmen laufen derzeit Untersuchungen. Auch das Bundeskartellamt hat im Oktober ein Verfahren gegen die Technology Limited eingeleitet, die hinter Temu steht. Dabei wird geprüft, ob der Online-Marktplatz unzulässige Vorgaben zur Preisgestaltung für Händler in Deutschland macht.

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