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OECD warnt: weltweite Stahlkrise verschärft sich durch alarmierende Überkapazitäten

Ein Mann arbeitet im ThyssenKrupp-Stahlwerk in Duisburg am fünften November 2025.
Ein Mann arbeitet am fünften November 2025 im ThyssenKrupp-Stahlwerk in Duisburg. Copyright  AP Photo/Martin Meissner
Copyright AP Photo/Martin Meissner
Von Doloresz Katanich
Zuerst veröffentlicht am
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Die weltweite Stahlbranche rutscht laut OECD immer tiefer in die Krise: Subventionierte Produktion und Überkapazitäten verzerren die Märkte, vor allem in China. Das setzt Hersteller in Europa und anderen OECD-Ländern zunehmend unter Druck.

Die weltweite Stahlkapazität wächst weiter, obwohl die Nachfrage schwach bleibt. Das setzt die Preise unter Druck und verzerrt den Wettbewerb.

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Stahl ist ein Schlüsselmaterial für zahlreiche Branchen – von Bau und Industrie über Elektroautos bis zu Rechenzentren.

Die Nach OECD-Angaben (Quelle auf Englisch) treiben staatliche Subventionen die weltweite Überkapazität maßgeblich an. Ein großer Teil des Zuwachses an Stahlkapazitäten der vergangenen zwei Jahrzehnte entfiel auf Länder außerhalb der OECD – häufig mit staatlicher Hilfe.

Im Jahr 2024 erhielt ein durchschnittliches chinesisches Stahlunternehmen, gemessen an der Bilanzsumme, Subventionen in Höhe des 15-Fachen der Unterstützung für Hersteller in anderen Ländern, so die OECD.

Gleichzeitig exportierten chinesische Stahlhersteller 2025 einen Rekord von 131 Millionen Tonnen Stahl. Das waren 153 % mehr als 2020 und mehr als die gesamte Stahlproduktion der Europäischen Union in diesem Jahr.

Die Warnung kommt zu einem Zeitpunkt, an dem die OECD mit einem Anstieg der weltweiten Stahlüberkapazitäten von 640 Millionen Tonnen im Jahr 2025 auf 745 Millionen Tonnen bis 2028 rechnet. Die Produktionskapazitäten wachsen damit deutlich schneller als die Nachfrage.

Die weltweite Stahlnachfrage dürfte zwischen 2026 und 2028 nur um 34 Millionen Tonnen zulegen. Gleichzeitig planen Hersteller, im selben Zeitraum bis zu 139 Millionen Tonnen zusätzliche Kapazität aufzubauen.

China dürfte bei diesem Ausbau eine Schlüsselrolle spielen. Das Land plant, seine Stahlkapazitäten bis 2028 um bis zu 38,6 Millionen Tonnen zu erhöhen – der größte geplante Zuwachs eines einzelnen Landes.

Sollten diese Projekte wie geplant umgesetzt werden, würde die weltweite Überkapazität nach OECD-Angaben die derzeitige jährliche Stahlproduktion aller OECD-Länder um fast 320 Millionen Tonnen übertreffen. Das verdeutlicht das Ausmaß des Ungleichgewichts, vor dem die Branche steht.

Politische Entscheidungsträger fürchten, dass anhaltende Überkapazitäten die Rentabilität und langfristige Überlebensfähigkeit der heimischen Stahlindustrien untergraben. Viele Länder würden damit abhängiger von Importen eines Materials, das sie für strategisch wichtig halten – für Bau, Verteidigung, Energieinfrastruktur und Industrieproduktion.

Stahlproduktion im ThyssenKrupp-Stahlwerk in Duisburg, 5. November 2025
Stahlproduktion im ThyssenKrupp-Stahlwerk in Duisburg, 5. November 2025 AP Photo

Auf der Tagung des OECD-Ministerrats sagte OECD-Generalsekretär Mathias Cormann: „Wir müssen die Ursachen angehen, darunter schädliche Subventionen und andere marktverzerrende Praktiken. Dafür brauchen wir eine engere internationale Zusammenarbeit und faire Wettbewerbsbedingungen für Stahlhersteller überall auf der Welt.“

Die OECD fand zudem Hinweise darauf, dass einige Exporteure Handelsbarrieren umgehen, indem sie Halbzeuge nach Südostasien liefern, dort weiterverarbeiten lassen und anschließend in OECD-Märkte ausführen. Ein Anstieg der chinesischen Exporte von Stahlhalbzeugen in die Region um 300 % deutet auf einen möglichen Weg hin, Zölle und Anti-Dumping-Maßnahmen zu umgehen.

Energiekosten und Handelskonflikte verstärken Druck auf Stahlbranche

Zugleich kämpft die Branche mit steigenden Energiekosten, die mit dem Iran-Krieg zusammenhängen. Energie kann bis zu 40 % der Stahlproduktionskosten ausmachen. Dadurch reagiert der Sektor besonders empfindlich auf höhere Preise.

Der Bericht weist zudem auf zunehmenden Druck bei der Rohstoffversorgung hin. Kein stahlproduzierendes Land kann sich vollständig mit allen für die Produktion notwendigen Vorleistungen selbst versorgen. Gleichzeitig nehmen Exportbeschränkungen für wichtige Materialien weltweit zu. Inzwischen begrenzen 42 Länder die Ausfuhren von Stahlschrott, einem zentralen Rohstoff für die Produktion in Elektrolichtbogenöfen.

Europa ist diesen Belastungen besonders ausgesetzt. Die Stahlhersteller der Region haben meist höhere Arbeits- und Energiekosten und strengere Umweltauflagen als viele internationale Wettbewerber.

Dadurch können europäische Produzenten längere Phasen niedriger Preise oft schlechter überstehen als Konkurrenten mit geringeren Kosten oder kräftiger staatlicher Unterstützung.

„Wenn sich die aktuellen Trends fortsetzen, werden die langfristige Tragfähigkeit des Sektors und die wirtschaftliche Sicherheit vieler Länder untergraben“, warnte die OECD.

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