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Walpurgisnacht, Winterende, Hexenverbrennungen: Wie viel Mythos steckt hinter der Tradition?

Denn dort sollen Hexen einen Pakt mit dem Teufel haben - und ihn einmal jährlich in der sogenannten Walpurgisnacht zum Tanzen treffen.
Denn dort sollen Hexen einen Pakt mit dem Teufel haben - und ihn einmal jährlich in der sogenannten Walpurgisnacht zum Tanzen treffen. Copyright  Copyright 2019 The Associated Press. All rights reserved
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Von Franziska Müller
Zuerst veröffentlicht am Zuletzt aktualisiert
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In der Walpurgisnacht ziehen tausende als Hexen verkleidete Menschen durch die Straßen, zünden Lagerfeuer und feiern das Ende des Winters. Doch woher kommt die Tradition?

Knapp 500 Einwohner zählt der Ortsteil Schierke - doch am 30. April verwandelt sich der Ort zu einer Welt, in der es Hexerei und Magie gibt. Es ist Walpurgisnacht. Schierke, das letzte Dorf unter dem Gipfel des Brocken, wird von tausenden Besuchern heimgesucht, um die altertümlichen Bräuche wiederaufleben zu lassen.

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Denn dort sollen Hexen einen Pakt mit dem Teufel haben - und ihn einmal jährlich in der sogenannten Walpurgisnacht zum Tanzen treffen. Der Mythos um die Walpurgisnacht ist nicht abschließend geklärt. Doch umso wilder sind die Geschichten zwischen der Austreibung des Winters und Verschwörungen um dunkle Kräfte.

Im vergangenen Jahr sammelten sich etwa 45.000 Menschen in Sachsen-Anhalt und Niedersachsen, auch im Erzgebirge kamen tausende Besucher zusammen.

Walpurgisnacht auf dem Blocksberg

Den Legenden zufolge trafen sich die Hexen spätabends am 30. April in kleinen Orten wie Thale und Schierke auf einem Hexentanzplatz. Von dort aus sollen sie in der Walpurgisnacht auf den Brocken geflogen sein – den größten Berg im Harzer Mittelgebirge mit 1.141,2 Metern. Volkstümlich wird auch noch vom Blocksberg gesprochen.

Auch heutzutage treffen sich die Menschen in Schierke, dem letzten Ort unterhalb des Brocken-Gipfels und setzen die Traditionen fort. Mittelaltermarkt, Live-Musik und Hexenumzüge mit schaurigen Kostümen stehen auf dem Programm.

Die Harzer Walpurgisnächte werden in mehr als 20 Orten der Region gefeiert, denn sie gilt noch immer als Hochburg der Festlichkeiten. Auch deutschlandweit gibt es inzwischen viele Feste.

Walpurgisnacht - Daher kommt der Brauch

Der Ursprung der Walpurgisnacht ist nicht ganz klar, es vermischen sich sowohl heidnische als auch christliche Stränge. Nach altem Glauben sammeln sich in der Nacht zum 1. Mai die Hexen auf dem Brocken.

Dort sollen Hexen mit dem Teufel gefeiert haben. Heute heißt es auch, das Böse oder der Winter werde ausgetrieben, der Frühling begrüßt. Ein Frühlingsfest, an dem deshalb verschiedene Opfergaben an den obersten Germanengott Wodan gebracht wurden, soll es schon vor 1.000 Jahren gegeben haben. Inzwischen ist es vor allem ein Touristenspektakel.

Heute ziehen die Menschen zur Walpurgisnacht in Hexenkostüumen durch die Straßen.
Heute ziehen die Menschen zur Walpurgisnacht in Hexenkostüumen durch die Straßen. FRANK DRECHSLER/AP2006

In Hexenkostümen mit langen Nasen, großen Händen, Kopftüchern und langen wehenden Kleidern ziehen Menschen in Umzügen durch die Hauptstraßen. Manche schaurig, andere verkörpern schon fast eine Tracht.

Andere sagen, die Walpurgisnacht wurde nach der heiligen Walburga benannt. Sie gilt als Schutzpatronin der Seeleute und Bauern sowie als Schutzheilige gegen Hungersnot, Pest und Stürme. Auch literarisch gibt es eine Spur. In "Faust" hatte Goethe nach einer Brockenbesteigung im Jahr 1777 über das teuflische Treiben berichtet.

Hexen von damals und heute

Während Hexen heutzutage durchaus auch mal etwas Magisches haben, waren sie zu Goethes Lebzeiten ein Zeichen des Bösen. Sie waren Schuldige und wurden in vielen Fällen verurteilt.

"Es ist die Erklärung für schlichtweg alles", sagt Matthias Lothhammer, Autor des Buches "Mit dem Feuer vom Leben zum Tod gebracht" über den Hexenwahn im Interview mit der Zeit. "Wenn die Milch sauer wird, wenn die Kuh tot umfällt, wenn der Blitz einschlägt, wenn andere Haustiere sterben, Kindersterblichkeit, wenn einem selber Krankheit oder irgendwas widerfährt", beschreibt Lothhammer als Auslöser für eine Hexenverfolgung.

Binnen 100 Jahren, zwischen 1580 und 1680, sollen rund 1.800 Darmstädter Hexenprozesse stattgefunden haben, berichtet Lothhammer, der in Darmstadt auch Führungen zum Thema Hexen gibt.

Sogenannte Hexen haben heutzutage ein besseres Image, während sie im 17. Jahrhundert sogar verfolgt worden waren.
Sogenannte Hexen haben heutzutage ein besseres Image, während sie im 17. Jahrhundert sogar verfolgt worden waren. Copyright 2019 The Associated Press. All rights reserved

Die Menschen glauben, "der Teufel schare eine Gruppe von Menschen um sich, die versuchen, Gottes gute Schöpfung zu zerstören", sagt Thomas Becker, Historiker an der Universität Bonn dem Magazin National Geographic. Zum größten Teil sind es Frauen, die scheinbar geheime, dämonische Künste beherrschen würden. Ihre angeblichen Zauberkräfte dienen als willkommene Erklärung für materielle Schäden, Krankheiten und Todesfälle.

Inzwischen ist die Hexe positiver konnotiert, wie auch Historiker Becker in dem Bericht bestätigte. In den 1970er Jahren ist die Hexe zur Symbolfigur für Emanzipation und Frauen geworden. Inzwischen schaut man wohlwollend auf die Figur und hat Kindergeschichten mit guten Hexen wie etwa Bibi Blocksberg geschaffen.

Walpurgisnacht in Europa - so feiern andere Länder

Der Hexenumzug und das Walpurgisfeuer in Schierke werden als europäisches Fest benannt. Denn auch anderswo in Europa ist dieser Tag besonders und markiert das Ende des langen Winters.

In Schweden nennt man die Walpurgisnacht "Valborgsmässoafton". Hier stand der religiöse Bezug im Vordergrund: es galt als katholisches Fest zu Ehren der Heiligen Walburga. Über die Jahrhunderte haben sich die Festlichkeiten zu einer Tradition entwickelt, die tief in der schwedischen Kultur verankert ist.

In Schweden ehren die Menschen mit großen Lagerfeuern in der Walpurgisnacht die Heilige Walburga.
In Schweden ehren die Menschen mit großen Lagerfeuern in der Walpurgisnacht die Heilige Walburga. TT

In Tschechien und in Teilen der Slowakei wird das "Čarodějnice" gefeiert, ein heiteres Frühlingsfest ohne dunkle sagenumwobene Heimlichkeiten. Als Stellvertreterin für den Winter wird eine Figur aus Stroh und alten Kleidern verbrannt. Čarodějnice heißt zwar übersetzt Hexen, aber mit der traditionellen Hexenverbrennung hat die Verabschiedung des Winters nichts zu tun.

In Irland wird in der Nacht zum 1. Mai das keltische Jahreskreisfest "Beltane" gefeiert. Auch hier werden Feuer gezündet, keltische Musik gespielt und traditionelle Zeremonien abgehalten. Dazu gehört beispielsweise der Sprung über das Feuer. Beltane markiert dabei den Beginn des Sommerhalbjahres im irischen Kalender und steht sinngemäß für eine Zeit des Wachstums, der Fruchtbarkeit und des Lebens. Neben dem Beltane-Fest gibt es auch Samhain, Imbolc und Lughnasadh. Das keltische Fest gilt auch als Ursprung für die europaweiten Feierlichkeiten.

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