Online-Plattformen werden zur neuen politischen Arena für junge Leute in Europa. Ihr Engagement im Internet ist höher als das älterer Gruppen. Doch was zeigt der Vergleich zwischen verschiedenen EU-Staaten?
Junge Menschen in Europa scheinen politisch aktiver zu sein als ihre älteren Mitbürger und Mitbürgerinnen.
Im Jahr 2025 gab fast jeder vierte Europäer im Alter von 16 bis 29 Jahren an, sich online mit gesellschaftlichen oder politischen Themen zu befassen, so die jüngsten Zahlen von Eurostat.
Dazu gehört, dass sie ihre Meinung zu gesellschaftilichen oder politischen Themen äußern, an Online-Diskussionen und -Befragungen teilnehmen oder abstimmen.
Im Vergleich dazu gab etwas mehr als ein Fünftel der Gesamtbevölkerung an, dass sie die gleichen Dinge tun.
Einer der Hauptgründe, warum junge Leute in Europa das Internet nutzen, um ihre politischen Ansichten zum Ausdruck zu bringen, scheint die Flexibilität und die Möglichkeit zu sein, allen eine Stimme zu geben.
Laut der Europäischen Partnerschaft für Demokratie (EPD) sehen junge Menschen das Internet und Online-Foren als eine Möglichkeit, Teilhabe und Mitmachen neu zu definieren, da sie sich in traditionellen Offline-Umgebungen nur zu "vorbestimmten Räumen eingeladen fühlen, die selten einen gleichberechtigten Einfluss zulassen, wie Jugendräte, Foren und Gipfeltreffen".
"Anstatt sich aus der Politik zurückzuziehen, gestalten junge Menschen die Demokratie von Grund auf neu", sagt Carlotta Magoga, Referentin für Forschung und Programme der EPD.
Laut Eurostat war die Online-Beteiligung junger Menschen am politischen Leben im Jahr 2025 in Slowenien (49,4%), Lettland (33,3%) und den Niederlanden (31,3%) am höchsten.
Die niedrigsten Anteile wurden dagegen in Belgien (12,3%), der Tschechischen Republik (14,3%), Schweden und Griechenland (jeweils 16,1%) verzeichnet.
Fast überall sind junge Leute online aktiver als ältere
In 23 der 27 EU-Länder war die Wahrscheinlichkeit, dass junge Menschen online aktiv waren, höher als in der Gesamtbevölkerung.
Die größten Unterschiede wurden in Slowenien festgestellt, wo fast die Hälfte der jungen Menschen online aktiv ist, verglichen mit etwas mehr als einem Drittel der Gesamtbevölkerung.
Es folgten Lettland, wo 33,3 % der Jugendlichen online aktiv waren, verglichen mit 24,2 % der Gesamtbevölkerung, und Italien (30,9 % gegenüber 24,5 %).
Nur in Finnland und Zypern übertraf die Allgemeinbevölkerung das politische Engagement der jungen Menschen, während in Luxemburg, Irland, Kroatien und Malta das Engagement in allen Altersgruppen gleich war.
Da sich die demokratische Debatte immer weiter ins Internet verlagert, warnen Experten und Expertinnen davor, dass digitale Plattformen zunehmend die Kontrolle über die politische Konversation übernehmen. Damit einher geht die Gefahr einer Fragmentierung des Diskurses, was Zynismus, Misstrauen und sogar wutgetriebenes Engagement schürt.