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Ölpreis steigt kurzzeitig auf 126 Dollar: USA-Iran-Konflikt schürt Angebotsangst

Ein Boot fährt an einem vor Anker liegenden Tanker in der Straße von Hormus vor der Küste der Insel Qeschm im Iran vorbei, 18. April 2026
Ein Boot fährt an einem vor Anker liegenden Tanker in der Straße von Hormus vor der Küste der Insel Qeschm im Iran vorbei, 18. April 2026. Copyright  AP Photo/Asghar Besharati
Copyright AP Photo/Asghar Besharati
Von Quirino Mealha
Zuerst veröffentlicht am Zuletzt aktualisiert
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Die Ölpreise ziehen am Donnerstag an: Brent klettert kurz auf 126 Dollar, weil Anleger wachsende Spannungen bei den US-Iran-Gesprächen einpreisen.

Die internationalen Ölpreise bewegen sich weiter nahe ihrem höchsten Stand seit Beginn des Iran-Kriegs.

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Grund ist, dass die USA und Iran in den Verhandlungen keinen Fortschritt zeigen. Eine baldige Wiederöffnung der Straße von Hormus gilt als unwahrscheinlich.

Die Nordsee-Sorte Brent zur Lieferung im Juni verteuerte sich am Donnerstag zeitweise auf bis zu 126 Dollar je Barrel. Das ist der höchste Stand innerhalb eines Handelstags seit dem Jahr 2022, als Russland die umfassende Invasion der Ukraine begann. Iran hält die Straße von Hormus weiterhin fest unter Kontrolle.

Am frühen Nachmittag in Europa lag der Brent-Preis zwar wieder unter 123 Dollar, blieb damit aber auf hohem Niveau. Anleger achten genau auf Hinweise auf mögliche Friedensgespräche oder eine weitere Eskalation.

Auch die US-Referenzsorte WTI stieg um mehr als drei Prozent auf über 110 Dollar, bevor sie auf rund 108 Dollar zurückfiel.

Der jüngste Preissprung hängt direkt mit dem stockenden Ringen um eine Wiederöffnung der Straße von Hormus zusammen. Ein klarer Weg zu einem Kriegsende fehlt, und eine Rückkehr zu US-israelischen Militäreinsätzen gilt vielen Beobachtern als immer wahrscheinlicher.

Am Donnerstag erklärte Irans oberste Führungspersönlichkeit Mojtaba Khamenei, das Land werde seine „nuklearen und Raketenfähigkeiten“ als nationales Gut verteidigen. Er stellte sich damit demonstrativ gegen die Bemühungen von Donald Trump, mit einem umfassenderen Abkommen die fragile Waffenruhe zu stabilisieren.

In einer schriftlichen Erklärung, die im Staatsfernsehen verlesen wurde, sagte Khamenei, die USA hätten im Persischen Golf „keinen Platz außer auf seinem Grund“. Zugleich sprach er von einem „neuen Kapitel“ für die Region.

Unterdessen will US-Präsident Donald Trump am Donnerstag den Chef des US-Zentralkommandos, Admiral Brad Cooper, treffen und sich über neue militärische Optionen für Einsätze in Iran informieren. Das meldete das Portal Axios unter Berufung auf zwei nicht namentlich genannte Personen.

Das Treffen gilt als Hinweis auf eine mögliche neue Eskalation im Nahen Osten. Nach Medienberichten prüfen die USA eine Wiederaufnahme von Kampfoperationen „sehr ernsthaft“, und die Ölmärkte reagierten prompt.

Seit Anfang April hält eine Waffenruhe. Jüngste Vermittlungsversuche sind jedoch gescheitert, beide Seiten lehnen direkte Gespräche ab. Gleichzeitig halten sowohl die USA als auch Iran ihre Blockade der strategisch wichtigen Straße von Hormus aufrecht.

Das US-Zentralkommando hat nach Medienangaben außerdem den Einsatz von Hyperschallraketen im Nahen Osten angefordert. Es wäre das erste Mal, dass die US-Armee diese Waffenart in der Region stationiert.

Die anhaltende Blockade von Häfen und die Gefahr ausgeweiteter Gefechte haben die Erwartungen der Märkte grundlegend verändert.

Aktuelles US-CENTCOM-Update zur Blockade der Straße von Hormus

OPEC und Weltangebot: Machtverhältnisse verschieben sich

Der Preissprung fällt in eine Phase tiefgreifender Veränderungen in der globalen Ölordnung.

Anfang der Woche sind die Vereinigten Arabischen Emirate offiziell aus der Organisation erdölexportierender Länder (OPEC) und dem erweiterten Bündnis OPEC+ ausgestiegen. Die Regierung begründete den Schritt damit, die eigenen nationalen Interessen stärker in den Vordergrund stellen zu wollen.

Unter normalen Marktbedingungen könnte der Austritt eines großen Produzenten als Signal für ein höheres Angebot oder geringere Preisstabilität gelten.

Doch angesichts der Dimension des Iran-Kriegs sehen viele Händler den Schritt der Emirate nur als Randaspekt.

Trotz des Ausstiegs der Emirate, der OPECs Kontrolle über Förderquoten schwächen könnte, klettern die Preise weiter.

Das deutet darauf hin, dass derzeit vor allem der „Kriegsaufschlag“ alle anderen Fundamentaldaten überlagert.

Anleger kümmern sich derzeit weniger um die innenpolitischen Machtspiele der Förderstaaten. Im Mittelpunkt stehen für sie der fehlende iranische Rohstoff, unterbrochene Schiffsrouten durch die Straße von Hormus und die Gefahr für die Infrastruktur der Region.

Der Kurswechsel der Emirate hin zu einer unabhängigeren Rolle macht dennoch deutlich, wie stark die globale Energieordnung zerfasert. Das geschieht in einer Phase, in der die Energiesicherheit der Welt besonders verletzlich wirkt.

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